Sanierung Nordbrücke: So müssen Radfahrer künftig ausweichen
Ab 2028 wird der Steinitzsteg für den Rad- und Fußverkehr gesperrt.
Über 30 Jahre ist die letzte Sanierung der Anfang der 1960er-Jahre errichteten Nordbrücke bereits her. Mit einer Frequenz von 110.000 Fahrzeugen pro Tag war es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Generalsanierung der vierspurigen Brücke ansteht. Bereits seit Ende 2024 ist bekannt, dass die Arbeiten im Jahr 2027 beginnen werden. Am Donnerstag wurde bei einem Medientermin, an dem unter anderem Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) und Asfinag-Geschäftsführer Andreas Fromm teilnahmen, präsentiert, wie die Radroute in dem Abschnitt künftig verlaufen wird.
Der Steinitzsteg neben der Nordbrücke, über den der Rad- und Fußverkehr bisher geführt wurde, wird nämlich während der Bauarbeiten als Kfz-Ausweichroute mit zwei Fahrspuren Richtung Floridsdorf genutzt. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung sollen während der gesamten Sanierungsdauer zwei Spuren in jede Fahrtrichtung erhalten bleiben.
So wird der Radverkehr ab 2028 umgeleitet.
Varianten geprüft
Wie wird also während der Sanierungsarbeiten der Rad- und Fußverkehr geführt? Der muss die Ausweichroute über die Floridsdorfer Brücke nutzen. Dafür werden zwei baulich getrennte Zweirichtungsradwege neu errichtet: jeweils an die Brücke anschließend im 20. Bezirk auf der Adalbert-Stifter-Straße und im 21. Bezirk auf der Floridsdorfer Hauptstraße. Diese sollen die neue Route an das bestehende Radwegenetz anschließen.
Geprüft wurden mehrere Varianten. Die Route über die Floridsdorfer Brücke stelle die beste Alternative dar, beteuert Wolfgang Strenn, Leiter der MA 29 (Brückenbau und Grundbau). Die Variante, den Steinitzsteg so zu verbreitern, dass er sowohl den Kfz- als auch den Rad- und Fußverkehr aufnehmen kann, käme einem Neubau gleich. Zudem müsse der Steinitzsteg zahlreiche Barrieren überwinden, darunter die sechsspurige Donauufer-Autobahn A22, die Neue Donau und den von der Schifffahrt genutzten Donau-Hauptstrom sowie die Gleise der Donauufer-Bahn. All das macht einen Neubau sehr komplex und würde mit Kosten von 70 bis 90 Millionen Euro zu Buche schlagen. Kurzum, es ist nicht finanzierbar. Auch die Möglichkeit einer Pontonbrücke und einer Fährverbindung wurde geprüft und verworfen.
Bleibt also die Route über die Floridsdorfer Brücke. Laut Wiens Radverkehrsbeauftragten Martin Blum bedeutet die neue Route für Radfahrer im Schnitt eine zusätzliche Fahrtzeit von 2,5 Minuten. Die Radwege bleiben auch nach Abschluss der Sanierung bestehen.
Ablauf der Sanierung
Die Errichtung der neuen Radwege und die vorbereitenden Arbeiten am Steinitzsteg beginnen 2027. Ab 2028 wird der Steg für den Rad- und Fußverkehr gesperrt und für die zwei Fahrstreifen Richtung Floridsdorf geöffnet. In Bauphase eins (2028–2029) werden die zwei Fahrstreifen in Fahrtrichtung Brigittenau auf der Nordbrücke auf die Gegenfahrbahn gelegt. In Bauphase zwei (2030–2031) wird wieder gewechselt und die andere Brückenhälfte saniert. Ende 2031 sind die Bauarbeiten planmäßig abgeschlossen – und auch der Steinitzsteg wird dann wieder als Geh- und Radweg nutzbar sein.
Und was wird das Projekt kosten? „Die genauen Kosten stehen noch nicht fest, da wir derzeit noch in der Vergabephase sind“, sagt Fromm. Sie werden jedenfalls zur Hälfte von der Stadt Wien und der Asfinag getragen.
Kritik
Die Grünen zeigten sich vom Ersatz wenig begeistert. Die Floridsdorfer Brücke sei keine gleichwertige Lösung, befand Mobilitätssprecher Kilian Stark. „Das ist umso unverständlicher, als die Stadt nach der Kritik im Vorjahr selbst eine hochwertige Alternativroute versprochen hatte“, zeigte er sich verärgert. Radfahrer und Fußgänger müssten große Umwege in Kauf nehmen, während der Autoverkehr möglichst reibungslos umgeleitet werde.
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