Junge Behinderte im Pensionstenheim Geriatrie Theil

© Ichner Bernhard

Wien
08/05/2013

Mit 41 im Seniorenheim

Für jüngere Behinderte fehlen Betreuungseinrichtungen. Die Stadt verspricht Lösung.

von Bernhard Ichner

Martin Theil ist 41 Jahre alt – und lebt unter Greisen. Seine Nachbarn sind im Schnitt 87 Jahre alt. Der Grund: Der Wiener wird nach einer Lungenentzündung und vier Tagen im künstlichen Tiefschlaf in einem Seniorenheim gepflegt. Ihm selbst macht das nichts aus – für ihn haben die kleinen Schritte der Genesung Priorität. Aber prinzipiell zeigt Theils Wohnsituation ein Strukturproblem auf: In Wien fehlen adäquate Unterbringungsmöglichkeiten für jüngere behinderte Menschen. Deshalb sind etliche in Alten- und Pflegeheimen untergebracht.

Kritik kommt deshalb von der Volksanwaltschaft. Der Status quo verletze Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention, „nach der Menschen mit Behinderungen das Recht auf eine freie Wahl der Wohnform haben“. Von der Stadt Wien fordert die Volksanwaltschaft daher, „entsprechende Betreuungs- bzw. Assistenzdienste gemeindenahe zur Verfügung zu stellen“.

Pilotprojekt

Verbesserungsbedarf bei der Unterbringung von Menschen unter 65 Jahren in Pflegewohnhäusern, ortet auch Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP). „Die Wohnsituation, die medizinische und therapeutische Betreuung müssen besser als bisher auf die speziellen Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnitten sein.“

Der Krankenanstaltenverbund (KAV) arbeite bereits an einer Lösung. Auf KURIER-Anfrage stellt Wehsely für 2014 ein Pilotprojekt in Aussicht. In zwei Häusern sollen Betreuungseinrichtungen mit einem „maßgeschneiderten Angebot“ für diese Klientel eröffnen.

„Ziel ist es, diesen Bewohnerinnen und Bewohnern ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – entweder in einem Pflegewohnhaus oder langfristig mit entsprechender Betreuung außerhalb eines Pflegewohnhauses“, sagt die Stadträtin. Details zu den Plänen verrät sie aber noch keine.

Bis es so weit ist, versucht man seitens des KAV, das Beste aus der Situation zu machen. Trotz unterschiedlicher Bedürfnisse soll durch gemeinsame Ausflüge der Patienten oder durch soziale Aktionen Gruppendynamik vermittelt werden.

Ehrenamtliche Helfer

„Das Motto lautet: Heimat statt Heim“, erklärt Peter Bernecker, ärztlicher Direktor im Pflegewohnhaus Leopoldstadt. „Dabei kommt es sehr auf den persönlichen Einsatz an: Ehrenamtliche Helfer sind wichtig, Freiwillige kümmern sich um die Patienten.“

Martin Theil ist auch so ein Freiwilliger. Nachdem er 220 Kilo gewogen hatte, nicht mehr gehen konnte und fast an einer Lungenentzündung gestorben wäre, hat er neun harte Monate im Pflegewohnhaus Leopoldstadt hinter sich. Mittlerweile hat er 70 Kilo abgenommen und wird immer mobiler. Sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um die anderen Bewohner zu kümmern, empfindet er als „Nachbarschaftshilfe“.

Dass er keinen Umgang mit Gleichaltrigen hat, stört ihn kaum. Für ihn ist das Leben hier „allgemein angenehm“.

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