Chronik | Wien
22.07.2017

Mobiler Info-Stand lockt Touristen in unbekannte Ecken

"Mobile Tourist Info" soll Wien-Besuchern künftig auch Grätzel abseits der Tourismus-Hotspots schmackhaft machen.

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, heißt es. Wovon wohl ein Wien-Besucher erzählt? Etwa von der Ringstraße, dem Stephansdom oder der Pracht Schönbrunns. Künftig können Reisende möglicherweise noch mehr berichten: Wien Tourismus startet ein Pilotprojekt, um Besucher in Grätzel abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten zu locken. Gelingen soll dies mit Hilfe der sogenannten "Mobile Tourist Info", die erstmals bei der Beachvolleyball WM am 28. Juli im Einsatz sein wird.

Bei der "Mobile Tourist Info" handelt es sich um ein schlichtes rotes Lastenfahrrad. Im Bauch transportiert es Info-Material – von Stadtplänen bis hin zu allerlei Broschüren. "Wir fahren damit zu Plätzen, wo sich Touristen aufhalten, und zeigen ihnen, dass sie nicht unbedingt ins Zentrum müssen – sondern dass es auch anderes zu entdecken gibt", erklärt Walter Straßer, Sprecher von Wien Tourismus.

Bei der Beachvolleyball WM wird erstmals ein Mitarbeiter von Wien Tourismus mit dem Lastenfahrrad rund um das Gelände im Einsatz sein. Danach ist das Rad bis Oktober 2018 auf zwei Strecken unterwegs: Route eins führt von Wien-Mitte über den Stadtpark und den Karlsplatz zur Mariahilfer Straße. Route zwei startet ebenfalls in Wien-Mitte und führt zum Donaukanal, rund um den Prater und weiter zur Votivkirche. "Der Stand kreist quasi wie ein Satellit um den ersten Bezirk", sagt Straßer.

Unterwegs will man den Touristen neue Ecken abseits der typischen Touristen-Treffpunkte schmackhaft machen: zum Beispiel den Rochusmarkt, den Augarten oder auch die Ottakringer Brauerei (siehe Kasten).

"Entzerrung"

Dies habe nicht nur für die Reisenden den Vorteil, dass sie Neues entdecken, erklärt Straßer: "Eine Erhebung hat gezeigt, dass 90 Prozent der Wiener die Touristen in ihrer Stadt schätzen." Mit dieser "Entzerrungs-Strategie", wie er es nennt, sollen sich die Touristen auch künftig gut im Stadtgebiet verteilen. Denn: Zählt man derzeit bereits 15 Millionen Nächtigungen pro Jahr in Wien, peilt man bis 2020 stolze 18 Millionen an.

"Mit Ende der Pilotphase 2018 evaluieren wir, was es gebracht hat, und ob wir weitere Lastenräder anschaffen", sagt Straßer. Nachsatz: "Mir ist klar, dass wir nicht gleich alle Touristen nach Liesing bringen werden. Aber wir möchten ihnen zeigen, dass es auch in Grätzeln abseits des Zentrums Spannendes zu entdecken gibt." Über das man dann, im Idealfall, Schönes erzählen kann.

In Dublin zählt es zu den Top-Sehenswürdigkeiten: Das Guinness Storehouse, in dem die Geschichte des Biers erzählt wird. Nun ist auch der Wiener dem Biertrinken nicht abgeneigt und auch hier gibt es eine prominente Brauerei mitten in der Stadt: die Ottakringer Brauerei. Den Wienern ist sie als Veranstaltungsort längst ein Begriff, denn Clubbings, Konzerte oder der beliebte Fesch’ Markt finden hier statt. "Wir haben 250.000 Besucher pro Jahr. Allerdings sind wenige Touristen darunter. Wir sind aber überzeugt, dass wir hier großes Potenzial haben", erklärt Vorstandsvorsitzender Matthias Ortner.

Ortner nennt zwei Ziele: Erstens wolle man künftig mehr Brauerei-Führungen samt Verkostungen anbieten. "Es gibt bereits Führungen, allerdings nur gegen Voranmeldung. Hier wollen wir zugänglicher werden: Besucher sollen jederzeit kommen und sehen, dass es in einer Stunde die nächste Führung gibt." Zweitens sollen Touristen selbst Bier brauen können.

Außerdem setze man sich für eine Citybike-Station vor der Brauerei und eine bessere Radweg-Anbindung ein: "Dann könnte man Touristen Kulinarik-Touren mit dem Rad anbieten: etwa vom Spittelberg zu uns und weiter zur Manner-Fabrik", sagt Ortner. Man stehe zwar erst am Anfang, dennoch soll die Brauerei künftig Ziel vieler Touristen sein. Ein erster Schritt ist jedenfalls getan – eine Kooperation mit Wien Tourismus: Die "Mobile Tourist Info" wird die Ottakringer Brauerei auf jeden Fall empfehlen.