Chronik | Wien
17.01.2018

Leiche im Müll: Haftstrafen bis 20 Jahre

Obdachlosen in Hotel gefoltert und ermordet, Urteile nicht rechtskräftig

Berufung.Die vier Obdachlosen, die einen Kumpan im März 2017 in einem Wiener Hotel zu Tode gequält und die Leiche in einem Müllcontainer abgelegt haben, wurden am Mittwochabend nicht rechtskräftig zu Haftstrafen zwischen 15 Monaten und 20 Jahren verurteilt. Zuvor referierte der Grazer Gerichtsmediziner Mario Darok, der den Toten untersucht hatte, dass das Opfer aufgrund massiver Verletzungen am Kopf und am Hals gestorben war.

Aufgrund der Verletzungen durch die Müllpresse sei eine "Beurteilung massiv erschwert" gewesen, so Darok. Der Gerichtsmediziner suchte deshalb nach Blessuren, die dem 58-Jährigen vor seinem Tod zugefügt worden sind. Dabei stieß er auf großflächige Hämatome an der rechten Gesichtshälfte, die von stumpfer Gewalteinwirkung herrührten. Diese war so massiv, dass ein Schädelbruch möglich gewesen wäre. Überdies habe ein "massives Würgen" stattgefunden, wodurch der Mann erstickte.

Massiv

Beide Angriffe auf Gesicht und Hals seien innerhalb weniger Minuten erfolgt, danach sei das Opfer "benommen und sterbend" gewesen.

Angesprochen auf die am ersten Verhandlungstag erwähnte Folter mit brennenden Zigaretten im Intimbereich des Opfers, hat sich der Gerichtsmediziner die Obduktionsfotos noch einmal angeschaut und dabei "weißliche, runde bis ovale Veränderungen" entdeckt. Die Verbrennungen zweiten Grades lassen auf glühende Zigaretten schließen.

Der Hauptangeklagte fasste wegen Mordes 20 Jahre aus und meldete volle Berufung an. Seine Lebensgefährtin kam mit drei Jahren Haft wegen Körperverletzung davon. Ein Mitangeklagter wurde zu zweieinhalb Jahren, dessen 17-jähriger Sohn zu 15 Monaten Haft verurteilt.