Chronik | Wien
27.04.2017

Leopoldstadt: Protest gegen geförderte Wohnungen

Geplanter Neubau in der Oberen Augartenstraße sorgt für Ärger. Bürgerinitiative formierte sich. Die Bewohner befürchten den Verlust von Lebensraum, Ruhe und Sonnenlicht.

"Wenn das kommt, ist die Lebensqualität beim Teufel", ärgert sich Maria Nebehay. Der Grund für den Unmut: Bei der Oberen Augartenstraße 4 soll ein Wohnbau entstehen – mit sehr günstigen geförderten Wohnungen, wie man vonseiten der Stadt betont. Dem Bau werden jedoch Teile des großzügigen Innenhofs zum Opfer fallen. Hausbesitzer wie Maria Nebehay und zahlreiche Bewohner fürchten den Verlust von Raum, Ruhe und Sonnenlicht. Rund 50 Personen schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen, in der Hoffnung, das Projekt doch zu verhindern.

Zwischen der Oberen Augartenstraße, der Scholzgasse und der Oberen Donaustraße entstehen 45 geförderte Mietwohnungen – und zwar in einem lückenschließenden Bau an der Oberen Augartenstraße sowie in einem Bau im hinteren Bereich des Grundstücks. "Vor 32 Jahren habe ich hier Pflanzen gesetzt, mein grüner Hof ist eine kleine Oase. Nun wird alles verbaut, und es wird sicher auch lauter", fürchtet Nebehay. Zudem werde es künftig auch schattiger sein.

"Wunderschönes Haus"

Überdies muss im Innenhof ein Gebäude aus dem Jahr 1863 abgerissen werden, in dem zuletzt ein Depot untergebracht war. "Das ist doch ein wunderschönes historisches Haus", sagt Nebehay. "Das könnte man doch sanieren und ein Atelier oder ähnliches darin unterbringen."

Unterstützung erhält die Bürgerinitiative von FPÖ-Stadtrat Toni Mahdalik: "Die paar Wohnungen werden die Wohnungsnot in Wien auch nicht lindern. Es steht nicht dafür, deshalb so über die Bürger drüberzufahren und den Innenhof zu verbauen."

Michaela Trojan, Geschäftsführerin vom Wohnfonds Wien, erklärt: "Das historische Gebäude ist leider in schlechtem Zustand, die Sanierung würde zu viel kosten." Zudem brauche man dringend leistbare Wohnungen in Wien. "Ich verstehe, dass jede Veränderung zuerst Sorgen bereitet", sagt sie. "Ich bin aber überzeugt, dass es sich um ein sehr gutes Projekt handelt, und dass es ein gutes Miteinander geben wird."