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Ludwigs Kandidatur als überraschender Befreiungsschlag

Der Wiener Bürgermeister will 2030 wieder Bürgermeister werden. Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für die Bekanntgabe.
Michael Ludwig im Anzug steht in einem prunkvollen Saal neben einem großen Globus.

Was wird Michael Ludwig machen, um sich von dem Schatten zu befreien, der derzeit über ihm hängt? Kaum ein Gespräch mit Personen aus der Wiener Stadtpolitik ist in den vergangenen Tagen ohne diese Frage ausgekommen.

Der Wiener Bürgermeister (SPÖ) war wegen der Causa Walter Ruck in die Kritik geraten. Wiens Wirtschaftskammerpräsident (ÖVP), der eng mit Ludwig befreundet ist, musste nach der Veröffentlichung von Tonbandprotokollen zurücktreten, laut denen er über Postenschacher und Immobiliendeals sprach, über Parteifreunde lästerte und sexistische Äußerungen tätigte. Letzteres auch über Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SPÖ).

Ludwig hat bis dato dazu weitgehend geschwiegen. 

Das, so viel vorweg, hat sich nach wie vor nicht geändert. Er sei bei diesen Gesprächen nicht dabei gewesen, sagte er am Dienstag im Ö1-Sommerinterview. „Ich weiß auch nicht genau, was Walter Ruck gesagt hat.“ Es gebe nur Zitate von Aufzeichnungen in den Medien, zu denen er nicht Stellung beziehen wolle.

Beliebtheitswerte

Was Ludwig aber machte: Er schaffte Tatsachen. Der Stadtchef gab bekannt, 2030 wieder bei der Wien-Wahl antreten zu wollen. Er spüre „große Unterstützung aus der Wiener Bevölkerung“, ist auf seinen Social-Media-Accounts zu lesen. Diese Ankündigung ist überraschend und gleichzeitig auch wieder nicht. 

Vor dem Sommer war so gut wie fix, dass Ludwig sich wieder der Wahl stellen werde. Im April ist er von der eigenen Partei beim Landesparteitag mit 92,3 Prozent bestätigt worden. Sämtliche Umfragen der vergangenen Monate haben gezeigt, dass Ludwig bei den Wählern mehr Zustimmung hat als die Partei selbst. Eine OGM-Umfrage im Auftrag des KURIER im März hat ergeben, dass 53 Prozent der Wähler eine gute Meinung von Ludwig haben, bei der SPÖ-Klientel waren es sogar 92 Prozent.

Aktuelle Zahlen, die die Turbulenzen der vergangenen Wochen miteinbeziehen, liegen bis dato noch nicht vor. Der Bürgermeister ist diesbezüglich aber selbstbewusst: „Nachdem ich deutlich besser liege als die SPÖ Wien und auch als die Bundes-SPÖ, wird es Sinn machen, wenn ich mich 2030 zur Verfügung stelle“, sagte er zu Ö1.

Überraschend ist allerdings der Zeitpunkt der Ankündigung. Die nächste Wien-Wahl findet schließlich erst in vier Jahren statt. Ludwig antwortet damit wohl all jenen, die ihm einen Rücktritt nahegelegt haben oder seine Macht schwinden sehen. Um Einigkeit zu demonstrieren, gab es begleitende Aussendungen von SP-Landesgeschäftsführer Jörg Neumayer und Klubobmann Josef Taucher.

Statements von Frauen aus der Wiener SPÖ blieben hingegen aus. Wie berichtet sollen diese intern schriftlich ihren Unmut kundgetan haben, dass sich Ludwig nicht von den frauenfeindlichen Aussagen Rucks distanziert hat. Er habe „alle Frauen gerne eingeladen, die mit mir darüber diskutieren wollen“, so Ludwig. Er kündigte ein zeitnahes Gespräch an.

Themensetzung

Thematisch will der Stadtchef auf Klimaneutralität, leistbares Wohnen, Gesundheitsversorgung setzen, und er forderte erneut ein Umdenken in der Gastpatientenfrage (siehe Infobox). In der Wiener Opposition kritisierte man Ludwigs Kandidatur-Entscheidung. 

„Das Schweigen Ludwigs bei der Causa Ruck ist bezeichnend für die Mutlosigkeit des Bürgermeisters“, sagte Grünen-Chefin Judith Pühringer. Die Wiener interessiere es nicht, wer 2030 auf dem Wahlplakat der SPÖ zu sehen sein werde, findet Wiens ÖVP-Chef Markus Figl. Es bräuchte vielmehr jemanden, der die drängenden Probleme Wiens löst. „Ludwigs Macht erodiert, und plötzlich geht es nicht mehr um Wien, sondern nur noch um sein politisches Überleben“, so Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp.

Wer recht behält, werden 2030 die Wähler entscheiden.

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