Listerien-Opfer Andreas Peilowich mit Anwalt Alexander Klauser.

© KURIER/Michaela Reibenwein

Gericht
11/06/2014

Listerien-Quargel: Mediziner will 2,3 Millionen Euro

Zivilprozess: Opfer wurde zum Pflegefall.

von Michaela Reibenwein

Andreas Peilowich geht es um die Gerechtigkeit, sagt er und rollt in den Gerichtssaal. Der ehemalige Manager einer Pharma-Firma sitzt im Rollstuhl. Und daran soll der Quargel schuld sein, den er zum Jahreswechsel 2009/ ’10 aß. Der Wiener ist eines von mehreren "Listerien-Opfern". Die Firma Prolactal hatte Käse produziert, der mit Listerien infiziert war; Sieben Menschen starben.

Vor wenigen Wochen wurden die beiden ehemaligen Geschäftsführer in Graz zu bedingten Haft- und Geldstrafen verurteilt, das Unternehmen zu 100.000 Euro Strafe (alles nicht rechtskräftig). Nun geht es um zivilrechtliche Ansprüche. Peilowich hat überlebt, doch sein Leben ist ruiniert. In einem Zivilprozess, der am Donnerstag begann, klagt er, vertreten von Anwalt Alexander Klauser, auf 2,3 Millionen Euro.

Die Liste der Beklagten ist lang. Die Erzeugerfirma Prolactal gehört ebenso dazu wie die Republik Österreich als Rechtsträger der Gesundheitsbehörden, die Lidl Stiftung, die den Käse verkaufte, oder die Gemeinde Wien – letztere deshalb, weil im Krankenhaus Hietzing eine Gewebeprobe des Opfers irrtümlich entsorgt wurde – damit hätte festgestellt werden können, ob Peilowich vom selben Listerien-Stamm befallen war wie die anderen Quargel-Opfer.

Späte Reaktion

Fest steht: Die Listerienwerte in dem Käse waren überhöht. Doch selbst Gutachter sind uneins, ab welcher Konzentration Listerien gefährlich werden können. Fest steht auch: Die Firma hat zu spät reagiert. Erst am 23. Jänner 2010 startete Prolactal eine Rückrufaktion; 50 bis 60 Tonnen Käse wurden aus den Kühlregalen genommen. Eingestellt wurde die Produktion am 16. Februar 2010.

Zu diesem Zeitpunkt lag Peilowich bereits im Koma, Insgesamt drei Monate lang. Als er wieder erwachte, konnte er nicht mehr sprechen. Das fällt dem 59-Jährigen noch immer schwer. Er leidet unter Sehstörungen und sitzt im Rollstuhl. "Ich würde gerne arbeiten", erklärt er. "Aber das geht ja nicht." Er ist auf ständige Hilfe angewiesen. Beim Essen, im Alltag.

Auch deshalb sind die Forderungen so hoch. Hinzu kommen noch Schadenersatz, Reha-Kosten sowie entgangene Gehalts- und Pensionszahlungen.

Der Zivilrechtsprozess wird umfangreich. Etliche Gutachter und Zeugen kommen zu Wort. Schon bei der ersten Tagsatzung geraten die unzähligen Schriftstücke durcheinander. Der Prozess wird erst kommenden März fortgesetzt. Sollten sich die Streitparteien nicht außergerichtlich einigen, ist frühestens Ende 2015 mit einem Urteil zu rechnen.

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