Die grünen Sitzmöbel kommen nicht bei allen gut an

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Chronik Wien
09/19/2018

Neue Währinger Straße: Von „hässlich“ bis „schön zum Anschauen“

Wie die neu eröffnete Flaniermeile ankommt und was sich die Stadt davon verspricht.

von Stefanie Rachbauer

So ganz haben sich manche Bezirksbewohner noch nicht an das neue Erscheinungsbild der Währinger Straße gewöhnt. „Die grünen Dinger verstehe ich nicht ganz“, sagt Andreas Pichler, der zur U-Bahn spaziert. „Die sind nicht bequemer als eine normale Bank, dafür aber hässlich.“ Diese Sicht teilt Papierwarenhändlerin Sonja Völker: „Wir sind eine klassische Einkaufsstraße und kein Museumsquartier.“

Neben den futuristischen Möbeln bekam der Abschnitt zwischen Gürtel und Aumannplatz über den Sommer 14 neue Bäume, abschnittsweise breitere Gehsteige und erhöhte Fahrbahnen an den Kreuzungen. Dafür mussten 13 von 217 Parkplätzen weichen. Kostenpunkt inklusive Wasserleitungstausch: 3,8 Millionen Euro - wobei 850.000 Euro aus dem Bezirksbudget kommen. Nach mehreren Monaten Großbaustelle wurde der Bereich am Mittwoch eröffnet – und damit eine Lücke im Flaniermeilen-Netz geschlossen.

Die Schwellen an den Querstraßen kommen bei Anrainer Pichler jedenfalls besser an als die Bänke. „Früher gab es die Unsicherheit, ob die Autos wirklich bremsen“, erzählt er. Boutique-Inhaberin Edeltraud Wiesner-Tomic ist dagegen skeptisch: „Wegen ein paar Bänken und Bäumen sind viele Parkplätze weggefallen. Das ist schwierig für die Kunden“, klagt sie. Bezirkschefin Silvia Nossek (Grüne) lässt sich von solcher Kritik nicht abbringen: „Die Währinger Straße hat wirklich gewonnen“, erklärt sie. „Schön zum Anschauen“ sei der neue Abschnitt schon, sagt auch Silvia S. Dass die umgestaltete Straße mehr Fußgänger anzieht, bezweifelt die Spielwarenverkäuferin allerdings.

Begriff Flaniermeile verwirrte

Genau das soll der Umbau aber bezwecken. Denn die Währinger Straße ist Teil der Flaniermeile zwei – und zählt damit zu jenen bezirksübergreifenden Routen, die besonders fußgängerfreundlich gestaltet werden. Das bedeutet nicht zwangsweise, dass die betroffenen Straßen zu einer Fußgänger- oder Begegnungszone umgebaut werden. Gegner der Umgestaltung der Währinger Straße hatten das angenommen – was im Sommer Verwirrung stiftete. Vielmehr gehe es darum, ausreichend Platz, Sitzgelegenheiten und Schatten zu schaffen, heißt es aus dem Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne).

Bis 2018 sollen zwei solcher Verbindungen (Reumannplatz-WU-Campus und Kutschkermarkt-Schleifmühlgasse) realisiert sein – einige Abschnitte sind aber noch nicht umgebaut. Zur Lücke Favoritenstraße etwa seien die Detailplanungen mit dem Bezirk weit vorangeschritten, teilt ein Vassilakou-Sprecher mit. Zur Führung weiterer fünf Routen gebe es erste Überlegungen. Sie sollen bis 2025 realisiert werden.

 

Widerspenstige Bezirke

„Ganz zufrieden bin ich nicht“, sagt Vassilakou im KURIER-Gespräch zum Fortschritt. Die Stadt trägt zwar bis zu 80 Prozent der Umbaukosten – umgesetzt werden können die Flaniermeilen aber nur mit Zustimmung der Bezirke. „Einige Bezirke – wie Währing – haben die Gelegenheit genutzt, andere zögern und das finde ich schade“, sagt Vassilakou. „Oft spießt es sich an Kleinigkeiten. Ob ein Zebrastreifen da oder dort platziert wird, sollte nicht Kriterium dafür sein, das Geld liegen zu lassen.“

Die Vizebürgermeisterin ist jedenfalls überzeugt, dass sich der Umbau für die Währinger Straße bezahlt machen wird. „Auf den letzten Metern zum Geschäft sind wir alle Fußgänger – es kann ja niemand ins Geschäft hinein fahren“, erklärt sie. „Wenn es vor den Geschäften Platz, Schatten und Sitzgelegenheiten gibt, werde ich mich länger dort aufhalten, mehr Auslagen betrachten und vielleicht auch etwas kaufen. Einkaufsstraßen profitieren, wenn sie angenehm gestaltet sind.“