Chronik | Wien
19.05.2015

Notfälle bei Schwangeren: Keine Gynäkologen vorhanden

Durch die Personaleinsparungen im KAV könnte sich die Lage im ohnehin schon überlasteten AKH weiter zuspitzen, befürchtet Hussle… © Bild: KURIER/Martin Gnedt

AKH-Klinikchef schreibt in einem Brief an den KAV-Generaldirektor von dramatischen Engpässen im Wilhelminenspital.

Die Personalengpässe in den Wiener Gemeindespitälern nehmen offenbar immer schlimmere Formen an. Und das bekommt wiederum das seinerseits massiv überlastete AKH zu spüren: "Wir haben in den letzten paar Tagen zwei schwangere Patientinnen vom Wilhelminenspital übernommen, die auf der Notfallambulanz lediglich einen Schwangerschaftstest bekommen haben, ohne dass ein Gynäkologe/Geburtshelfer sie gesehen hat", beschwert sich Peter Husslein, Chef der Uniklinik für Frauenheilkunde am AKH, in einem Brief an den Chef des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), Udo Janßen. Im ersten Fall handelte es sich um eine Frau mit akuten Unterleibsbeschwerden infolge einer Eileiterschwangerschaft. Einem Tag nach ihrem Aufenthalt im Wilhelminenspital kam sie mit einer lebensbedrohlichen Blutung ins AKH und musste notoperiert werden.

Totgeburt

Nicht weniger dramatisch der zweite Fall, der sich Anfang Mai zugetragen hat. Auch diese Patientin kam laut Hussleins Schreiben mit Unterleibsschmerzen in die Notfallaufnahme des Wilhelminenspitals. Dort erhielt sie einen Schwangerschaftstest, der positiv war. „Man hätte sie zu der Schwangerschaft beglückwünscht, ohne einen Gynäkologen zuzuziehen“, heißt es in dem Schreiben. Einen Tag später habe die Frau mithilfe ihrer Mutter ein Kind mit 1,5 kg auf die Welt gebracht, das bei der Geburt tot war.

Im KAV will man den Fällen jetzt im Detail nachgehen. Zumindest in jenem der ersten Patientin weist man die Darstellung Hussleins zurück: „Es wurde sehr wohl ein Gynäkologe per telefonischem Konzil hinzugezogen“, betont eine Sprecherin. Dies sei ein üblicher Vorgang.
Beide Frauen hätten jedenfalls nach der Untersuchung das Krankenhaus freiwillig wieder verlassen, heißt es beim KAV.

Laut Husslein würden sich solche Fälle allerdings in letzter Zeit häufen. Für ihn eine „beunruhigende Entwicklung“, zumal im KAV Personal eingespart werden soll. „Das wird zwangsläufig dazu führen, dass die Situation an den ohnehin überlasteten Einrichtungen des AKH weiter in unzumutbarer Weise verschlechtert wird.“ Der Brief ging auch an die Wiener Ärztekammer, die ihn auf der Website „Schützen wir unsere Spitäler“ veröffentlichte.

Streik-Abstimmung

Unterdessen steuert im AKH der Streit um die neuen Arbeitszeitregelungen auf einen neuen Höhepunkt zu. Nachdem man sich mit dem Rektorat auf keine Lösung einigen konnte, stimmen ab Freitag die AKH-Ärzte über ihre Bereitschaft zu einem Streik ab. Das Votum erfolgt elektronisch. Das Ergebnis liegt am 28. Mai vor.