Kult-Location: Das Neuwaldegger Bad bleibt auch heuer geschlossen
Noch sind zweieinhalb Wochen Zeit, um bis zum traditionellen Saisonstart im Mai alle Sommerbäder auf Vordermann zu bringen. Für ein besonders traditionsreiches Wiener Freibad wird sich das aber – wieder – nicht ausgehen. Denn das Neuwaldegger Bad in Hernals wird so wie im Vorjahr auch heuer geschlossen bleiben.
Allerdings taucht am noch trüben April-Himmel ein Silberstreif am Horizont auf: In den nächsten Tagen beginnen Verhandlungen mit potenziellen neuen Betreibern, auf dass die lange Geschichte dieser Sommerinstitution ab der Saison 2027 eine Fortsetzung finde.
Groß war im Vorjahr die Aufregung, als im Neuwaldegger Bad nach 100 Jahren durchgängigen Betriebs die Becken nicht gefüllt und die Eingangstore nicht geöffnet wurden. Die private „Hausherrin“ Gabriela Dolezel aus der Betreiberdynastie sah sich aus persönlichen Gründen außerstande, das Kult-Bad am Rande des Wienerwalds aufzusperren. Sogar ein Badeschluss für immer lag in der Luft.
Sommer-Idylle im Wienerwald: Ein Bild aus besseren Tagen des Neuwaldegger Bades. Kommen diese Tage wieder zurück?
Dolezel: „Betrieb ruht“
Im Herbst folgte dann die offizielle Suche nach einer Nachfolge (der KURIER berichtete). Was ist daraus geworden? Erstmals äußert sich Dolezel zu „ihrem“ Bad – wenn auch äußert reserviert: „Der Betrieb ist derzeit noch ruhend. Wir werden die Medien informieren, wenn der Betrieb den Status ändert“, schreibt sie per Mail.
Auskunftsfreudiger ist hingegen der Grundstückseigentümer, die Gutsverwaltung Stift St. Peter in Dornbach. Verwalter Marcus Korn hat für die Gäste des Privatbades eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die gute: „Ab nächster Woche sind wir erstmals in direkten Gesprächen mit möglichen neuen Betreibern. Ich hoffe, dass wir bis Ende Mai dann etwas Handfestes erreicht haben.“
Und jetzt die schlechte: Selbst wenn die Verträge gleich unterschrieben würden, werde „heuer nicht aufgesperrt“: „Das sehe ich als ausgeschlossen an“, so Korn.
Konkret hätten sich drei mögliche neue Pächter herauskristallisiert (dem Vernehmen nach keine schillernden Namen): Diese hätten sich laut Korn mit Dolezel auch schon weitgehend über die Höhe der Ablöse verständigt. Für die langjährige Pächterin sei das Thema natürlich hoch emotional, und es sei insgesamt schwierig, „loslassen zu können“, berichtet Korn: „Daher geben wir ihr Zeit, das Kapitel abzuschließen und in Hände weiterzugeben, die auch sie für gut erachtet.“ Nachsatz: „Ich habe aber die Hoffnung, dass wir mit einem neuen Pächter die Zukunft angehen werden.“
Allerdings passiere ein Neustart sicher nicht von heute auf morgen: „Jeder Neue wird dem Bad seinen eigenen Touch geben wollen – und es auch erst einmal instand setzen müssen“, sagt der Verwalter. Das sei angesichts der riesigen Fläche mit Baumbestand und der Substanz aus den 80er-Jahren schon eine große Herausforderung.
Viele Baustellen warten
Detto die große Bandbreite an „Baustellen“ – von der Badtechnik und -hygiene bis hin zu Sauna und Gastronomie. Alles für sich viel Arbeit, und für alles brauche es dann auch Abnahmen und Genehmigungen. „Man muss von null weg neu beginnen – und dafür braucht man realistischerweise ein ganzes Jahr“, schätzt Korn. Womit dann erst im Mai 2027 ein Sprung ins kalte Neuwaldegger Wasser gelingen könnte.
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