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Chronik Wien
09/12/2019

Michael Häupl wird 70: Ein Geburtstag im Zeichen des Wahlkampfs

Der Altbürgermeister feierte mit Hunderten Gästen. Attacken auf Türkis-Blau durften da nicht fehlen. Heute, Freitag, wird Häupl Ehrenbürger der Stadt Wien.

von Christoph Schwarz

Für seine Sager war Michael Häupl Zeit seines (Polit-)Lebens bekannt – so war es fast erwartbar, dass der eine oder andere auch bei seiner 70er-Feier nicht fehlen durfte: „Was ist mit euch? Habt’s ihr noch nie eine Weinrebe gesehen?“, rief Häupl den Fotografen zu, als er bei der Geschenkübergabe durch Nachfolger Michael Ludwig im Blitzlichtgewitter versank.

Die SPÖ lud am Donnerstag zur Geburtstagsfeier für den Langzeitbürgermeister. Mehr als 650 Gäste hatten sich angemeldet, um im „Bruno Kreisky Forum“ im 19. Bezirk mitzufeiern.

Häupl solle an diesem Abend „Objekt, nicht Opfer, zahlreicher Beglückwünschungen werden“, erklärte Ex-Kanzler Franz Vranitzky in der Begrüßungsrede. Und so sollte es dann auch sein.

Gelobt wurde dann nicht nur Häupls Humor – Vranitzky: „Schmäh braucht Hirn“ – sondern auch seine politischen Errungenschaften.

Die Liste nahm sich lange aus – und reichte von der internationalen Ausrichtung der Stadt, die Häupl vorangetrieben habe, bis zur Daseinsvorsorge. „Auch die Qualität des Wiener Weins ist durch deine Tätigkeit deutlich besser geworden“, so Ludwig.

Von Ibiza bis ÖVP-Finanzen

Ganz ohne Attacken auf den politischen Gegner kam man natürlich nicht aus. So war die blaue Ibiza-Affäre ebenso Thema wie die Parteifinanzen der ÖVP. Die ÖVP sei "für das Nulldefizit, nur nicht im eigenen Haus", meinte Vranitzky mit Blick auf die türkisen Parteifinanzen. Und bekam dafür erwartbaren Applaus.

Bürgermeister Michael Ludwig - der sich selbst, wie er erklärte, in einer ähnlichen Lage sieht wie Häupl angesichts von Schwarz-Blau Anfang der 2000er-Jahre - warnte in seiner Rede vor Sozialabbau. Er setzte sich einmal mehr gegen das Wien-Bashing der vergangenen Bundesregierung zur Wehr.

Auch ÖVP-Politiker August Wöginger kam in Ludwigs Rede zu unverhofften Ehren: Wöginger hatte Eltern am Land unlängst davor gewarnt, dass ihre Kinder in Wien zu Grünen werden könnten. Häupls katholisch-konservativ geprägten Eltern sei es wohl ähnlich ergangen, als Häupl von Krems nach Wien zog - und als Roter zurückkam, so Ludwig.

Von links: Altkanzler Franz Vranitzky, SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, Michael Häupl und Nachfolger Michael Ludwig.

Der Andrang war groß, nicht nur bei der Kuchenübergabe.

"Er ist so aktiv wie selten und unterstützt mich, wenn ich Fragen habe", sagte Pamela Rendi-Wagner über den Jubilar.

Neben der außergewöhnlichen Torte bekam Häupl auch Blumen überreicht.

Hier rennt der Schmäh zwischen Häupl und Ex-Profil-Chefredakteur Herbert Lackner (r.).

Vorgänger und Nachfolger unter sich: Diese beiden Herren kennen das Wiener Rathaus bestens.

Die SPÖ durchlebt momentan schwierige Zeiten. In einer anderen Phase wäre die Stimmung sicherlich ausgelassener gewesen.

Er darf in einer Häupl-Bildergalerie nicht fehlen: der weiße Spritzwein.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner interessierte sich an dem Abend vor allem für eines: Wie es Häupl gelungen sei, bei der Wien-Wahl 2015 den Sieg davonzutragen, obwohl die SPÖ in Umfragen knapp zuvor noch hinter der FPÖ zurückgelegen sei. Ein Kunststück, das Rendi-Wagner wohl gerne wiederholen würde.

Michael Häupl, erzählte sie in kleinerer Runde, sei "so präsent wie nie". Er unterstütze sie immer, "wenn wir Fragen haben".

Den Gästen gefiel die politische Auseinandersetzung. Gekommen waren Wegbegleiter wie Managerin Brigitte Ederer, Ex-Vizebürgermeisterin Renate Brauner und Ex-Minister Rudolf Edlinger, die auf dem Podium in Erinnerungen schwelgten. Aber auch fast die gesamte Wiener Stadtregierung machte ihre Aufwartung - unter anderem Langzeit-Stadträtin Ulli Sima, sowie die Stadträte Peter Hanke und Peter Hacker.

Aus der Bundes-SPÖ kamen unter anderem Thomas Drozda und Doris Bures. Ebenfalls dabei: die Künstlerinnen Erika Pluhar und Julya Rabinowich, Publizist Paul Lendvai, Vizekanzler Clemens Jabloner, Physiker Werner Gruber und Mediziner Christoph Zielinski. Auch Häupls grüne Ex-Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou feierte mit.

Launiger Altbürgermeister

Michael Häupl selbst hatte dann leichtes Spiel. Er erzählte Anekdoten aus seinem Leben. Und so erfuhren die Gäste nicht nur, warum Häupl den damaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson nur ein einziges Mal traf (wegen "nachweislicher Nutzlosigkeit").

Sondern auch, wie er Politiker wurde. Denn der studierte Biologe wollte sich eigentlich habilitieren. "Deine depperten Frösche kannst später auch noch zählen", habe ihm sein Vorgänger Helmut Zilk dann erklärt. Häupl: "Der Mensch denkt, Zilk lenkt."

Zuletzt verriet Häupl noch, was ihn von SPÖ-Ikone Bruno Kreisky unterscheide: "Mein Sprücheband hat sich doppelt so gut verkauft wie seiner."

Einer seiner bekanntesten Sprüche durfte dann auch am späteren Abend nicht fehlen: "Man bringe den Spritzwein."

Am heutigen Freitag gehen die Feierlichkeiten dann offiziell weiter: Michael Häupl wird von seinem Nachfolger zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt. Am Samstag ist Häupls eigentlicher Geburtstag.