Chronik | Wien
05.11.2018

Nach Prügelvideo: Leonie wieder vor dem Richter

2016 war sie Rädelsführerin einer Prügelorgie. Wieder soll ihr die Hand ausgerutscht sein

Es ist nicht ihr erster Auftritt im Landesgericht für Strafsachen in Wien: Die mittlerweile 18-jährige Leonie sorgte im Jahr 2016 mit einem Prügelvideo für Aufregung. Leonie war damals die Rädelsführerin, wurde zu 18 Monaten Haft, sechs davon unbedingt, verurteilt. Jetzt sitzt sie wieder in Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem Raub und Körperverletzung vor.

Das sieht man dem zarten Mädchen nicht an. Als es von einer Justizwachebeamtin vorgeführt wird, lächelt es. Mehrere Freundinnen sind gekommen. „Meine Kleine“, schluchzt eine von ihnen und verdrückt eine Träne. Leonie strahlt.

Sie hat sich verändert. Leonie trägt ein Blümchenkleid, ihre Haare sind jetzt blond. Auch die 15-jährige Mitangeklagte präsentiert sich, als könnte sie kein Wässerchen trüben. Sie trägt eine Schuluniform mit Krawatte.

Frisch aus der Haft

Doch diese beiden Mädchen sollen laut Anklage einer älteren Dame in Wien-Döbling die Handtasche entrissen haben. Wobei: Rasch tauchen Zweifel auf – konkret um die Beteiligung von Leonie. Denn die 15-Jährige – sie ist geständig – „war voll weggekifft. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Aber Leonie ist da frisch aus dem Gefängnis raus. Sie wollte nichts machen.“ Und auch Leonie bestreitet, etwas mit der Tat zu tun gehabt zu haben. Die ältere Dame und ein Zeuge erkennen Leonie nicht wieder. „Wäre sie dabei gewesen, hätte man ihre DNA gefunden“, erklärt die 15-Jährige. „Ihre Aussage überzeugt mich wenig“, sagt Richter Andreas Hautz. „Sie wissen schon, dass Leonie hauptsächlich wegen Ihrer Aussage in U-Haft sitzt?“

Zweifel kommen auch daran, ob Leonie tatsächlich einen Burschen angefeuert haben soll, einen anderen zu schlagen. Selbst das Opfer – ein junger Mann mit Sprach- und Körperstörung – verneint das. Die Mädchen finden sein Handicap lustig und kichern. „Das ist nicht lustig!“, stellt der Richter klar.

Geständig ist Leonie, einem anderen Mädchen zwei Ohrfeigen verpasst zu haben. „Ich war mit Freundinnen im Prater, wir hatten ziemlich viel gekifft“, erzählt sie. Dann dürfte ihr aus Eifersucht die Hand ausgekommen sein. „Ich hab’ zwei Mal mit der flachen Hand hingeschlagen“, gibt sie zu. Der Prozess wurde vertagt.

Leonie lebt seit Jahren in betreuten Wohngemeinschaften. Die Beziehung zur Mutter ist zerrüttet. Nach der letzten Verurteilung wurde sie zu einem Anti-Gewalt-Training verdonnert.