Die Hufeisen mit Gummi-Überzeug werden derzeit getestet.

© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
12/21/2018

Darum gibt ein Wiener Fiaker seinen Pferden ab 2019 Gummi

Nach Streit um Straßenschäden stellt der größte Wiener Fiaker-Betrieb auf spezielle Beschläge mit Kunststoff um.

von Stefanie Rachbauer

Ein jahrelanger Streit zwischen Fiakern und der Stadt könnte demnächst zu Ende gehen. Er dreht sich um die Frage, inwiefern die Hufeisen der Pferde den Straßenbelag demolieren.

Nun zeichnet sich eine Lösung ab: Nach monatelangen Tests dürfte nun eine Variante gefunden sein, die sowohl Pferde als auch Asphalt schont.

Wie der KURIER erfahren hat, wird Johann Paul, Inhaber des größten Wiener Fiaker- Unternehmens spezielle Kunststoff-Beschläge ab 2019 verwenden.

Seit Sommer wird in Wien mit Alternativen zu herkömmlichen Hufeisen experimentiert. Hintergrund waren lautstarke Klagen des ersten Bezirks über hufeisenbedingte Schäden am Straßenbelag.

Im Juli beauftragte die Stadt die Veterinärmedizinische Universität mit einer Studie, bei der vier Modelle getestet wurden – der KURIER berichtete. Ergebnisse versprach die MA 28 (Straßenbau) für den Herbst.

Inzwischen sei nachträglich noch eine fünfte Variante geprüft worden, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Das Ergebnis der gesamten Untersuchung solle dann im Jänner präsentiert werden.

Nicht geeignet

Parallel dazu testete auch Fiaker-Urgestein Paul Fabrikate verschiedener Hersteller – zufrieden stellte ihn aber keines. „Die meisten Produkte sind für Freizeit- und Reitpferde gemacht, nicht aber für Arbeitspferde“, erklärt er.

Eine der Hürden sei die bremsende Wirkung des Gummis gewesen, sagt sein Mitstreiter Werner Kaizar von der Initiative „Pro Fiaker Kultur“ – einer Art Lobbygruppe der Fiaker.

„Die natürliche, rutschende Vorwärtsbewegung der Pferde wurde gehemmt. Das schädigt die Gelenke der Tiere.“ Andere Modelle hätten sich wiederum zu schnell abgenutzt. Denn die Hufe könne frühestens nach sechs Wochen neu beschlagen  werden.

In Eigenregie

An diesen Rhythmus tastet sich Paul derzeit heran – gemeinsam mit einem Hersteller aus dem oberösterreichischen Innviertel. Er verwendet harten Gummi, der auf die Hufeisen geklebt wird. „Wir sind schon bei fünf Wochen. Es wird gelingen“, sagt Paul.

Zu seinem Betrieb gehören 20 Kutschen und über 60 Tiere. Insgesamt sind in Wien rund 360 Fiakerpferde gemeldet. Auch Kaizar ist zuversichtlich. „Nächste Saison wird es die neuen Beschläge geben.“

Der Umstieg auf die Kunststoff-Modelle sei jedoch kein Schuldeingeständnis, betonen beide. Denn Hufeisen würden den Asphalt nicht ramponieren, wie am intakten Betonboden diverser Ställe zu sehen sei. Warum aber dann der Tausch?

„Wir haben die Initiative ergriffen, damit wir Ruhe haben“, sagt Paul. „Wir wollen der Diskussion entgegenkommen und zeigen, dass die Fiaker nicht alles ablehnen“, pflichtet im Kaizar bei.

Hohe Schadenssumme

Die MA 28 beziffert die Schäden durch Hufeisen mit 750.000 Euro jährlich. Da der Bezirk nur begrenzte Mittel habe, könne er jedoch nur einen Teil der Ausbesserungsarbeiten finanzieren.

„Für uns ist das natürlich ein Problem“, sagt ein Sprecher von Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP). „Wir sind gespannt auf das Ergebnis der Studie.“

Sollten geeignete Beschläge gefunden werden, die weder Asphalt noch Pferde schädigen und mit der Verkehrssicherheit vereinbar seien, fordere man, diese per Gesetz vorzuschreiben.

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