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Chronik Wien
09/02/2019

Ministerium und ÖAMTC unterstützen Ringsperre, Handel schäumt

Weil 800 Elektroautos für einen Weltrekordversuch am Samstag über den Ring fahren sollen, fürchtet der Handel herbe Einbußen.

von Birgit Seiser

„Warum das an einem Samstag stattfinden muss, verstehe ich absolut nicht“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wiener Wirtschaftskammer (WKW). „Das“ ist ein Weltrekordversuch, der am Samstag von 15 bis 17 Uhr die Wiener Ringstraße lahmlegen wird. Konkret geht es um 800 Elektroautos die unter dem Motto „On a Mission for No Emission“ für den Klimaschutz werben sollen.

Teilnehmer gesucht

Offiziell beworben wird die Aktion vom Nachhaltigkeits- und Tourismusministerium. Man suche nämlich noch Teilnehmer. Zwar ist die amtierende Ministerin Maria Patek parteilos, in einer Aussendung verweist man aber auf die #mission2030, eine Initiative der ehemaligen Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Das Ministerium wird im Rahmen des Weltrekordversuchs auch Preise verleihen.

Das ist umso erstaunlicher, als die ÖVP in Sachen Ringsperren bisher auf ja Seiten der Gewerbetreibenden stand. Der Handelschef der WKW ist damit „absolut nicht glücklich“. Es gäbe offenbar keine Sensibilität für die Nöte des Handels. „Es ist Schulbeginn, alle Wiener sind wieder Zuhause. An so einem Wochenende den Ring zu sperren, sorgt bei mir für Kopfschütteln. Da braucht sich niemand wundern, wenn dann alle nach Parndorf einkaufen fahren", ärgert sich Trefelik.

Enttäuscht sei man auch vom ÖATMC – im Normalfall ein Unterstützer der WK-Ambitionen, Demos und andere verkehrsintensive Veranstaltungen nicht immer am Ring abzuhalten.

 

Der ÖAMTC zeigte sich auf KURIER-Anfrage verständnisvoll. Die Nöte des Handels seien durchaus zu verstehen. Man wäre auch nicht der Veranstalter des Weltrekordversuchs, sondern lediglich mit den eigenen Projekten in Sachen E-Mobilität daran beteiligt. Es solle bei der Veranstaltung auf nachhaltige und CO2-freie Mobilität aufmerksam gemacht werden  – diesem Ansinnen wollen sich der ÖAMTC als Mobilitätsclub nicht verschließen.

Wegen der Bauarbeiten an der Linken Wienzeile könnte sich die Verkehrssitution in der Innenstadt am Samstag noch verschlimmern.

Rückendeckung aus dem Bezirk

Rückendeckung bekommt Trefelik von Parteikollegen und Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Markus Figl (ÖVP), der sich schon seit Jahren gegen die Ringsperren aufgrund von "Juxdemos" engagiert.