360-Grad-Aquarium im Haus des Meeres: Haie vor dem Häusermeer

360-Grad-Aquarium im Haus des Meeres: Haie vor dem Häusermeer
Mit mehr als einem Jahr Verspätung wurde das Becken in Betrieb genommen. Sanierungen und weitere Ausbauten liegen jedoch auf Eis.

Das Haus des Meeres (HdM) ist um eine Attraktion reicher. Mit sichtlicher Freude eröffnete Direktor Michael Mitic am Mittwoch das neue 360°-Haiaquarium im 7. Stock des Zubaus des Meereszoos.

Und das kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Denn das neue Becken ist nicht nur das mit 120 Quadratmetern größte im HdM, es kann auch vollkommen umrundet werden und gewährt somit Einblicke von allen Seiten. Neben den vier namensgebenden Weiß- und Schwarzspitzenriffhaien bietet die Nachbildung eines indopazifischen Korallenriffs auch Rochen und zahlreichen weiteren Fischen eine Heimat, insgesamt tummeln sich rund 1.000 Tiere im Becken.

Spektakulär ist aber nicht nur der Rundumblick, sondern auch der Durch-Blick: „Wenn man quer durch das Becken schaut, hat man den Eindruck, die Haie schwimmen im Häusermeer“, schwärmt Mitic – und tatsächlich ist es ein besonderes Erlebnis, die beeindruckenden Räuber vor der Kulisse der Stadt ihre Kreise ziehen zu sehen (siehe Bild unten).

360-Grad-Aquarium im Haus des Meeres: Haie vor dem Häusermeer

Das neue Becken bietet spektakuläre Ein- und Ausblicke

Schwerer Brocken

Ebenso beeindruckend ist der Blick auf die Zahlen. Insgesamt wiegt das Aquarium 500 Tonnen; alleine 400 Tonnen davon machen die rund 400.000 Liter Wasser aus. Um diese Last tragen zu können, wurde zwei Stockwerke tiefer eine knapp 50 Tonnen schwere Stahlkonstruktion eingebracht. Zusätzlich wurde die Stahlbetondecke direkt unter dem Becken mit einer Tragkraft von 3,5 Tonnen pro Quadratmeter versehen. Zum Vergleich: Die Betondecke in einem Wohnhaus trägt rund 200 Kilogramm pro Quadratmeter, verfügt also über gerade einmal 6 Prozent dieser Tragkraft.

Doch warum dieser Aufwand?

„Der Gedanke war: Wir brauchen eine Besonderheit im Zubau und da muss man heute in anderen Dimensionen denken. Besucher wünschen sich Großbecken“, erklärt Geschäftsführer Hans Köppen.

Schwere Geburt

Zwischen diesem Gedanken und der Eröffnung lag freilich eine kleine Odyssee. Die Planungen begannen 2017, ursprünglich war die Eröffnung für Sommer 2020 geplant. Doch dann kam Corona und das HdM musste zum ersten Mal in 60 Jahren schließen. Und weil es fast ein dreiviertel Jahr dauerte, bis die ersten, versprochenen Hilfsgelder flossen, saß das neue Becken erst einmal auf dem Trockenen – Baustopp. Die aufgenommenen Kredite mussten statt für Investitionen plötzlich zur Deckung der laufenden Betriebskosten aufgewendet werden.

Für die Fertigstellung des 3-Millionen-Projekts gewährte am Ende die Stadt Wien erstmals seit zehn Jahren einen Zuschuss in Höhe von zehn Prozent der Kosten, für den Mitic und Köppen auch entsprechend dankbar sind.

Geplante weitere Arbeiten liegen jedoch auf Eis, seufzt Mitic. Schwierig sei es momentan, „man kann nicht vorausblicken“. Sowohl notwendige Sanierungen und Umbauten im alten Flakturm als auch geplante Ausbauten wie ein Australien-Rundgang scheitern an den dafür nötigen Mitteln.

„Pläne und Wünsche gibt es wahnsinnig viele“, sagt Mitic, „wann wir die umsetzen, entscheidet aber das Geld“. Und so hofft er auf weiterhin ausstehende  Hilfszahlungen und natürlich auf zahlreiche Besucher. Das neue Haiaquarium sollte dabei helfen.

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