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Nachhilfe für den Nachzipf: Wie KI heute beim Lernen hilft

In Wien bereiten sich derzeit Tausende Schüler auf ihre Nachprüfung vor. Angela Schmidt vom LernQuadrat erklärt, warum Kinder nicht noch mehr Tests brauchen und was sie am Schulsystem ändern würde.
Female Tutor Helping Teen Student With Homework in Library

Nur noch wenige Wochen bis zur Prüfung, die bei vielen entscheidet, ob sie in die nächste Schulstufe aufsteigen dürfen. Der Druck steigt. Und damit auch die Anmeldungen bei Nachhilfe-Instituten. Allein beim LernQuadrat wurden in diesem Sommer rund 1.100 Intensivkurs-Wochen gebucht. Lerntechnik-Trainerin Angela Schmidt erklärt im KURIER-Gespräch, in welchen Fächern Schülerinnen und Schüler am meisten Hilfe benötigen, warum Nachhilfe heute immer weniger eine Frage des Geldes ist und worauf es beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Handy ankommt.

KURIER: Wir sind mitten im Endspurt vor den Nachprüfungen: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) bei der Vorbereitung?

Schmidt: KI hat einen massiven Einfluss auf das Lernen. Kinder informieren sich heute ganz anders und fragen in diversen Chatbots nach. Letztlich stehen die Kinder bei der Prüfung aber allein da und sie müssen selbst abliefern. Künstliche Intelligenz kann beim Erlernen des Stoffs unterstützen, ihn erklären, zusammenfassen und sogar abfragen. Sie erspart den Kindern aber nicht das Einprägen der Lerninhalte.

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Welchen Einfluss hat KI auf das Lernverhalten der Kinder?

Aus meiner Sicht einen sehr großen. Man kann KI sehr gut einsetzen, indem man sich den Lernstoff erklären oder zusammenfassen lässt. Letztendlich muss das Kind die Inhalte aber aufnehmen und so gut festigen, dass es den Stoff aktiv wiedergeben kann. Reines Verstehen reicht nicht aus, um bei der Prüfung abliefern zu können.

Geht es nach dem neuen Vorsitzenden der AHS-Lehrergewerkschaft, Georg Stockinger, sollen Lehrkräfte die Möglichkeit zusätzlicher Überprüfungen in der Klasse bekommen. Er will also mehr Tests, die derzeit z. B. in Schularbeitsfächern verboten sind. Was halten Sie davon?

Wir haben bei einer Umfrage einmal bei den Schülern nachgefragt, wie oft ihr Wissen nach ihrem subjektiven Gefühl überprüft wird – also in Form von Tests, Referaten etc. Da haben die Kinder angegeben, dass sie bis zu drei Mal pro Woche einer Leistungsüberprüfung ausgesetzt sind. Das erfordert enorme Koordinationsfähigkeit und Stressresistenz. Ich denke, dass unsere Kinder in der Schule schon jetzt auf vielfältige Weise geprüft und getestet werden. Es ist wichtig, dass sie in der Schule auf vielfältige Weise zeigen können, was in ihnen steckt – also nicht nur kurzfristig Wissen für Tests abliefern, sondern langfristig zeigen, was sie können.

In welchen Fächern ist der Nachhilfebedarf besonders groß?

Wir haben jetzt im Sommer hauptsächlich Anmeldungen für Intensivkurse in Mathematik, so wie auch im Laufe des Schuljahres, gefolgt von Englisch und Deutsch. Bei den anderen Fächern teilt es sich dann auf.

Beobachten Sie in Wien Unterschiede zwischen den Bezirken oder Schulstandorten beim Nachhilfebedarf?

Nein, eigentlich nicht. In jedem Bezirk – egal, ob Ottakring oder Hietzing oder Favoriten – gibt es Bedarf für Nachhilfe von verschiedensten Personengruppen. Da gibt es keine Auffälligkeiten, wo es in einem Bezirk mehr Bedarf gibt als in einem anderen.

