Chronik | Wien
29.06.2018

Moschee offen: „Wir haben auf den Rechtsstaat vertraut“

In der Wiener Moschee freut man sich über das Urteil. Auf Medien reagieren die Besucher mit Skepsis.

In der Mariahilfer As-Sunnah-Moschee ist die Erleichterung wegen der Aufhebung des Kultusamtsbescheids groß. Kurz vor 12.30 Uhr finden sich die ersten Gläubigen zum Freitagsgebet ein. Die Männer betreten das Haus, steigen die Treppen hinab, ziehen sich die Schuhe aus.

Ein „Salam alaikum“ erfüllt immer wieder den Raum. Die mediale Berichterstattung der letzten Tag hat bei dem ein oder anderen aber Spuren hinterlassen. Wegen eines Journalisten zeigt sich ein junger Mann erbost. „Was machen sie hier? Ihr schreibt nur schlecht über den Islam und verbreitet Lügen“, meint er.

Imam nimmt teil

Nach und nach füllt sich der Gebetsraum. Auch ein Familienvater mit zwei Kindern schreitet über die Türschwelle. Als ein weiterer Journalist fragt, ob man mit einem Verantwortlichen sprechen dürfe, lässt ein Gläubiger seinem Unmut freien Lauf. „Ihr verdreht doch alles. Schreibt das, was wirklich passiert“, fordert er lautstark. Ein anderer Mann hält ihn zurück.

Kurz vor dem Gebet erscheint auch der Vorsitzende de Arabischen Kultusgemeinde, Zikry Gabal – und jener Imam, der im Koranunterricht ein Kind geschlagen haben soll ( der KURIER berichtete).

Gabal bekräftigt, hinter dem Imam zu stehen. Am Donnerstag hatte er sich allerdings noch schockiert gezeigt. „Ich bin über alle Maßen sauer. Das ist nicht zu tolerieren. Ein Moslem schlägt seine Kinder nicht – nicht zu Hause und nicht in der Moschee. Solche Praktiken kenne ich aus dem Koranunterricht nicht“, erklärte er im Gespräch mit dem KURIER.

Enttäuscht zeigt sich der Mariahilfer FPÖ-Gemeinderat Leo Kohlbauer, der den Moscheeverein wegen des Verdachts radikaler Predigten bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hatte. "Eine Moschee, in der ein islamischer Staat und die Scharia gefordert werden und in der Kinder geschlagen worden sein könnten" werde hier mit Erlaubnis des Verwaltungsgerichts weiterbetrieben, sagt er.

Journalisten sind nicht erwünscht

Am Freitag nehmen der Imam und Gabal jedenfalls zusammen am Gebet teil. Kurz nach 13.10 Uhr wird die Tür verschlossen. Journalisten sind in der Moschee nicht erwünscht, eine Stellungnahme wird für später versprochen.

Keine halbe Stunde später verlassen die ersten Gläubigen den Raum. Unter den letzten kommen die beiden wichtigsten Männer hinaus. Eine Stellungnahme will niemand abgeben.

Gabal meint nur: „Wir haben auf den Rechtsstaat vertraut und sind dankbar.“ Der Vorstand verweist auf einen Medientermin, der kommende Woche stattfinden soll. Auf das Video angesprochen lächelt der Imam selbstbewusst in die Kamera, sagt „kein Kommentar“ und schreitet von dannen.