Die Neubaugasse schlägt eine neue Richtung ein
Der Umbau der Neubaugasse in eine Begegnungszone war 2019 ein Projekt mit erheblichem Konfliktpotenzial: Die Interessen der Wiener Linien, des Bezirks, der dort ansässigen Unternehmer sowie der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) mussten auf einen Nenner gebracht werden. Durchaus mit Erfolg, wie nun eine Studie zeigt, die das Meinungsforschungsinstitut Foresight (ehemals Sora) durchgeführt hat.
83 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sind mit der Umgestaltung sehr oder ziemlich zufrieden, 77 Prozent fühlen sich seit der Neugestaltung wohler und 31 Prozent möchten künftig noch häufiger Zeit in der Neubaugasse verbringen.
Auch die Geschäftsleute ziehen eine positive Bilanz: 68 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer sprechen sich für weitere nachhaltige Straßenumgestaltungen im Bezirk aus. Jeder zweite bzw. jede Zweite ist der Ansicht, dass sich Neubau durch die Begegnungszone zu einem attraktiveren Wirtschaftsstandort entwickelt hat.
„Wettbewerbsfähig“
„Eine attraktive Einkaufsstraße schafft Frequenz, stärkt den lokalen Handel und macht den Standort langfristig wettbewerbsfähig“, sagt Kurt Wilhelm, Obmann der „im7ten – IG“ der Kaufleute in Neubau. Die Studie zeigte aber auch auf, wo noch weiter nachgeschärft werden muss: etwa bei der Verkehrsführung.
Seit der Umgestaltung vor sechs Jahren wird die Neubaugasse immer intensiver genutzt. Es sind laut wissenschaftlicher Evaluierung um 50 Prozent mehr Menschen zu Fuß unterwegs als vor dem Umbau. Gleichzeitig hätten sich aber die Anforderungen an Erreichbarkeit und Lieferverkehr verändert, heißt es in der Studie.
Bezirksvorsteher Markus Reiter (l.) präsentiert mit dem Obmann der Kaufleute (Neubau), Kurt Wilhlem, die Studie.
Einbahn angepasst
„Verkehrszählungen und verkehrstechnische Analysen zeigen insbesondere im Be-reich der Burggasse und Siebensterngasse Optimierungspotenzial“, betonen die Autorinnen und Autoren. Aus diesem Grund wurde entschieden, die Einbahnführung in der Straße anzupassen. „Wer Pionierprojekte umsetzt, muss bereit sein, sie laufend zu evaluieren und dort weiterzuentwickeln, wo Verbesserungen möglich sind“, sagt dazu Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne).
Was wird sich nun also ändern? Die Zufahrt zum Abschnitt zwischen Burggasse und Siebensterngasse erfolgt künftig über Burggasse, Kirchengasse und Siebensterngasse, der südliche Abschnitt der Neubaugasse wird über die Westbahnstraße erschlossen. Die neue Einbahnführung wird ab 17. August gelten. Durch diese Maßnahme erhofft man sich laut Verkehrsprognose eine Reduktion des Durchzugsverkehrs um rund 62 Prozent im nördlichen und um 21 Prozent im südlichen Abschnitt der Neubaugasse.
Motorisierungsgrad sank
Auf den Verkehr hatte die Umgestaltung der Neubaugasse damals schon starke Auswirkungen: Denn zwischen Mariahilfer Straße und Burggasse fielen sämtliche Stellplätze weg. Laut der Foresight-Studie sank der Motorisierungsgrad bei privaten Pkw im Zuge der Umgestaltung von 224 (2019) auf 210 (2023) Pkw pro tausend Einwohner – und liegt damit bereits deutlich unter dem Zielwert für Wien von 250.
So schwierig seither die Parkplatzsuche für Autolenker ist, so sehr profitieren Fußgänger durch die laufende Adaptierung der Neubaugasse: Ein Gehsteig wird nun verbreitert, zusätzlich wird die Haltestelle näher an die Neubaugasse verlegt. Außerdem werden insgesamt sieben neue Bäume gepflanzt.
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