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Chronik Wien
10/31/2019

Letzte Tschick: So zelebrieren Lokale das Rauchverbot

Einige räumen nur die Aschenbecher weg, andere werden um Mitternacht sicherheitshalber zusperren.

Wien nimmt's genau: Nach langjährigen Debatten tritt nun am 1. November das allgemeine Rauchverbot in Kraft. Erste Kontrollen des Marktamts könnte es schon kurz nach Mitternacht - also mitten während der Halloween-Feierlichkeiten - geben. Wie setzen die Nachtlokale das Verbot nun um?

Aus der Not eine Tugend machen einige Lokale und laden heute Abend zu einer Rauchverbot-Party. „A letzte Tschick“, heißt es etwa im Café Rüdigerhof (5., Hamburgerstraße 20 ).

Ab 17 Uhr werden Zigaretten verschenkt, solange der Vorrat reicht. Für die Auflegerei ist "fmatsch" zuständig. Im Stile einer Silvesterparty gibt es dann kurz vor Mitternacht einen Countdown, ehe die Gäste ab 0 Uhr zum Rauchen ins Freie gebeten werden. Man ist zuversichtlich, dass das klappen wird: „Wir haben sehr anständige und normale Gäste.“ Deshalb wird auch die Sperrstunde (2 Uhr) nicht vorverlegt.

Auch im Kaffee Alt Wien (1., Bäckerstraße 9 ) wird "man um Mitternacht einfach die Aschenbecher wegräumen". Und wenn Gäste das Rauchverbot ignorieren sollten? Dann werden sie vor die Tür gesetzt. "Wir werden sicher keine Strafe riskieren."

Ausgeraucht wird auch im legendären Zipp (7., Burggasse 66).

Als Special gibt es heute Abend „an Vodka & an Tschick“ um 1,90 Euro. Auch hier werden die Raucher ab Mitternacht ins Freie gebeten. 

Halloween und das Rauchverbot in einem kann man im Unders (19., Döblinger Gürtel 5) feiern. Fünf Minuten vor Mitternacht gibt es einen Flashmob, bei dem kollektiv die letzte Zigarette im Lokal geraucht wird. Damit jeder zum Zug kommt, gibt es eine Gratis-Zigarette pro Gast.

Angst vor den Anrainern

Bereits um 23 Uhr wird das Rauchverbot in der Bar Kleinod (1., Singerstraße 7) umgesetzt. "Damit wir eine Stunde Zeit haben, es unseren Gästen beizubringen", sagt David Schober.

Auch zusätzliche Tischaufsteller habe er besorgt, denn vielen Gästen sei noch gar nicht bewusst, dass das Rauchverbot nun auch Bars betreffe", sagt er. Ein Schild vor dem Lokal wird die Gäste darauf hinweisen, keine Getränke mitzunehmen und draußen leise zu sein. Der neuen Regelung blickt der Bar-Chef mit etwas Bauchweh entgegen. Nicht wegen eines möglichen Kundenwegfalls: "Ich glaube, dass wir dadurch neue Kunden gewinnen können". Sondern wegen der Anrainer. Er hat bereits einmal zwölf Monate mit ihnen verhandelt, um eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten in Ordnung ist. "Ich rechne jetzt mit einem Riesenchaos."

Noch früher tritt das Rauchverbot im Gasthaus Haller (20., Wallensteinstraße 49) in Kraft. "Bei uns ist es heute schon den ganzen Tag rauchfrei. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, wie soll es dann am Abend oder morgen funktionieren?", meint Kellner Christian Schimek. Mit 56 Jahren hofft er, dass die Gäste wegen des Verbots künftig nicht ausbleiben. "In meinem Alter wäre es schwer etwas Neues zu finden, sollten wir zusperren müssen."

Ganz entspannt blickt man dem Beginn des Rauchverbots hingegen in der Roberto American Bar (1., Bauernmarkt 11-13) entgegen.

