Herr Kreuzer kommt seit dieser Woche wieder in die Gruft – wegen des „Sauwetters“ draußen, sagt er.

© KURIER/Gilbert Novy

Spendenaufruf
12/18/2015

"Obdachlose brauchen unsere Hilfe"

Immer mehr Menschen finden Zuflucht in der Gruft der Caritas. Unterstützung wird immer gebraucht.

von Julia Schrenk

Herr Kreuzer stellt sein Gulasch auf ein schmales Fensterbrett in der Gruft. Reis und Erdäpfel sind schon aus, aber Brot ist noch da. "Das geht schon", sagt Herr Kreuzer. Seit zwei Jahren war der 65-Jährige nicht mehr in der Gruft der Caritas in der Barnabitengasse in Wien-Mariahilf, diese Woche hat er erstmals wieder in der Notschlafstelle genächtigt. Wenn er nicht dort ist, schläft er auf einer öffentlichen Toilette in Neuwaldegg. "Aber bei dem Sauwetter", sagt Herr Kreuzer, kommt er lieber in die Gruft.

Dort kann er sich aufwärmen, schlafen, essen, duschen, Kleidung waschen, sich jeden Mittwoch im sogenannten Louisebus ärztlich versorgen lassen. Kurz: Es kümmert sich jemand um ihn.

Leerer Magen

60 Obdachlose können in den Stockbetten der Notschlafstelle der Gruft nächtigen. "Wir sind jeden Abend voll belegt", sagt Susi Peter, leitende Sozialarbeiterin der Gruft. Und es werden immer mehr, die nach einem warmen Schlafplatz suchen: Bis Ende November wurden in der Gruft 19.482 Nächtigungen gezählt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2014 waren es 20.080.

Gleichzeitig steigt auch die Zahl jener Menschen, die zum Essen ins Tageszentrum der Gruft kommen. Im Vorjahr wurden insgesamt 117.945 Mahlzeiten ausgeteilt, heuer waren es bis Ende November bereits 105.594. Täglich kommen rund 200 Menschen zum Essen. Um 8 Uhr Früh sperrt die Notschlafstelle zu – dann gibt es Frühstück im Tageszentrum. Ab 12 Uhr wird das Mittagsessen ausgeteilt.

Immer wieder wird die Gruft von Firmen und Privaten unterstützt. Über die Kardinal-König-Patenschaft etwa wurden seit 2005 mehr als 400.000 Euro gesammelt.

Vergangenen Mittwochmittag standen die Obdachlosen an die Fenster gelehnt, das Gulasch aufs Fensterbrett gestellt – so viel war los in der Gruft. Die Schlange vor der Essensausgabe reichte vom Speisesaal bis zum Wäscheraum. "Bei uns ist eigentlich immer viel los", sagt Susi Peter. Aber jetzt im Winter eben noch ein bisschen mehr. "Einmal am Tag braucht man etwas Warmes zu essen", sagt sie.

Die Sozialarbeiterin kennt den Namen und die Geschichte von so gut wie jedem Obdachlosen in der Gruft. Und auch "die Susi" kennt jeder. "Die Susi ist ein Denkmal", sagt Herr Kreuzer. "Man müsst’ sie eigentlich glorifizieren."

Herr Kreuzer wollte – wie viele andere Obdachlose auch – zunächst nicht in die Gruft kommen. Zum ersten Mal wurde die Sozialarbeiterin vor zwei Jahren auf den 65-Jährigen aufmerksam: Jemand hatte Herrn Kreuzers Aufenthaltsort beim Kältetelefon der Caritas gemeldet. Susi Peter und andere Sozialarbeiter haben den Obdachlosen immer wieder besucht: "Es dauert einfach, bis die Menschen Vertrauen fassen. Zu sich selbst und zu uns." Das sei auch der Grund, warum viele Obdachlose nach wie vor auf der Straße leben. "Obdachlosigkeit kann jeden und jede treffen – 365 Tage im Jahr", sagt Caritas-Präsident Michael Landau. "Obdachlose brauchen unsere Hilfe."

Essen oder heizen

Viele, die in die Gruft kommen, stünden außerdem vor der Entscheidung: "Essen oder heizen", sagt Susi Peter und erzählt von einer Frau, die eine Strom-Nachzahlung zu begleichen hat. Nach Abzug von Miete und laufenden Kosten blieben der Frau 150 Euro monatlich zum Leben. "Da gehen sich keine drei Mahlzeiten täglich aus", sagt Peter.

Spenden:

Gruft Winterpaket
50 Euro für einen winterfesten Schlafsack und eine warme Mahlzeit. Spendenkonto:
AT16 3100 0004 0405 0050
BIC: RZBAATWW
Kennwort: Gruft Winterpaket

Das Caritas-Kältetelefon ist erreichbar unter: 01/4804553

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