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Chronik Wien
01/30/2020

Nach 389 Anzeigen fürs Café Concerto: Wirt muss vorerst 1.460 Euro zahlen

Wiener Gastronom will einige Strafen beeinspruchen. Es könnten aber auch noch welche dazukommen. Stammkunden zeigen sich solidarisch.

von Konstantin Auer

1.460 Euro an Strafen verlangen die Behörden von Heinz Seidl, dem Betreiber des Kultlokals am Lerchenfelder Gürtel in Wien-Ottakring. Er fasste im November nach einem Polizeieinsatz vor seinem Lokal 389 Anzeigen aus.

Die Liste der Verstöße gegen die Gewerbeordnung liest sich kurios: In den Getränkekarten fehlten die Euro-Zeichen und das kostet 560 Euro. An 125 Gläsern waren keine Eichmaße angebracht - dafür werden 150 Euro fällig.

Dass die Bestimmungen zum Jugenschutz und die Hinweise, dass an diese kein Alkohol ausgeschenkt wird, nicht ausreichend sichtbar ausgehängt waren, soll den Wirt in Summe 640 Euro kosten.

Dazu kommt eine Verwaltungsstrafe, weil er angeblich unerlaubterweise die Sperrstunde nicht eingehalten hätte. Er müsse sein Lokal laut Strafverfügung um 4 Uhr in der Früh schließen und dürfe erst um 10 Uhr wieder aufsperren.

Berüchtigtes Afterhour-Lokal

Der Polizeieinsatz vor dem Lokal, der zu der peniblen Kontrolle des berüchtigten Afterhour-Lokals führte, fand gegen 8 Uhr statt. Dafür sollen weitere 110 Euro bezahlt werden. Seidl zeigt dem KURIER aber einen Bescheid der Stadt, in dem steht, dass er an Wochenenden bereits um 6 Uhr in der Früh wieder öffnen dürfe.

Zu den Vorwürfen, dass die Herrentoilette unausreichend beleuchtet gewesen sei, die Feuerlöscher nicht als solche gekennzeichnet gewesen seien und dass eine Angestellte nicht bei der Versicherung gemeldet wurde, muss sich Seidl erst rechtfertigen. "Die DJane arbeitet bei mir immer nur für Freigetränke", erklärt Seidl.

Wirt will beeinspruchen

Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt wolle er nun überlegen, welche Punkte er beeinspruchen kann. Im Lokal hat er seit der Kontrolle auch schon einige Veränderungen vorgenommen: Die Feuerlöscher-Kennzeichnungen sind gut sichtbar und auch die Jugendschutzbestimmungen wurden neu ausgedruckt und besser positioniert.

"Ich hatte vor dieser Razzia schon einige Kontrollen - etwa durch das Marktamt. Da hat meistens alles gepasst", sagt Seidl. Er musste an dem Sonntag im November früher schließen: "Den Gewinnentgang ersetzt mir niemand."

Außerdem sei es ein PR-Schaden gewesen. Sollte er alle Strafen bezahlen müssen - und es könnten auch noch welche dazu kommen - werde ihn das zwar nicht ruinieren. "Aber spüren werde ich das schon", sagt der Wirt. Vor allem hätte er die Strafe "eh emotional schon abgegolten".

Das Personal des Familienbetriebs hätte gelitten, aber es seien auch viele Solidaritätsbekundungen von Stammgästen gekommen. Manche würden sogar zu den Strafen beisteuern wollen.

 

Polizeieinsatz wegen mutmaßlicher Dealer

Unverständlich ist für Seidl auch, dass die Polizei im November eigentlich von seinen eigenen Türstehern gerufen worden war: Ein Streit zwischen mehreren Personen und den Türstehern des Lokals am Lerchenfelder Gürtel drohte an jenem Vormittag zu eskalieren.

Mehrere Personen griffen die Türsteher an. Es habe sich dabei um dem Lokal schon bekannte Drogendealer gehandelt. 

Vor dem Lokal kam es zunächst zu einem größeren Polizeieinsatz, an dem auch die Spezialeinheit WEGA und Polizeihunde beteiligt waren. Zwei Personen, ein 25-jähriger Österreicher und ein 26-jähriger Somalier, wurden festgenommen, weil sie laut Polizei immer wieder auf die Straße liefen.

Trotzdem eskalierte die Situation: Lokalgäste und Passanten hätten sich in die Amtshandlung eingemischt, es kam zu Pöbeleien und körperlichen Übergriffen, auch auf die Polizisten. „Weil ich die Situation nicht in den Griff bekam, wurde mir dann eine polizeiliche Kontrolle angekündigt“, sagt der Lokalbetreiber.

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