Chronik | Wien
05.01.2018

Meidlinger Markt: Kritik an "verdeckter Gastro"

Hans Jörg Ulreich verkaufte Stände und beanstandet die Marktordnung

Es war ein Vorzeigeprojekt, das "Purple Eat" am Meidlinger Markt. Asylwerber, die im benachbarten Freunde-Schützen-Haus lebten, kochten in dem Marktstand täglich wechselnde Menüs – der Erlös kam dem Verein Purple Sheep zu Gute, der das Haus leitete. Doch im Sommer wurde der purpurfarbene Stand dicht gemacht. Jetzt hat Hans Jörg Ulreich, Unterstützer des Freunde-Schützen-Haus und Bauträger – den Stand plus zwei weitere (Purple Drink und die glutenfreie Bäckerei Market111) verkauft.

"Für mich ist das Marktprojekt abgeschlossen", sagt Hans Jörg Ulreich. Nicht nur ein Mal hätten andere Marktstandler gegen ihn gestichelt, dass er, der gut betuchte Bauträger, Gastro-Stände besitze, obwohl er die nicht brauche, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Verbot der Gastro-Nebenrechte: "Humbug"

Ulreich ist aber auch die Debatte um die Nebenrechte leid, die in eine falsche Richtung gehe. Wie berichtet, verhängte die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) ab Juli per Merkblatt ein Verbot der Gastro-Nebenrechte für neue Handelsstände. Damit ist diesen unter anderem untersagt, auf bis zu acht Sitzplätzen Speisen und Getränke zu verabreichen. Sima will damit dem "Wildwuchs" der Gastronomie Einhalt gebieten. Die Standler protestierten, für viele von ihnen sei das Konzept Handel mit Verabreichungsplätzen überlebenswichtig. Auch Ulreich hält das Verbot der Nebenrechte für "Humbug". Allerdings aus anderen Gründen.

"Wenn jemand einen Gastro-Stand betreiben möchte, soll er dafür entsprechend zahlen und die Auflagen erfüllen." Über die Hintertür der Nebenrechte "verdeckte Gastronomie" zu betreiben, befindet er für unfair. Denn Marktgebühr, Anschaffungskosten und Auflagen sind für Gastro-Stände im Vergleich mit Lebensmittelhändlern oder Imbissständen teurer– und variieren je nach Markt (aufgrund von Lage, Öffnungszeiten, etc.).

Wer am Meidlinger Markt einen Gastro-Stand erwerben will, muss derzeit mit etwa 100.000 Euro Kaufpreis rechnen (je nach Zustand des Standes), ein Handelsstand kommt etwa auf die Hälfte.

Die Marktgebühr in Meidling beträgt pro Monat und Quadratmeter für Handel 6,20 Euro, für Gastronomie 7,13 Euro. Auch die Auflagen sind für Gastro-Betreiber ungleich höher: Wer mit offenen Lebensmitteln hantiert, hat strengere Hygienevorschriften, als etwa ein kleiner Imbissstand.

Lösung gefordert

"Es braucht eine neue und faire Lösung", sagt Ulreich. "Es gab von der Stadt viele Bemühungen, die Märkte zu beleben, aber dadurch ist es zu vielen Einzellösungen gekommen", sagt Ulreich. Den Gastro-Wildwuchs, wie ihn Sima nannte, habe die Stadt also zum Teil selbst produziert, in dem sie im Nachhinein Stände bewilligte.

Gegen Gastronomie auf Märkten ist Ulreich deshalb aber nicht. "Es funktioniert nur noch die Gastronomie", sagt Ulreich. Deshalb solle die Stadt eher die Gastro-Beschränkung auf Märkten, die derzeit bei einem Drittel liegt, überdenken: "Man sollte sich anschauen, ob das nicht eine veraltete Regelung ist."

Die Stadt müsse auch den horrenden Preisen für Marktständen entgegenwirken. Die Regelung, wonach der Besitzer eines Marktstandes diesen auch betreiben muss, hindere Menschen wie ihn daran, Stände an Wirte zu vermieten, die sich keinen Kauf leisten können.

Ziel der neuen Marktordnung sei der Schutz des Lebensmittelhandels, heißt es aus dem Büro von Stadträtin Sima. Die Novellierung läuft derzeit noch.