Chronik | Wien
25.05.2018

Michael Ludwigs erster Arbeitstag als Bürgermeister

Für Passanten gibt es Kaffee und Kipferl, für Häupl ein Kochbuch mit Frosch-Rezepten.

Ein volksnaher Bürgermeister wolle er sein, wird Michael Ludwig nicht müde zu betonen. Und so ist es keine Überraschung, dass der erste öffentliche Termin des neuen Stadtchefs Freitag in Floridsdorf stattfindet. Zeitig um 8 Uhr in der Früh verteilt er am Bahnhof mit seinen Genossen Kaffee und Kipferl. Ein Heimspiel für Ludwig, ist er doch selbst Floridsdorfer.

Rasch scharen sich Passanten um den Bürgermeister, um ihm zu beglückwünschen. Manche bitten ihn um ein Autogramm, andere um ein Selfie. „Ich wünsche mir, dass es weitergeht wie bisher“, sagt ein Gratulant. „Na ja, ein bisschen was Neues wird es schon geben“, widerspricht ihm Ludwig höflich.

Ein Mann bedankt sich für das Alkoholverbot beim Praterstern. Ein solches wünscht sich auch Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai für seinen Bahnhof. „Man muss die Lage dort im Auge behalten“, sagt Ludwig. Sollte sich die Alkoholiker-Szene in den 21. Bezirk verlagern, werde er seinen Parteifreund Papai unterstützen, verspricht er.

Raus in die Bezirke

Hinausgehen in die Bezirke und mit den Menschen über ihre Sorgen reden – das soll überhaupt ein Schwerpunkt der nächsten Monate werden. Wie zur Bestätigung fährt Ludwig an seinem ersten Tag als Stadtchef nicht mit dem Dienstwagen, sondern mit der U-Bahn ins Rathaus. Auch hier trifft er auf Gratulanten, Selfie- und Autogrammjäger. Als er am Schottenring in die U2 umsteigen will, versperren ihm – gerade recht – Schwarzfahrer-Kontrollore den Weg. Nur gut, dass Ludwig seine Jahreskarte griffbereit hat. „Ich bin kein Purist: Ich bin mit den Öffis genauso unterwegs wie mit dem Auto und zu Fuß“, erklärt er. „Der Autoverkehr darf jedenfalls nicht verunmöglicht werden“, kann er sich eine Spitze gegen den grünen Koalitionspartner nicht verkneifen. Ein Vorgeschmack auf die kommenden rot-grünen verkehrspolitischen Konflikte, allen voran um den Lobautunnel: „Ich glaube nicht, dass dieses Thema die Koalition sprengen wird, es wird uns aber vor eine Bewährungsprobe stellen.“ Immerhin: Demnächst will Ludwig mit den Grünen Begleitmaßnahmen zum Tunnelbau präsentieren – etwa eine Verdichtung des Öffi-Netzes.

Bereitwillig lässt sich Ludwig in der U2 mit einer Gruppe Schulkindern fotografieren. „Ich weiß, wer der letzte Bürgermeister war“, klärt ihn ein Bub auf. „Sebastian Kurz.“ Der jetzige Bürgermeister nimmt’s mit Humor und steigt beim Rathaus aus, wo ein Termin-Marathon wartet: Die erste Landtagssitzung und die Schlüsselübergabe durch Amtsvorgänger Michael Häupl – mit Blasmusik und als Glücksbringer eine Rauchfangkehrer-Abordnung.

Für die Schlüssel revanchiert sich Ludwig mit einem Kochbuch aus dem Jahr 1794. Darin kann Häupl nachlesen, wie man Frösche kocht, nachdem er sich ja bereits als junger Biologe mit den Reptilien beschäftigt hat.