Chronik | Wien
18.03.2014

Meditationsraum U-Bahn: Tiefenentspannt durch die Rush Hour

Der Wiener Shao Hui He organisiert einmal monatlich Gruppen-Meditation in der U-Bahn.

Abends, halb sieben in Heiligenstadt; Stoßverkehr in der Wiener U-Bahn: Menschen drängen sich gerade noch in den Waggon, andere tippen eifrig auf ihrem Handy oder streiten mit dem Partner auf dem anderen Ende der Leitung.
Shao Hui He lässt sich von all dem Wirbel in der U4 nicht beeindrucken. Der 37-jährige Fotograf schließt die Augen, legt die Hand locker auf seinen Schoß und macht tiefe Atemzüge. Radim Krizek neben ihm tut es ihm gleich. Die Nebengeräusche werden unwichtiger. Langsam setzt Entspannung ein.

Einmal monatlich bietet Shao Hui He im Zuge seines Projekts„I Meditate Vienna Gruppenmeditation in der U-Bahn an, wie das Online-Magazin "Die Zeitschrift" berichtete. Ein U-Bahn-Waggon scheint auf den ersten Blick zwar ein gänzlich ungeeigneter Ort zur Entspannung zu sein, aber genau deshalb entschied sich He dafür. Als leidenschaftlicher Meditierer und regelmäßiger Öffi-Fahrer kam ihm die Idee, diese beiden Aspekte zu verbinden – nach einem Meditationsseminar in einem Kloster in Südostasien.
Die Gruppenmeditation dauert jeweils eine U-Bahn-Strecke lang; diesmal geht die Reise von Heiligenstadt nach Hütteldorf.

Irritierte Fahrgäste

Einige Fahrgäste blicken die scheinbar schlafenden Menschen irritiert an. Genau das möchte der Initiator auch bewirken. Irritation, bestenfalls Inspiration. „Es geht darum, bei den Menschen eine Veränderung des Bewusstseins zu bewirken“, erklärt Shao Hui He. „Ich möchte Achtsamkeit im Alltag sichtbar machen.“ Denn man könne die Zeit in der U-Bahn entweder mit telefonieren, Facebook oder Zeitung lesen verbringen – oder für sich selbst nützen; um abzuschalten, runterzufahren und neue Energie zu tanken.

Die Teilnehmerzahl bei den Treffen ist stark fluktuierend. Manchmal nehmen die Meditierenden einen ganzen Waggon für sich in Anspruch; manchmal sind es nur eine Handvoll Leute. Hes Wunsch ist es, dass die Teilnehmer im Laufe der Zeit lernen, auch alleine in den Öffis zur Ruhe zu kommen.

Weitere Projekte

Krankenpfleger Radim Krizek ist von dem Projekt begeistert. Er ist im Internet auf die Aktion gestoßen und hat sich spontan entschlossen, mitzumachen. „Solche Projekte gibt es in Wien noch viel zu selten“, sagt Krizek. In anderen Großstädten gäbe es bereits vermehrt öffentliche Gruppenmeditationen. Krizek würde die Aktion gemeinsam mit He gerne erweitern. Nächster potenzieller Übungsraum: Ein Park.imeditatevienna.
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