"Das wird wie beim Währungswechsel (mit dem Euro, Anm.) sein. Da waren im Vorhinein auch alle sehr aufgergegt", sagt Bar-Besitzer Roberto Pavlovic-Hariwijadi und die ersten ein, zwei Stunden war es vielleicht noch etwas ungewohnt, die anderen Scheine zurückzugeben. Aber nach drei Tagen hat sich das alles wieder eingependelt. So wird es diesmal auch sein."

Gar nicht mehr offen hat heute das Raymond’s in Mariahilf: Wegen des Rauchverbots hat es bereits seine Rollläden dicht gemacht.

Was man heute beachten muss

Betriebe

Das Rauchverbot in Lokalen ist durch den Hinweis „Rauchen verboten“ oder Hinweissymbole zu kennzeichnen. Fehlt diese Kennzeichnung, kann es teuer werden. Die möglichen Verwaltungsstrafen betragen bis zu 2.000 Euro. Im Wiederholungsfall kann sich die Strafe sogar auf 10.000 Euro belaufen. Ähnlich hohe Bußgelder werden fällig, wenn Wirte ihre Gäste künftig trotz Verbots weiter rauchen lassen. Die Kontrollen werden in Wien vom Marktamt durchgeführt.

Gäste

Auch die Gäste haben einiges zu beachten. Sollten sie sich den Anweisungen des Wirten widersetzen und im Innenbereich rauchen, kann die Polizei eine Verwaltungsstrafe verhängen. Wie hoch diese ausfällt, wird sich erst in der Praxis zeigen und vom konkreten Fall abhängig sein. Ins Aufgabengebiet der Polizei fallen zudem die Kontrollen, der vor dem Lokal auf der Straße rauchenden Gäste. Hier geht es speziell um Lärmbelästigung und Fragen des Jugendschutzes.

Anrainer

Sollte sich Anrainer durch lärmende Gäste gestört fühlen, können diese übrigens sowohl gegen die Gäste als auch gegen die Wirte Anzeige erstatten. Wenn sie sich dabei auf die Gewerbeordnung berufen, ist es theoretisch möglich, damit eine Vorverlegung der Sperrstunde zu erwirken.

 

Raucherpartys in den Ländern

"Do rauch ma no amoi alles voll & dann wird ausgemalt" lautet das Motto des Abends im Gasthaus zum Hochschwab (Steiermark, 8621 Thörl, Palbersdorf 7). "Wir nehmen das Ganze mit Humor", erklärt Wirt Kurt Reiter. Bis zwölf wolle man gemütlich zusammensitzen gemeinsam die letzten Zigaretten und Zigarren im Gasthaus rauchen. Früher schließen will Reiter nicht: "Ich kenne unsere Gäste ja, die gehen dann einfach raus rauchen." Es könne aber passieren, dass sich in den nächsten Tagen jemand aus Gewohnheit versehentlich eine anraucht. "Den Gast kann man dann ja erinnern." 

Gratis Tschick und Getränke-Specials gibt es bei Markus Dienstbier in seinem Pub Ybbserl Weinbar (Niederösterreich, 3370 Ybbs an der Donau, Schiffmeisterplatz 5). „Die Zigaretten und Zigarren liegen bis Mitternacht bzw. so lange der Vorrat reicht auf den Tischen zur freien Entnahme." Auch danach sollen seine Gäste weiter feiern. Nur zum Rauchen müssen sie dann halt vor die Tür gehen.

Rauchfreie Bahnsteige

Wer nach einer langen Partynacht den Zug nachhause nehmen will, sollte zumindest in Wien Folgendes beachten: Die Bahnhöfe der ÖBB werden mit 1. November rauchfrei. Das komplette Rauchverbot umfasst auch die Bahnsteige. Die Zigarette beim Warten auf die Öffis kann somit ab November nur mehr bei Bim- und Bushaltestellen geraucht werden. Diese Bereiche gelten als öffentlicher Raum. In U-Bahnstationen gilt ja schon sehr lange ein Rauchverbot.

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