© Katharina Zach

Chronik Wien
05/13/2020

Notdurft in der Krise: Verzwickte Lage bei Öffi-Klos

Während der Corona-Pandemie schränkte der neue Betreiber Sanifair die Öffnungszeiten seiner WCs in U-Bahnstationen ein.

Es waren schlechte Zeiten für Notdurft-Geplagte. Mit dem Lockdown Mitte März wurden auch die Öffnungszeiten der WC-Anlagen in den Wiener U-Bahnstationen verkürzt. Zu wenig Frequenz – in der U-Bahn und auf den Toiletten, argumentierte man bei den Wiener Linien. Doch das „Hochfahren“ der WCs geschieht nur langsam. Klotechnisch kann man nun nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen durchaus in Not geraten.

Erst vergangenen Herbst hatte in der U-Bahnstation Stephansplatz die erste Anlage des Sanitäranbieters Sanifair eröffnet. Die Neuerung ist Teil des neuen Klo-Konzepts der Wiener Linien, bei dem die WCs von externen Anbietern betreut werden. Sanifair bekam den Zuschlag für sechs betreute Toiletten-Standorte, vier sind bereits offen.

Für 50 Cent pro Benutzung sollen die WCs nun mehr Komfort, mehr Hygiene und mehr Kundenfreundlichkeit bieten (siehe Zusatzbericht). Doch vergangenen Samstagmittag  war die WC-Anlage geschlossen. Lediglich zwischen 13 und 18 Uhr (statt zwischen  6 und 23 Uhr)  sei sie geöffnet, steht auf einem  Aushang.

Deshalb bildete sich vor dem einzigen  in Betrieb befindlichen Nacht-WC, das immer geöffnet hat, rasch eine lange Schlange. Auch in anderen Stationen standen Fahrgäste bereits vor heruntergelassenen Rollbalken. Da die Ausgangsbeschränkungen bereits vor zwei Wochen ausgelaufen sind, Geschäftsstraßen wieder zum Bummeln locken, Lokale aber noch geschlossen sind, will also ein Klobesuch derzeit gut geplant sein.

Die Idee  
2014 wurden die WC-Anlagen in den U-Bahnstationen von der MA 48 an die Wiener Linien übergeben. Zuletzt waren es noch 54. Bereits damals wurde ein  neues Betriebskonzept der Anlagen angekündigt. Wegen Vandalismus oder missbräuchlicher Verwendung waren immer wieder zahlreiche Klos gesperrt. Fünf Millionen Euro sollten die Wiener Linien hier  investieren  

Lange Betreibersuche
2017 wurden externe Betreiber gesucht, es wurde bekannt, dass die WC-Nutzung 50 Cent kosten wird. 2018 sollte die Umrüstung beginnen. Insgesamt 31 Anlagen soll es künftig geben. Doch es wurde kein Betreiber gefunden, der sechs WCs mit Personal sowie 25 unbetreute Toiletten übernehmen wollte. 2018 erfolgten die Ausschreibungen getrennt. Für die sechs betreuten Klos erhielt Sanifair 2019 den Zuschlag

Bei Sanifair und den Wiener Linien argumentiert man mit den stark zurückgegangenen Fahrgastzahlen. Auch aktuell würden erst halb so viele Menschen wie sonst üblich die U-Bahn nutzen, erklärt eine Sprecherin. „Ab Mitte März mit dem Shutdown wurden die Öffnungszeiten reduziert, jetzt werden sie schrittweise wieder hochfahren.“ Und zwar zuerst an Orten, an denen viele Menschen unterwegs sind. Beim Stephansplatz soll das Klo bald zwischen 8 und 20 Uhr offen haben. Ein Nacht-WC sei aber in allen größeren Stationen in Betrieb.

Neuerungen bei WC-Anlagen werden bald kommuniziert

Das Virus hat nicht nur Auswirkung auf die Öffnungszeiten, sondern auch auf den Bau neuer WCs. So verzögert sich die Eröffnung der Sanifair-Anlagen in den Stationen Volkstheater und Schwedenplatz. Generell kündigten die Wiener Linien für diese Woche weitere Infos zum Klo-Konzept an. Immerhin sind noch für 25 stille Örtchen im U-Bahnnetz Betreiber ausständig.

Die Suche nach den nächsten öffentlichen Toiletten ist in vielen Städten ein Thema. Mittlerweile gibt es sogar Apps, um den Menschen die Suche nach der nächsten Toilette zu erleichtern. Der Betrieb der Anlagen ist kostspielig, viele Kommunen schließen daher laufend WCs.

In Wien, wird betont, sei die Zahl in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben. 154 Anlagen – 27 davon mit Personal – betreut die MA 48, dazu kommen 21 auf der Donauinsel. Seit 2014 werden die Sanierung sowie der Neubau von WCs in den Bezirken sogar gefördert. In der Krise setzte man nicht auf Schließung – trotz geringerer Frequenz. Stattdessen wurden die Reinigungsintervalle erhöht.

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