Julius Meinl röstet erstmals Wasserstoff-Kaffee in Ottakring

Es ist Österreichs erster Kaffeeröster, betrieben mit Wasserstoff. Das spart nicht nur CO₂, sondern soll den Kaffee noch besser machen.
Wasserstoff-Kaffeeröster von Julius Meinl

Bei Julius Meinl in Ottakring wird bereits seit 160 Jahren Kaffee geröstet, jetzt jedoch mit einer ganz neuen Technologie: einem Wasserstoff-Kaffeeröster statt Flüssiggas oder Erdgas. Die Anlage ist die erste dieser Art und veredelt Rohkaffee mit 100 Prozent grünem Wasserstoff von Wien Energie.

Aufgrund der hohen Temperaturen gehört die Kaffeeröstung zu den energieintensivsten Schritten bei der Produktion, hier kann also ordentlich eingespart werden. Im Jahr sollen es bis zu 300 Tonnen CO₂ oder mehr sein - und den Kaffee sogar bekömmlicher machen.

Wasserstoff-Kaffeeröster von Julius Meinl

Österreichs erster Wasserstoff-Kaffeeröster bei Julius Meinl in Wien-Ottakring.

Produziert wird der Wasserstoff von Wien Energie in Simmering aus regionaler Wind-, Sonnen- und Wasserkraft und in Form von Gasflaschen geliefert. In der Anlage von Meinl verbrennt der Wasserstoff und erhitzt die gusseiserne Trommel schrittweise auf 200 Grad, in der der Kaffee unter ständiger Bewegung geröstet wird.

Thomas Meinl: "Ein Hauch weniger sauer und bitter"

Neben dem dadurch entstandenen nach Kaffee duftenden Wasserdampf gibt es noch einen Vorteil: In der Trommel entsteht mehr Feuchtigkeit als bei Gas. "Wir haben durch Zufall den Dampfgarer entdeckt. Durch die Feuchtigkeit ist der Kaffee einen Hauch weniger sauer und bitter, daher bekömmlicher. Ich würde gerne behaupten, wir haben das gewusst, aber es ist einfach passiert", schildert Thomas Meinl.

Mit der Anlage erreiche man dieselben Röstergebnisse wie mit herkömmlichen Anlagen und arbeite dabei vollständig CO₂-frei. Geführt hat zu der Entwicklung kein Zufall, sondern zehn Jahre Forschung. "Als Familienunternehmen können wir generationenübergreifend denken und planen", sagt Christina Meinl. 

Design von größerer Anlage als nächster Schritt

Die Anlage verarbeitet pro Charge 12 Kilogramm Rohkaffee und vermeidet pro Röstvorgang circa zwei Kilogramm CO₂ im Vergleich zu einer herkömmlichen Röstung. Für die konventionelle Produktion ist sie noch nicht im Einsatz und der Wasserstoff-Kaffee auch noch nicht im Handel erhältlich. Was der Wasserstoff-Kaffee kosten wird, wisse man derzeit noch nicht genau, vermutlich wird er jedoch etwas teurer sein.

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Das historische Firmenareal von Julius Meinl in Ottarking.

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Präsentation des Wasserstoff-Kaffees

Industrielle Anlagen verarbeiten pro Charge wesentlich mehr Kaffee, rund 400 Kilogramm. Eine große Anlage will man laut Meinl Familie jedoch designen, die nächsten Monate seien noch ein Lernprozess. Auch einen elektrischen Kaffeeröster gibt es bei Julius Meinl bereits, eine vollständige Elektrifizierung sei aufgrund der technischen Anforderungen derzeit aber nur schwer umsetzbar. Daher wird für die Produktion bisher Flüssiggas in Wien und Erdgas in Italien eingesetzt.

Dennoch sei Wasserstoff ein "Game Changer", wie Wien Energie-Geschäftsführerin Alma Kahler betont: "Um die Energiewende zu schaffen, braucht es jede Technologie und gemeinsam zeigen wir das Potenzial von Wasserstoff auf." 

"Das ist ein Vorzeigebeispiel für die gesamte Genuss- und Lebensmittelindustrie sowie ein starkes Signal für nachhaltige Innovationen in unserer Stadt", ergänzt Omar Al-Rawi, SPÖ-Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke.

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