Chronik | Wien
13.12.2017

Michael Ludwig: "Auch ich kann kantigen Kurs fahren"

Bürgermeister-Kandidat Ludwig beharrt auch gegen den Willen der Grünen auf den Lobautunnel.

Michael Ludwig über seine Unterschiede zu Andreas Schieder und Wien als Gegenmodell zu Schwarz-Blau.

KURIER: Laut einer aktuellen Umfrage halten mehr Wiener Andreas Schieder als Bürgermeister geeignet als Sie. Ist das nicht ein Warnsignal für Sie?

Michael Ludwig: Überhaupt nicht. Beim letzten Vertrauensindex von APA/OGM hatte ich eine sehr starke Zustimmung in der Gesamtbevölkerung. Und in der aktuellen Umfrage trauen mir mehr Menschen als Schieder zu die Partei zu einigen. Wir liegen ziemlich gleichauf.

Nach der Kandidatur Schieders haben sich viele prominente SPÖ-Funktionäre öffentlich für ihn deklariert. Was macht Sie so sicher, dass Sie das Rennen um den Parteivorsitz für sich entscheiden können?

Da bin ich mir sehr sicher, weil ich die Grundrechenarten beherrsche.

Was meinen Sie damit?

Ich kann addieren, wie viele Delegierte sich wie entscheiden. Ich bin mir daher ziemlich sicher, dass ich eine deutliche Mehrheit beim Landesparteitag haben werde.

Welches Angebot können Sie jenen Funktionären machen, die sie nicht wählen werden? Sprich: Wie wollen Sie die Partei einigen?

Mein Motto in der Politik lautete immer: Durchs Reden kommen d´Leut zsam. Das habe ich jetzt schon angeboten, was auch Wirkung gezeigt hat. Das wird aber auch nach dem Parteitag notwendig sein.

Sollten Sie die Wahl doch verlieren, wie sieht dann Ihre politische Zukunft aus?

Ich bin angetreten, um zu gewinnen, nicht um über andere Perspektiven nachzudenken.

Die Zusammensetzung der Parteigremien müsste turnusmäßig erst 2019 wieder neu gewählt werden. Werden Sie sich bemühen, dass dies vorgezogen wird?

Ich werde alles unternehmen, damit sich die Partei inhaltlich und personell sehr schnell so aufstellt, dass sie für die Wien-Wahl 2020 gut gewappnet ist. Das wird eher früher als später passieren.

Schieder hat angekündigt, die Partei öffnen und demokratisieren zu wollen sowie mehr Mitsprache von außen zuzulassen. Wie sehen Ihre Pläne zur Neuaufstellung der Partei aus?

In Floridsdorf, wo ich Bezirksparteivorsitzender bin, haben wir entsprechende Schritte schon gesetzt. Dort kann man sich auch als Nicht-Parteimitglied stark einbringen. Wir sind Wien-weit gut beraten, uns entsprechend aufzustellen. Wir sollten über unseren Kreis hinauszukommen und uns für jene als Plattform anbieten, die sich politisch nicht ausreichend vertreten fühlen. Wir müssen die Dinge aufgreifen, die zur Unzufriedenheit der Menschen führen.

Sie sprechen immer von einem Wettbewerb der Ideen. Inhaltlich sind aber bis dato kaum Unterschiede zwischen Ihnen und Schieder bekannt. Was macht Sie von den Sachthemen zum besseren Kandidaten?

Wir sind in unterschiedlichen Politikfeldern tätig. Er in der Bundes-, ich in der Kommunalpolitik. Es ist durchaus ein Vorteil, wenn man hier Erfahrungen hat und weiß, wie die Stadt funktioniert.

In Ihrem Schreiben an die Parteimitglieder warnen Sie vor einem Auseinanderdriften der verschiedenen Viertel und Bezirken Wiens. Wie äußert sich das konkret?

In der Innenstadt und in äußeren Bezirken wie etwa Floridsdorf gibt es nicht nur eine unterschiedliche soziale Zusammensetzung, sondern auch andere politischen Kräfteverhältnisse. Damit muss sich die Wiener SPÖ intensiv beschäftigen. Es wird immer nur eine SPÖ in Wien geben. Trotzdem werden unterschiedliche Lösungen und eine unterschiedliche Zielgruppenbetreuung notwendig sein.

Die Arbeitslosigkeit ist in Wien nach wie vor sehr hoch. Welche wirtschaftspolitischen Schritte wollen Sie setzen?

Wo wir können, müssen wir gemeinsam mit der Wiener Wirtschaft und den Sozialpartnern durch Investitionen Impulse setzen. Gerade in meinem Ressort machen wir das in hohem Ausmaß. Durch die Erhöhung der Neubau-Leistung und die Sanierungen haben wir dazu beigetragen, die Bauindustrie und das -gewerbe zu unterstützen. Hier haben wir viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Der grüne Koalitionspartner will vor allem in der Verkehrspolitik – Stichwort Lobautunnel – einen kantigeren Kurs fahren. Gefährdet das die Regierung?

Das schreckt mich gar nicht. Ich kann auch einen kantigen Kurs fahren. Der Wirtschaftsstandort Wien muss gestärkt werden. Dazu gehören auch Infrastruktur-Maßnahmen wie die Nordostumfahrung, der Lobautunnel und die dritte Piste für den Flughafen. Wir werden mit Vehemenz daran arbeiten, den Lobautunnel durchzusetzen. Er ist auch ökologisch die sinnvollste Variante.

Werden Sie weiterhin den Grünen in Sachen Verkehrsberuhigung freie Hand lassen?

Gut ist ein attraktiver Mix aller Verkehrsteilnehmer. Keinen Sinn macht es, einen Teil davon – speziell die Autofahrer – unnötig zu sekkieren. Es gibt viele Menschen, die das Auto einfach brauchen. Vor allem in Bezirken, in denen das Öffi-Netz noch nicht so dicht ist.

Viele Genossen betrachten Wien als Bollwerk gegen die ÖVP-FPÖ-Regierung im Bund. Sie wollen diesen Begriff nicht verwenden. Warum?

Mir ist der Begriff viel zu martialisch. Wir werden in Wien mit all unserer Kraft und Überzeugung für diese Stadt und ihre Bewohner arbeiten. Und wir lassen uns nicht von Lobbyisten, internationalen Spekulanten und egoistischen Einzelinteressen leiten. Damit werden wir uns auch als erfolgreiches Gegenmodell zu den neoliberalen Plänen von Schwarz-Blau im Bund behaupten.