Chronik | Wien
02.02.2018

Misstöne vor Gangbetten-Gipfel

Volksanwalt Kräuter nicht eingeladen. Er kritisiert Säumigkeit der Stadträtin.

Immer wieder werden in den Gemeindespitälern Patienten in Gangbetten untergebracht. Zuletzt übte daran auch der Stadtrechnungshof harsche Kritik. Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) geht jetzt in die Gegenoffensive und veranstaltet heute, Freitag, einen Gangbetten-"Gesundheitsdialog".

Doch bereits im Vorfeld sorgt die Einladungspolitik der Stadträtin für erheblichen Unmut: Geladen sind zwar das Management des Krankenanstaltenverbunds (KAV), Vertreter der Rathaus-Parteien, Direktoren der einzelnen Häuser, die Patientenanwältin – nicht aber Volksanwalt Günther Kräuter, der sich seit einem Jahr mit der Gangbetten-Problematik beschäftigt.

"Darüber wundere ich mich schon", sagt er zum KURIER. "Die Volksanwaltschaft hat eine Reihe von Prüfverfahren zum Thema eingeleitet und hat eine entsprechende Expertise. Es ist schade, dass wir sie am Freitag nicht einbringen können."

Wäre Kräuter beim Termin dabeigewesen, hätte Frauenberger wohl wenig Erfreuliches von ihm zu hören bekommen: "Seit dem vergangenen Jahr hat sich sub-stanziell nichts verbessert. Es wurden nur kleine Maßnahmen gesetzt. Zuletzt wurde bekannt, dass sogar Kinder in Gangbetten untergebracht werden", sagt der Volksanwalt. Er fordert die Stadträtin auf, zu handeln: "Solange es von den obersten politischen Stellen kein Bekenntnis gibt, dass es keine Gangbetten geben darf, wird sich die Situation nicht ändern."

Abteilungen gesperrt

Zuletzt wurde seitens des KAV immer wieder argumentiert, es sei ökonomisch nicht vertretbar, so viele Ressourcen in Reserve zu halten, dass jegliches Gangbett vermieden werden kann. Kräuter kann das nicht nachvollziehen: "Solange ganze Bettenstationen wegen Personalmangels geschlossen werden müssen, ist dieses Argument nicht akzeptabel."

Dieses Problem kennt auch Heinrich Schneider, Betriebsrat im Wilhelminenspital, in dem laut Stadtrechnungshof besonders häufig Gangbetten vorkommen. "In einer internen Abteilung sind derzeit elf von 27 Betten gesperrt, auf der anderen Seite gibt der KAV viel Geld für Kooperationen mit privaten Institutionen aus, um dort Patienten unterzubringen."

Schneider besteht auf eine Stabsstelle für das Bettenmanagement, die direkt der kollegialen Führung, nicht aber den Abteilungschefs untergeordnet ist. Weiters sollten Patienten in Zeiten hoher Auslastung (z.B. Grippewelle) keinen Anspruch auf Ein- oder Zweibett-Zimmer haben, selbst wenn sie eine Sonderklasse-Versicherung haben. Schneider kritisiert, dass zu dem Gipfel keine Personalvertreter eingeladen sind, die direkt vor Ort tätig sind.

Im Büro Frauenberger verteidigt man die Zusammensetzung: "Es sind alle wesentlichen Personen eingeladen", sagt ein Sprecher. Die unmittelbar Zuständige für die Patienteninteressen sei die Patientenanwältin, der Volksanwalt habe sich hingegen erst relativ spät in die Thematik eingeschaltet. Als Personalvertreter seien Susanne Jonak, Vorsitzende der Hauptgruppe II der younion, und Ärztevertreter Wolfgang Weismüller eingeladen. "Wir gehen davon aus, dass auch sie gut informiert sind und Kontakt zu den einzelnen Häusern haben", sagt der Sprecher. "Wir gehen Kritik keinesfalls aus dem Weg."