Markus Figl alias "MF": Inszenierung als Staatsmann aus der Innenstadt
"Ich glaube, du bist im Anzug auf die Welt gekommen." Ein von ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti durchaus liebevoll gemeinter Satz über Wiens ÖVP-Chef Markus Figl war am Mittwochabend in der Urania zu hören. Und es beschreibt den Politiker treffend. Figl – das war bei seiner Feier zum zehnjährigen Jubiläum als Bezirksvorsteher der Inneren Stadt deutlich zu merken – will für Seriosität stehen.
Kein Pomp, keine schrille Inszenierung, nicht einmal Musik. (Unter Vorgänger Karl Mahrer, der bei Events gerne den Populisten mimte, hätte das sicher anders ausgesehen.) Stattdessen gab es vor ausgewähltem Publikum eine Laudatio des ehemaligen Finanzministers Gernot Blümel, der nicht auf Humoristisches, sondern auf Philosophie setzte.
Er schmeichelte dem „bescheidenen“ Figl, indem er versprach, ihm nicht zu sehr zu schmeicheln. Dann spannte er den Bogen von den gemeinsamen Anfängen (ja, es stimme, dass sowohl er als auch Sebastian Kurz durch Figl zur ÖVP kamen!) über Figls europaweiten Legendenstatus unter jungen Konservativen bis zum Soziologen Max Weber, dessen „Politik als Beruf“ seit 100 Jahren als Standardwerk gilt: Die (laut Weber) drei wichtigsten Eigenschaften des guten Politikers vereine nämlich kaum einer so gut wie Markus Figl, meinte Blümel. „Sachliche Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß“.
Plädoyer für Demokratie
Markus Figl selbst hatte ein ebenfalls aus drei Schlagworten zusammengesetztes Motto für den Abend ausgegeben: Mut, Verantwortung, Zukunft. Er sprach sich deutlich für die Demokratie aus und bedankte sich bei den Anwesenden – vor allem bei jenen, die nicht so seien wie er. „Man braucht Menschen, die einem ins Gesicht sagen, wenn man sich verrannt hat.“
Erzählten aus ihrem Leben mit Markus Figl: Dieter Steup, Nico Marchetti und Ingrid Korosec (alle ÖVP).
Auffällig war eines: Auf der Bühne war kein einziges ÖVP-Logo zu entdecken. Stattdessen waren die Initialen MF recht prominent vertreten. Die Partei hat für den Chef (angeblich ohne dessen Zutun) ein Logo entworfen – bezeichnenderweise in Schwarz und Türkis gehalten.
Ruhe und Besonnenheit ziehen sich durch Figls Karriere. Schon zwei Mal hat er von lauten, bisweilen gar schrillen Persönlichkeiten das Amt übernommen. Vor zehn Jahren von Ursula Stenzel (die später von der ÖVP zur FPÖ wechselte – und beim Festakt gleich mehrfach negative Erwähnung fand) den Posten als Bezirksvorsteher; erst im Vorjahr von Mahrer die Chefposition in der Wiener ÖVP. Beide, Stenzel und Mahrer, hatten schlechte Wahlergebnisse und stürmische Wellen hinterlassen. Figl will der Mann für die Rückbesinnung auf die eigentlichen Werte sein.
„Das Pilotprojekt 1. Bezirk ist dir gut gelungen“, sagte Gemeinderätin Ingrid Korosec, die auf der Bühne von ihrer Bekanntschaft mit Figl erzählte. Dieser war 17 Jahre alt, als ihn Korosecs Sohn der Mama, die damals schon ein Mandat innehatte, am heimischen Küchentisch vorstellte. (Optisch setzte Korosec an diesem Abend – wie sie selbst erwähnte – übrigens mit einem knalligen Hosenanzug den Kontrapunkt zu Figl.) „Jetzt wünsche ich dir, dass du Bürgermeister für alle wirst“, sagte Korosec. Ein kühner Wunsch.
Illustre Gästeliste
Insgesamt war es ein Abend „unter Freunden“ – gestört nur durch ein paar geladene Journalisten, den grünen Bezirkschef von Neubau Markus Reiter (mit dem sich Figl zumindest den Vornamen teilt) und die Urania-Chefin und SPÖ-Politikerin Daniela Ecker-Stepp. Auch mit ihr verbindet Figl eine Geschichte: Sie trat 2015 gegen ihn an – und war, bis alle Briefwahlstimmen ausgezählt waren, für wenige Stunden Bezirksvorsteherin.
In so vertrauter Runde sprach so mancher also ganz offen, wodurch sich etwa Marchetti zu einem Seitenhieb auf die Koalitionspartner im Bund hinreißen ließ: „Wir müssen uns beide mit SPÖ und Neos rumschlagen“, sagt er in Richtung Figl. „Du darfst im Gegensatz zu mir aber immer sagen, was du dir denkst.“
Wirtschaftsachse
Spannend war nicht nur, wer unter den Gästen weilte – sondern auch, wer nicht da war: Rainer Trefelik, Funktionär der Wirtschaftskammer Österreich und Unternehmer im 1. Bezirk, war nicht nur anwesend, sondern eines der Testimonials im einleitenden Gratulationsvideo. (Er kam in diesem als Erster vor Sebastian Kurz zu Wort.) Nicht gesichtet wurde Wiens Wirtschaftskammer- und Wirtschaftsbund-Chef Walter Ruck.
Kam mit hauseigener Torte: Sacher-Chef Matthias Winkler.
Wie wichtig Figl die Wirtschaftsachse ist, zeigte sich daran, dass mit Dieter Steup auch der Obmann von „WKO im Bezirk“ auf die Bühne durfte; weitere namhafte Persönlichkeiten gratulierten – darunter Sacher-Chef Matthias Winkler (mit Torte), Garagen-Grande Johann Breiteneder und der Opernsänger Clemens Unterreiner.
Auch dabei: Wiens ÖAAB-Chef Hannes Taborsky, Hietzings Bezirksvorsteherin Johanna Zinkl, Klubchef Harald Zierfuß, Stadträtin Kasia Greco, ÖVP-Neubau-Chefin Christina Schlosser, die Donaustädter Nationalrätin Gudrun Kugler und der Ex-ÖVP-Obmann und nunmehrige (nicht geschäftsführende) Wirtschaftsagentur-Geschäftsführer Manfred Juraczka.
Kommentare