© Magdalena Willert

Chronik Wien
08/05/2021

Melange der Kulturen: Das Café Baharat wird jetzt auch Kulturstätte

Im Lokal Baharat werden subsidiär Schutzberechtigte zu Baristas ausgebildet. Neben Kaffee bekommt man dort Mode und Taschen - und neuerdings auch Kultur.

von Magdalena Willert

Den Milchschaum zu machen ist das Schwierigste: Darüber sind sich die werdenden Baristas im Baharat einig. Sie stehen rund um eine Theke und beobachten Karrim beim Zubereiten der Melange.

Dieser lässt aufgeschäumte Milch langsam in den schwarzen Kaffee fließen. Konzentrierte Blicke folgen seinen Bewegungen. Karrim zieht die weiße Schaumspur mit einer leichten Hin- und Her-Bewegung über die braune Oberfläche.

Karrim und seine sechs Kolleginnen und Kollegen machen im Baharat-Café in der Gumpendorfer Straße eine Ausbildung zu Baristas – und zwar im Rahmen eines Trainingsprojekts des Wiener Hilfswerks.

Dabei werden subsidiär Schutzberechtigte in zwölf Wochen zu „Kaffeekünstlern“ ausgebildet. Am Ende erhalten sie ein Ausbildungszertifikat, das ihre Chancen am Ar-beitsmarkt erhöhen soll.

Das sei auch nötig, da es subsidiär Schutzberechtigte am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt besonders schwer haben, sagt Christina Schilling, Leiterin des Baharat und der zugehörigen Flüchtlingseinrichtung AWAT.

Schutzberechtigte sind geflüchtete Personen, deren Aufenthaltsrecht auf ein Jahr begrenzt ist und immer wieder verlängert werden muss. „Wer nimmt schon einen Lehrling, der nur ein Jahr hierbleiben darf?“, sagt Schilling.

Vier in einem

Neben dem guten Kaffee hat das Baharat noch anderes zu bieten: Bunte Accessoires, Taschen und verschiedene Einrichtungsgegenstände, die hier verkauft werden, schmücken die Auslage. In einer Ecke ist umgeschneiderte Kleidung ausgestellt.

All diese Gegenstände entstehen nur ein paar Meter entfernt in der Änderungsschneiderei und in der Upcycling-Werkstatt im hinteren Teil des offenen Raums.

Hier können die Kursteilnehmer so mancher Tätigkeit aus ihren früheren Jobs in ihren Heimatländern nachgehen.

Am anderen Ende des Raums stehen zwei Friseur-Stühle, der Arbeitsplatz von Sarkis Rajoian. Der Friseur-Meister kam vor wenigen Jahren ebenfalls als Flüchtling nach Österreich und lässt die Teilnehmer das Haare- und Bartschneiden ausprobieren.

Das Programm des Baharat gibt es schon seit 2018. Jetzt will man mit einer neuen Veranstaltungsreihe frischen Wind und Gäste in das Café locken.

Scheu überwinden

„Inspired by Baharat“ heißt die Reihe. Sie findet jeden dritten Donnerstag im Monat statt: Vorträge, Buchpräsentationen, Modeschauen oder Workshops sollen den wechselseitigen Austausch der Kulturen fördern.

„Es geht uns darum, dass unsere Teilnehmer auch unter Leute kommen und mit anderen kommunizieren können“, sagt Schilling.

Weiters will man aufklären: Etwa mit der Infobroschüre „Mit Fakten gegen Ammenmärchen“, die mit Mythen rund um die Flüchtlingspolitik aufräumen will. So soll die gegenseitige Scheu voreinander aufgebrochen werden.

Ein weißer Kegel durchzieht schließlich Karrims Werk. Serviert wird die fertige Melange mit einem „I Con“, einem selbst gebackenen somalischen Keks – und mit einem breiten, wenn auch leicht verlegenen Lächeln.

Info: 6., Gumpendorfer Straße 65. Montag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr. Nächste Veranstaltung: Am 19. August stellt Gewerkschafter Michael Wögerer die Initiative „Das Recht, nicht gehen zu müssen“ vor 

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