Die Pandemie ist nun schon einige Jahre her: Merken Sie heute noch Unterschiede bei der Leistung der Schüler?

Nein, eigentlich nicht. Was wirklich Auswirkungen zeigt, sind KI und Social Media. Das Handy ist ein massiver Ablenkungsfaktor bei der Konzentration und beeinflusst den ganzen Tag. Probleme werden von der Schule in den Nachmittag mitgenommen, weil man ständig im Austausch in diversen Gruppen ist. Wichtig wäre, wenn Kinder und wir Erwachsene lernen, mit dem Handy sinnvoll umzugehen und beim Lernen das Handy so weit aus der Sichtweite zu geben, dass man nicht abgelenkt wird. Kinder müssen sich mit einem Stoff auseinandersetzen, der vielleicht nicht so einfach zu verstehen ist und da ist die Konzentration einfach wichtig.

Sind Sie also für das Social Media Verbot?

Ich denke, dass Jugendliche, die Social Media konsumieren wollen, das weiterhin tun werden – auch über andere Geräte. Es ist wichtig, den Umgang damit zu lernen und zu verstehen, wie man damit umgeht: Was sind richtige Informationen und welche sind fake?

Nachhilfe kostet natürlich Geld. Wie hoch sind die Kosten für eine Vorbereitung auf eine Wiederholungsprüfung?

Das kommt darauf an, wie viele Wochen man bucht – unsere Kurse kann man zum Beispiel wochenweise buchen. In Wien kommt man auf 288 Euro pro Woche, das sind 15 Unterrichtseinheiten von Montag bis Freitag mit individueller Betreuung. Damit kommt man auf 19,20 Euro pro Einheit.

Wird der Nachzipf heute zunehmend zu einer sozialen Frage?

Es gibt heute viele verschiedene Angebote, auch kostenlos: Man kann sich privat jemanden suchen, kann über KIs oder Videos Hilfe holen. Die Palette der Möglichkeiten ist viel breiter geworden.

Beobachten Sie, dass Wiener Familien aus Kostengründen später oder weniger Nachhilfe in Anspruch nehmen?

Ich denke schon, dass das vorkommt – es hat sich in den vergangenen Jahren aber nicht verändert. Es gab immer Familien, die sich Nachhilfe leisten konnten oder nicht. Manche finden Kompromisslösungen, wo ihr Kind dann z. B. abwechselnd eine Woche im Institut lernt und eine Woche zu Hause.

Welche kostenlosen oder geförderten Angebote in Wien funktionieren aus Ihrer Sicht und wo gibt es noch Lücken?

Was wir anbieten, ist sehr gezielte und individuelle Betreuung. Es gibt in Wien aber auch die Sommerschulen, Lerncafés oder z. B. das KURIER Lernhaus. Auch die Caritas und die Volkshochschulen haben Angebote. Es gibt viele Möglichkeiten, sich Unterstützung zu holen.

Wenn Sie am Schulsystem eine Sache ändern könnten, damit es künftig weniger Nachprüfungen gibt, was wäre das?

Wir haben in den Schulen so viele verschiedene Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Die einen verstehen den Stoff sehr schnell, andere brauchen länger. Lehrkräfte haben nicht so viele Möglichkeiten, die Inhalte immer wieder zu erklären. Manche Kinder würden das aber brauchen. Aus meiner Sicht wäre personelle Unterstützung in den Klassenräumen am wichtigsten. Wir sehen den Effekt auch oft in unseren Kleingruppen, wenn die Kinder die Inhalte noch einmal oder sogar mehrmals auf eine andere Weise erklärt bekommen. Da heißt es dann irgendwann: „Ah, jetzt hab ich’s verstanden!“ Und die Kinder freuen sich, wenn sie endlich nicht mehr der Schüler mit der schlechten Note sind, der nichts versteht.

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