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Chronik | Wien
05/16/2019

Life-Ball-Aus: Party-Exzesse im AUA-Flieger

Warum die Fluglinie die Kooperation mit Gery Keszler beendet – Spritzen, benutzte Kondome, Kokain.

Der Putztrupp traute seinen Augen nicht, als er den Flieger bestieg, der soeben – aus den USA kommend – in Wien gelandet war: Der Flieger war regelrecht verwüstet. In dem Durcheinander fand das Personal „allerlei Dinge, die an Bord nichts verloren haben“ – Kokain, benutzte Kondome und Spritzen.

Von Bord gegangen waren kurz zuvor Stargäste des Life Ball.

Jahrelang flog die AUA als Kooperationspartner von Life-Ball-Organisator Gery Keszler die prominenten Besucher ein. Die Liste der Stars, die das Charity-Event besuchten, ist lang – und reicht von Elton John über Vivienne Westwood, Kylie Minogue, Ivana Trump und Adrien Brody bis hin zu Dita von Teese und Naomi Campbell. Der Ex-US-Präsident Bill Clinton kam gleich mehrmals.

Partner stiegen aus

Letztlich wurden dem AUA-Management die Eskapaden doch zu viel: „Im Flieger sah es aus wie nach einem Party-Exzess“, erzählt man sich in Crew-Kreisen. Die Maschine musste dem Vernehmen nach eine Sonderreinigung durchlaufen. „Mit derartigen Dingen wollte und konnte man den Flugbetrieb nicht weiter belasten“, heißt es.

Die AUA kündigte schließlich – wie auch andere Partner aus der Privatwirtschaft – die Kooperation mit Keszler auf. Offiziell ist von „wirtschaftlichen Gründen“ die Rede, die den Ausschlag gegeben hätten. Es sei unter anderem ein Sponsor abgesprungen, der bislang die Kerosin-Kosten trug.

Firmenintern wird man etwas deutlicher. Das belegen interne Nachrichten, die dem KURIER vorliegen . Die AUA spricht darin von „bedenklichen Safety-Themen“, die man aber „im Sinne der langjährigen Partnerschaft nicht breittreten“ wolle. Auf Anfrage des KURIER wollte die AUA am Donnerstag die Vorkommnisse nicht kommentieren.

Der Ausstieg der Kooperationspartner läutete jedenfalls das Ende des Life Balls ein. Gery Keszler konnte die finanziellen Ausfälle nicht kompensieren (Details siehe Ende des Textes).

Alles hat seine Zeit

Gestern, Donnerstag, meldete sich auch Gery Keszler selbst zum Ende des Balls zu Wort: „Zeit sich abzuschminken“, schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Und: „Wir geben niemandem die Schuld. Alles hat seine Zeit.“

Darunter: ein Bild des Wiener Rathauses – dem Veranstaltungsort des Balls – hinter Gittern und rot-weißem Absperrband. Dass das Verhältnis zur Stadt zuletzt nicht mehr das beste war, schwingt hier zumindest mit.

„Gerne wurde ich schreiben, dass dies keine leichte Entscheidung war. Allein: Entscheidungen fällt man aktiv“, schreibt Keszler weiter. „Wir jedoch haben reagiert, reagieren müssen, denn dieses Erbe, diese Verantwortung, dieses Vermächtnis ist uns heilig.“

Zum Abschied findet er bewegende Worte: „Es begann hier in Wien, vor über 27 Jahren. Als Freunde, Geliebte und Wegbegleiter noch in Scham sterben mussten, als keiner wusste, was AIDS bedeutet. Insgesamt sind es nun fast 30 Millionen Euro, die wir für Betroffene weltweit lukrieren konnten.“

Das Ende des Life Ball: Streit ums Geld

Der diesjährige Life Ball am 8. Juni wird der letzte sein. Das kündigte Organisator Gery Keszler  vergangene Woche überraschend an. Streitigkeiten um die Finanzierung bedeuteten schlussendlich das Aus des Balls: Private Sponsoren sprangen ab, die Stadt Wien sollte (wie der KURIER berichtet hat) die Ausfälle kompensieren.

Keszlers Forderung: Zusätzlich zu den 900.000 Euro an regulären Subventionen solle die Stadt eine weitere Million Euro zuschießen sowie eine Ausfallgarantie in der Höhe von bis zu 300.000 Euro übernehmen. Die Stadt lehnte ab, Keszler zog die Konsequenzen.