Chronik | Wien
12.01.2018

Ludwig für Öffnung des SP-Parteitags für Medien

Häupl mit den beiden Kandidaten für seine Nachfolge. © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Öffentichkeit habe großes Interesse am dortigen Geschehen. Auch Schieder äußerte Unmut über Medien-Ausschluss.

Für teilweise Kritik sorgte in der SPÖ der Beschluss, die Medien von der Diskussion der Delegierten am Landesparteitag auszuschließen (der KURIER berichtete). Am 27. Jänner wird in der Messe Wien entweder Andreas Schieder oder Michael Ludwig zum Nachfolger von Michael Häupl als Parteichef gekürt. Schieder-Fans schieben den Schwarzen Peter dem Ludwig-Lager zu, das auch im Parteipräsidium, das diese Maßnahme beschloss, die Mehrheit stellt. Sollten tatsächlich Ludwig und seine Anhänger dafür gewesen sein, kommt jetzt die Kehrtwende: „Ich habe den Eindruck, dass seitens der Öffentlichkeit ein sehr großes Interesse am Landesparteitag besteht. Deshalb werde ich am Montag den Parteigremien vorschlagen, den gesamten Parteitag für die Medien zu öffnen“, sagte Ludwig am Freitag zum KURIER. „Ich sehe die SPÖ als sehr offene Partei, deshalb sollen auch die Medien Zugang haben.“ Schieder hat zuletzt auch Kritik am Prozedere geübt.

Harte Bandagen

Nach außen hin läuft das Duell um die Nachfolge von Bürgermeister Michael Häupl noch harmonisch. Im Hintergrund wird aber mit harten Bandagen gekämpft.
Mehrere Schieder-Sympathisanten beschweren sich jetzt, dass versucht wurde, einzelne der 981 Delegierten auszutauschen, um so Ludwig zu mehr Stimmen zu verhelfen. Zur Erklärung: Mit Ausnahme von Genossen, die aus triftigen Gründen verhindert sind, treffen am 27. Jänner wieder jene Delegierten zusammen, die auch schon am Parteitag im Frühjahr stimmberechtigt waren. Größere Änderungen sind laut Statut nicht möglich, weil seitdem die erforderlichen Gremiensitzungen nicht stattgefunden haben.

Jetzt berichten Schieder-Anhänger, die namentlich nicht genannt werden wollen, dass in Simmering versucht wurde, die Zusammensetzung der rund 35 Bezirkspartei-Delegierten kurzfristig zu ändern. Delegiert werden sollten demnach nur Genossen, die im vergangenen Jahr bei mindestens 40 Prozent der parteiinternen Sitzungen anwesend waren. „Ähnliche Bestrebungen hat es auch in anderen Bezirken gegeben, nur waren sie dort nicht ganz so plump“, sagt ein Funktionär. So habe es dem Vernehmen nach in der Donaustadt, aber auch in einem Innenstadt-Bezirk Versuche gegeben, jeweils einen Delegierten auszutauschen. Simmerings SPÖ-Parteichef und Ludwig-Unterstützer Harald Troch bestätigt, dass es entsprechende Diskussionen im Bezirksparteivorstand gegeben hat. „Es wurde die Kritik vorgebracht, dass es einige Delegierte gibt, die nie präsent sind“, sagt er zum KURIER. „Der Vorschlag wurde letztlich aber nicht exekutiert, weil ich mich nicht dem Vorwurf der Manipulation aussetzen wollte.“

Die Kritik, dass er auf diese Weise Ludwig zu mehr Stimmen hätte verhelfen wollen, weist er von sich: „Die Regelung hätte ja für alle gegolten – egal ob sie für Schieder oder Ludwig sind.“

Apropos Simmering: Der Bezirkspartei gehört auch der neue Bundesratspräsident Reinhard Todt an, der sich jetzt hinter Schieder stellt. „Er repräsentiert die Zukunft Wiens, indem er Weltoffenheit und sozialen Zusammenhalt garantiert“, lässt er via Twitter wissen.