Lobautunnel: Demo gegen vorbereitende Arbeiten

Spontane Demonstration vor dem Verkehrsministerium am Donnerstagmorgen.
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24 Stunden zuvor angekündigt worden, dennoch haben sich an diesem grauen Donnerstagmorgen rund 150 Demonstrierende  vor dem Verkehrsministerium versammelt. Anlass: Die Ankündigung, dass schon in dieser Woche auf dem S1-Teilstück zwischen Groß-Enzersdorf und dem Knoten Süßenbrunn bauvorbereitende Arbeiten begonnen haben. Dazu gehören neben dem Aufstellen von Baucontainern auch sechs Lkw-Zählstellen. Der Trassenbau selbst beginnt erst im Jahr 2027. 

Es ist ein Schritt, der unter den Anwesenden Entsetzen und Empörung auslöst.  „Autobahnen haben keine Zukunft! Unser Verkehrsminister legt den Rückwärtsgang ein“, ruft Stefan Holly, Sprecher der Initiative „Lobau bleibt!“  vom Podium in die Menge.

„Teurer Klimakiller“

Ein breites Bündnis hatte zum Protest aufgerufen: Fridays For Future, Global 2000, Lobau Bleibt!, Greenpeace, System Change und das Bündnis „SoWiSo“. Regelmäßig werden Sprechchöre laut: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man Autobahnen baut!“ Schilder auf denen „Nobau“ oder „Nein zur Lobau-Autobahn“ steht, werden in die Höhe gehalten, während haarscharf hinter den Demonstrierenden langsam die Straßenbahn vorbeifährt. 

„Die Lobau-Autobahn wäre nicht nur wahnsinnig teuer, sondern auch ein absoluter Klimakiller. In Zeiten von Klima- und Budgetkrise können wir uns derartige milliardenschwere Eskapaden schlicht nicht leisten“, sagt Hannah Keller, Klima- und Energiesprecherin von Global 2000.

"Monsterprojekt ohne Zukunft"

Zwei Frauen und ein Mann, die jenseits der Straßenbahnschienen ein „Less-we-can“-Transparent halten, stimmen ihr zu. „Das Ganze ist ein Monsterprojekt aus dem vergangenen Jahrtausend, das keine Zukunft hat und dessen Planung auf falschen, veralteten Zahlen basiert“, sagt der Mann. „Der Boden kommt nicht wieder, der Auwald wächst nicht nach. Mir kann keiner erzählen, dass man einen Tunnel gräbt, und oben die Natur normal weiterlebt. Wenn Johanna Mikl-Leitner so etwas möchte, dann soll sie es durch ihren eigenen Garten graben“, macht eine der beiden Frauen ihrer Wut  Luft. 

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

Dass die Asfinag mit den Arbeiten am Lückenschluss der S1 begonnen hat, sieht Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck naturgemäß positiv: „Endlich kommt Bewegung in dieses wirklich wichtige Projekt. Einen geschlossenen Regionenring um Wien brauchen wir wie einen Bissen Brot. Der Regionenring ist eine essenzielle Lebensader für die Wirtschaft – nicht nur in, sondern auch um Wien.“ Die aktuelle Situation sei einer „smarten Stadt“ nicht würdig, meldet er sich per Aussendung zu Wort. 

Auch die Wiener Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) begrüßt die Entwicklung:  „Für die klimafitte Stadtentwicklung Wiens sind die nun  gestarteten Vorarbeiten für den Nordteil der S1 von zentraler Bedeutung.“ Der Verkehrssprecher der Wiener FPÖ, Toni Mahdalik, bezeichnet die Vorarbeiten als  „längst überfälligen Schritt für eine spürbare Entlastung der Wiener Bevölkerung und insbesondere für die Donaustadt“. Ganz ähnlich Markus Figl, Landesparteiobmann der Wiener ÖVP: „Der S1-Lückenschluss ist ein wesentliches Infrastrukturprojekt für die Entlastung der Stadt und für die weitere Entwicklung im Osten Wiens.“ Für die Transportbranche sei der Baustart der S1 und damit dem Regionenring ein Befreiungsschlag für den Wirtschaftsstandort, betont Wolfgang Böhm, Obmann der Wiener Transporteure.

Kritik kommt vom VCÖ: Die Lobau-Autobahn sei extrem teuer, verursache große ökologische Schäden und stelle keine wirksame Lösung für bestehende Verkehrsprobleme dar. Die Fronten bleiben also verhärtet – und der Konflikt  geht in die nächste Runde. 

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