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Markus Figl: Der Zwei-Meter-Mann soll die Wiener ÖVP zu alter Größe führen

Wer ist der neue Wiener ÖVP-Chef? City-Bezirksvorsteher, vierfacher Vater, Sebastian-Kurz-Förderer und Verbinder zu allen Parteien.
Ein Mann mit Brille, Mantel und Schal lehnt an einer steinernen Säule.

Zu ihm muss (fast) jeder aufschauen, Augenhöhe gibt es bei einer Körpergröße von zwei Metern nicht wirklich:

Derlei anatomische Vorteile können im Politikgeschäft, das immer mehr von der (großen) Persönlichkeit und vom richtigen Auftreten in der digitalen Welt abhängt, gewiss nicht von Nachteil sein. Ob Markus Figl, der designierte neue Wiener ÖVP-Obmann, damit auch die wieder einmal am Boden liegende Stadtpartei zu alter Größe führen kann, hängt davon freilich nicht ab.

Unerfolgreich war der 51-jährige Vater von vier Kindern in seinem politischen Leben bisher jedenfalls nicht: Mit 36,16 Prozent der Stimmen fuhr der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt am Wahlsonntag das beste Ergebnis der Türkisen ein und sicherte damit neuerlich den Prestigebezirk für seine Partei ab – nachdem ihm nach dem Wechsel von Ursula Stenzel zur FPÖ anno 2015 schon mehrmals prophezeit worden war, dass er die City verlieren werde. 

Mit 16 Prozentpunkten Abstand auf den Zweiten (die SPÖ) ist die Vorhersage auch diesmal wieder nicht eingetroffen. Und über so viele erfolgreiche Politiker verfügt die ÖVP in der Bundeshauptstadt jetzt auch wieder nicht, die ad hoc an die Spitze springen können. (Wobei es bis Montagabend mit dem zweiterfolgreichsten Bezirksvorsteher – dem Döblinger Daniel Resch – ein heftiges Gezerre um die künftige VP-Führung nach Karl Mahrer gegeben hat.)

Großneffe von Leopold Figl

Das politische Geschäft ist dem waschechten Wiener und City-Bewohner quasi schon in die Wiege gelegt worden: Schließlich ist der Name Figl (Markus ist der Großneffe von Ex-Bundeskanzler und -Außenminister Leopold Figl) unzweifelhaft mit der (politischen) Geschichte Österreichs verbunden. 

Ob er dessen Volksnähe „vererbt“ bekommen hat, darüber scheiden sich zwar die Geister, in seiner Rolle als Bezirksvorsteher wurde er allerdings durchaus als volksnah, gesellig und verbindlich zu allen anderen Fraktionen wahrgenommen. 

So kämpfte er zwar so wie seine Vorgängerin Stenzel vehement für die Anliegen der City-Bewohner – weniger Lärm, weniger Autos, Erhalt des Stadtbildes, Eindämmung der Touristenströme –, er tat dies aber in einem deutlich sachlicheren Ton und zuletzt meist in Abstimmung mit dem Rathaus.

Bei der geplanten Verkehrsberuhigung der Inneren Stadt ging der Doppel-Magister (Jus/Politikwissenschaften) Schritt für Schritt mit der roten-pinken Stadtregierung vor – und mit dem mächtigen Wirtschaftsbund von Walter Ruck, der das Projekt ebenfalls unterstützt. 

Kampf um Weltkulturerbe

Anders beim Streitfall Weltkulturerbe, wo sich Figl auch gerne mit der SPÖ anlegt, die das am Heumarkt geplante Hochhausprojekt von Michael Tojner forciert. Das liegt im 3. Bezirk – der Großteil der UNESCO-Welterbezone aber in seiner City. Ein Verlust des Titels wäre ein Drama, sagt Figl immer wieder. Noch ist es nicht so weit gekommen.

Bevor Figl – er gehört dem ÖAAB und der Studentenverbindung Norica an – die Spitze des Bezirks erklomm, werkte er im Büro von Ex-Finanzminister Michael Spindelegger. Und nahm schon als City-Stellvertreter einen gewissen Sebastian Kurz unter seine Fittiche, um ihm dort als Bezirks-JVP-Obmann eine Bühne für höhere Weihen zu geben. Der Rest ist Geschichte. Und macht Figl politisch nicht ganz so leicht zuordenbar. 

Links, rechts, Mitte?

Etwa in der Frage, ob er sich in Wien eher nach rechts bewegen würde, um verlorene Wähler von der FPÖ zurückzuholen? Oder er im Gespann mit Ruck und Resch um jeden Preis die Mini-Chance ergreifen würde, mit Bürgermeister Michael Ludwig doch noch eine Koalition zu schmieden und auf diesem Weg die ÖVP zu konsolidieren versuchen. 

Ersteres scheint eher unwahrscheinlich – zumal er u.a. als (zweiter) Präsident der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft in der bürgerlichen, christlich geprägten Mitte verortet wird. Aber ob der „Max“, wie er nach seinem Couleurnamen intern genannt wird, die Pinken überhaupt ausstechen kann, ist eine ganz andere Frage.

Fix ist aber, dass der wahrscheinlich größte Politiker der Stadt keinen Höhenflug als Vizebürgermeister erleben würde, weil dieser Prestigeposten an Resch ginge. Das wurde - typisch ÖVP - bereits vorab festgelegt. Als Wiener VP-Obmann (und eventuell „nur“ nicht amtsführender Stadtrat) warten auf Figl vorerst die Mühen der Ebene.

Die Österreichische Volkspartei wurde 1945 in Wien als Nachfolgepartei der Christlichsozialen Partei gegründet. Die Parteifarbe der ÖVP ist Türkis (das frühere Schwarz wird aber auch noch verwendet). Sie vertritt das bürgerliche, konservative Spektrum und gilt traditionell als der Wirtschaft, den Bauern und der römisch-katholischen Kirche nahestehend – sie wird daher als Mitte-rechts-Partei eingeordnet.

Die Freiheitliche Partei Österreichs uwrde 1955 in Wien als Nachfolgepartei des Verbands der Unabhängigen (VdU) gegründet, in dem sich damals auch viele ehemalige Nationalsozialisten befanden. Die Parteifarbe ist Blau. Die FPÖ ist heute eine rechtspopulistische und EU-skeptische Partei, die seit Jahrzehnten die Migration nach Österreich bekämpft.

Die Sozialdemokratische Partei Österreichs wurde sie 1889 in Hainfeld (NÖ) als Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet, ihre Wurzeln liegen in der Arbeiterbewegung. Die Parteifarbe ist Rot. 

In Österreich zählt die SPÖ zu den sogenannten linken Parteien; im Grundsatzprogramm von 1998 bekennt sie sich zu den Werten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Vollbeschäftigung. Säulen der Partei sind auch die Vertreter aus Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaftsbund (ÖGB).

Der SPÖ-Politiker Michael Ludwig (Jahrgang 1961) ist seit 2018 Wiener Bürgermeister. Aufgewachsen ist Ludwig in einem Gemeindebau in Floridsdorf. Der 21. Bezirk hat seine politische Laufbahn geprägt: Der studierte Historiker startete dort 1994 als Bezirksrat. Später war er Wohnbaustadtrat unter seinem Vorgänger Michael Häupl. Ludwig gilt als scharfer Kritiker des Rechtskurses der FPÖ, insbesondere deren Bundeschef Herbert Kickl. 

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