Muslime planen Gütesiegel für Islam-Kindergärten

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Foto: Getty Images/iStockphoto/Ulza/iStockphoto Für muslimische Kindergärten soll es einen Kriterienkatalog geben.

Glaubensgemeinschaft erstellt Kriterienkatalog und denkt über eigene Ausbildung nach.

Der bewusste Verzicht muslimischer Kindergartenbetreiber auf die Vermittlung von Religion ist für die Autoren der kürzlich präsentierten großen Studie zu sogenannten Islam-Kindergärten "bedenklich". "Sogenannte", weil sich bis dato keine Betreuungseinrichtung zur Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) bekannte und sich deren Aufsicht unterwarf. Das soll sich nun aber ändern.

Und zwar in Form eines Gütesiegels für spezifisch muslimische Betriebe. Um die Ausbildungsqualität des Personals garantieren zu können, denkt man bei der IGGÖ sogar laut über die Errichtung einer eigenen BAFEP (Bundesbildungsanstalt für Elementarpädagogik) nach.

Stigmatisierung

Wie berichtet, beauftragten Integrationsministerium und Stadt Wien ein interdisziplinäres Forscherteam von Uni Wien und FH Campus um Bildungswissenschaftler Henning Schluß mit der eingangs erwähnten Studie, nachdem Religionspädagoge Ednan Aslan massive Probleme in islamischen Kinderbetreuungseinrichtungen konstatiert hatte. Belege für islamische Indoktrinierung in Wiener Kindergärten fanden die Forscher zwar keine.

Das Team – dem auch Aslan angehörte – wies aber nach, dass seit dessen umstrittenen Bericht und der daraus resultierenden Stigmatisierung Religion aus den Kindergärten gedrängt werde – insbesondere eben aus jenen mit Bezug zum Islam.

Muslimische Betreiber würden von sich aus alle Bezüge zur Religion kappen. Aus der Sicht der Studienautoren ist das durchaus problematisch. Denn zum einen werde die verfassungsrechtlich gesicherte Religionsfreiheit tangiert. Und zum anderen sollte Religion "bereits im Kindergartenalter als Bildungsgegenstand behandelt werden, um den Umgang mit Verschiedenheiten zu entwickeln".

Zudem widerspricht der Verzicht auf eine (kindgerechte) Religionsvermittlung dem Wiener Bildungsplan. Im Ressort von Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) ist infolgedessen ein runder Tisch mit Vertretern aller relevanten Religionsgemeinschaften geplant, um einen allgemein gültigen religionspädagogischen Bildungsplan zu erarbeiten.

"Motivationsschub"

Bei der IGGÖ betrachtet man die Ergebnisse der Studie und die Richtlinien der Stadt "als Motivationsschub, um für eine qualitätsvolle muslimische Infrastruktur im Bereich der Elementarpädagogik verstärkt Sorge zu tragen", erklärt IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun. Auf Wunsch der muslimischen Gemeinde werde man daher "eine Art Aufsichtsfunktion im Kindergartenbereich schaffen".

Ibrahim Olgun Foto: KURIER/Franz Gruber IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun kündigt interne Aufsicht an. In Anlehnung an die katholische St.-Nikolausstiftung soll zunächst ein Kriterienkatalog entwickelt werden, in den aktuelle Erkenntnisse aus der Religionspädagogik einfließen. Im Mittelpunkt stehe die kindgerechte Vermittlung spiritueller Aspekte, "mit besonderem Augenmerk auf Vielfalt und gegenseitige Akzeptanz". Auch auf den innermuslimischen Pluralismus werde höchster Wert gelegt. Strafende Gottesbilder, wie sie Aslan kritisiert hatte, seien ebenso tabu wie Schwarz-Weiß-Denken.

In der Folge werde man Einrichtungen, die sich den Qualitätsstandards verpflichten und diese auch einhalten mit einem Gütesiegel auszeichnen, kündigt Olgun an.

Wie viele Betriebe sich freiwillig beteiligen werden, ist zurzeit aber ebenso noch unklar, wie die Finanzierung der nötigen Kontrollstruktur. Mit ersten Ergebnissen zum Kriterienkatalog sei noch vor dem Sommer zu rechnen.

Seitens der Stadt wird die Initiative der IGGÖ begrüßt. "Ein Kriterienkatalog und auch ein Gütesiegel tragen jedenfalls zu mehr Transparenz und auch Qualitätskontrolle in den Kindergärten bei", heißt es im Büro Czernohorszky.

(kurier) Erstellt am
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