Wie es sich als Mieter im Schloss Schönbrunn lebt
"Ich hab ein Haus in die Beziehung mitgebracht, mein Mann ein Schloss“, scherzt Christine Berger. Sie sitzt neben ihrem Mann Robert Tidmarsh in ihrer gemeinsamen Wohnung auf einem der Sofas. Die Wohnung ist im Hietzinger Viereckl – das gehört zum Schloss Schönbrunn.
Es liegt zwischen dem Hauptgebäude und der Kaiserlichen Wagenburg. Er hat also nicht gleich ein ganzes Schloss „mitgebracht“, jedoch ein Zuhause darin.
Die Schönbrunn Group vermietet rund 140 Wohnungen am Areal von Schönbrunn. Seit 1981 ist der 75-Jährige einer der Mieter. 125 Quadratmeter nennt der gebürtige Brite sein Eigen.
Wo Ärzte und Stallburschen untergebracht waren
Dort wo er wohnt, waren zu Kaisers Zeiten vermutlich Stallburschen untergebracht. „Wir haben eine Raumhöhe von etwas mehr als zwei Metern, das deutet darauf hin, dass hier Arbeiter gewohnt haben. Bei den Wohnungen im Nachbargebäude ist das anders, die haben drei Meter Höhe und darüber. Dort haben die Bereiter und Ärzte gelebt“, erzählt Tidmarsh.
Er weiß einiges über die Geschichte von Schloss Schönbrunn. 1974 wurde er als Schlossführer angestellt, bei seiner Pensionierung fast 40 Jahre später war er der Schauraumleiter im Hauptgebäude.
Royale Blicke
Trinkt man bei ihm in der Wohnung, die ganz im Biedermeier-Stil eingerichtet ist, eine Tasse Tee mit Milch, fühlt man sich sofort etwas königlich. Kaiser Franz Josef, Queen Elizabeth und King Charles leisten einem Gesellschaft – zumindest in Form von Bildern an den Wänden. „Ich bin Monarchist“, betont Tidmarsh.
Robert Tidmarsh ist seit 1981 Mieter im Hietzinger Viereckl. Seine Frau Christine hat mit ihm die Wohnung im Biedermeier-Stil eingerichtet.
Einst habe er Prinzessin Margaret, die jüngste Schwester von Queen Elizabeth, durch das Schloss und ungeplanterweise auch durch die Wagenburg geführt. Für ein „Arbeiterkind“ sei das „zu Hause“ (in Großbritannien) undenkbar gewesen, dass man mit einem Mitglied des Königshauses solchen Kontakt hatte. „Als ich es meiner Nachbarin in Leicester geschrieben habe, glaubte sie mir nicht und hat den Kontakt zu mir abgebrochen“, blickt er zurück.
"Keinen schlechten Eindruck hinterlassen"
Dabei habe ihn die Prinzessin ordentlich ins Schwitzen gebracht, nicht nur, weil sie der Königin so ähnlich sah, sondern, weil sie unter anderem die Wagenburg sehen wollte, von deren Kutschen er keine Ahnung hatte. „Mein Wissen war auf die Prunkräume beschränkt“, sagt er. Er dürfte aber keinen schlechten Eindruck hinterlassen haben, denn er begrüßte oder führte unter anderem Bill und Hillary Clinton, den japanischen Kaiser, Richard Nixon, Michael Jackson, Barbra Streisand oder David Hasselhoff durch das Schloss.
Natürlich nicht überall hin, denn auch im Schloss gibt es Räumlichkeiten, die nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind: etwa die 30 Wohnungen mit Blick auf Schlossgarten und Gloriette oder den Innenhof. Laut Schönbrunn Group sind die Wohnung zwischen 35 und 170 Quadratmeter groß.
Mietpreise
Die Miete entspreche der ortsüblichen Miethöhe in der Umgebung und hänge von der Lage, Größe und Beschaffenheit der Wohnung ab. „Als wir uns kennenlernten, hat mein Mann gesagt: Aus Schönbrunn wird man nur hinausgetragen“, schmunzelt Christine, freiwillig ausziehen würde hier kaum jemand.
Dass es Wartelisten gibt, ist allerdings eine Legende, dass es keine freien Wohnungen gibt, nicht. Laut der zuständigen Hausverwaltung, der Firma Rustler, wird auf den gängigen Immobilienplattformen inseriert, sobald eine Wohnung verfügbar wird.
Jeder Interessierte kann sich bewerben, muss aber als Mieter Besonderheiten in Kauf nehmen: „Keine Blumenkisten vor den Fenstern, Rollos dürfen nur in Beigetönen sein“, so Tidmarsh und wenn es wieder einmal Filmaufnahmen gibt, dann könne man zu bestimmten Zeiten nicht das Fenster aufmachen und sich hinauslehnen.
Im Hauptgebäude gibt es rund 30 Wohnungen, der Rest befindet sich in Nebengebäuden. Zahlreiche Veranstaltungen und Besucher prägen den Alltag der Mieter im Schloss Schönbrunn.
Außerdem sei es dann schwieriger mit dem Parken. Denn die Mieter können Parkplätze am Areal nutzen. Bei den Nebentoren kann man einfahren, ein Portier weiß auch Bescheid, wenn man Besuch bekommt. Wenn es später wird, wird das Haupttor genutzt.
"Man fühlt sich wie der Kaiser"
„Da fühlt man sich dann schon manchmal wie der Kaiser persönlich, wenn das Tor automatisch aufgeht und man auf das Schloss zufährt“, sagt der Bewohner. Dass es ein sehr sicherer Wohnort sei, betont Christine mehrmals.
Im Hietzinger Viereckl ist Tidmarshs Wohnung.
Tanz bei Vollmond vor dem Palmenhaus
Am Abend schließt der Schlosspark für Besucherinnen und Besucher und dann kann es vorkommen, dass man am Areal von der Polizei angehalten wird und sich erklären muss. Als Bewohner kann man sich frei bewegen: „Einmal haben wir bei Vollmond vor dem Palmenhaus getanzt“, schwärmt die Pensionistin.
„Es ist wirklich sehr ruhig hier in der Nacht, auch bei Konzerten, die Anlagen sind mittlerweile sehr präzise. Von hier hört man nur die Löwen und die Bären aus dem Tiergarten“, meint der pensionierte Beamte. So etwas müssen die Mieter in den kaiserlichen Gemäuern dann in Kauf nehmen.
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