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Chronik Wien
12/05/2011

Lindengasse: Autonome besetzen Häuser

"Brauchen den Raum, um uns zu artikulieren", so die Besetzer der BUWOG-Häuser. Bei der Besetzung sei alles "supersauber" abgelaufen.

von Elias Natmessnig

Die Wiener Hausbesetzerszene hat eine neue Adresse in Toplage. Drei leer stehende Häuser in der Lindengasse 60-62 in Neubau sind seit Freitagabend besetzt. Die Gebäude gehören der BUWOG, sie will auf dem Gelände 52 Eigentumswohnungen errichten. Bei der Besetzung der Räumlichkeiten sei aber alles "supersauber" abgelaufen, sagt einer der Hausbesetzer beim KURIER-Lokalaugenschein, auf dem Boden liegt ein "Danke KHG"-Transparent.

Auch sonst sind die Besetzer nicht untätig geblieben. Viele Räume sind mit Graffiti verziert, in einem wurde eine Zentrale mit Infostand, Couches und schwarzem Brett eingerichtet. "Wir wollen nicht nur cool ein Haus besetzen", sagt eine junge Frau mit Dreadlocks, "wir brauchen den Raum, um uns zu artikulieren." Seit Beginn der Besetzung habe man schon eine Lesung veranstaltet, Filme gezeigt und einen Kunstraum eingerichtet. Trotzdem haben sich die Besetzer auf eine Räumung vorbereitet. "Wir haben gestern schon Barrikaden gebaut", sagt ein junger Bursch. Seine Lippen sind mit Piercings verziert, die schwarze Haube hat er tief ins Gesicht gezogen. Er will länger bleiben.

Abreißen

Die BUWOG wurde von der Besetzung überrascht. "Wir haben jetzt keine übereilte Räumungsaktion vor", sagt Unternehmenssprecher Thomas Brey. Es sei aber sicherheitstechnisch bedenklich, sich in den Häusern aufzuhalten, da die Gebäude in schlechten Zustand seien. Eine Zwischennutzung sei daher nicht möglich. Die BUWOG will so schnell wie möglich abreißen und bauen. Die Besetzer kann Brey nicht verstehen: "Immerhin bauen wir Wohnungen für Familien und junge Paare."