Chronik | Wien
01.11.2017

Leben und Sterben in Wien

Daten und Fakten aus einer Stadt, in der über den Tod länger Buch geführt wird, als über das Leben.

Der Wiener, heißt es, habe ein spezielles Verhältnis zum Tod. Ein Begräbnis ist hier "a schöne Leich’". Es gibt ein eigenes Bestattungsmuseum. Und eine Sehenswürdigkeit der Stadt ist der Zentralfriedhof. Mehr als drei Millionen Menschen liegen dort begraben – mehr als Wien lebende Einwohner hat.

Man könnte gar sagen, dass in Wien länger über den Tod Buch geführt wird, als über das Leben: So wurden Geburten- und Sterbefälle bereits ab etwa 1710 statistisch erfasst. Die Einwohnerzahl Wiens wurde jedoch erstmals 1754 seriös erhoben. "Wir wissen also mehr über das Sterben damals, als über die genaue Einwohnerzahl", sagt Klemens Himpele, Leiter der für Statistik zuständigen Magistratsabteilung 23 (MA 23).

Todesursachen

Tragische Ereignisse – etwa die Pest im Jahr 1713, die Spanische Grippe 1918 oder die beiden Weltkriege – sorgten im Laufe der Jahrhunderte dafür, dass die Zahl der Todesfälle immer wieder deutlich stieg (siehe Grafik). Nach dem Bau der Wiener Hochquellenleitung um 1880 wiederum sank die Zahl der Sterbefälle deutlich, da sich die Hygiene stark verbesserte.

Heutzutage erliegen die meisten Wiener über 65 Jahren Krankheiten des Kreislaufsystems (6181 im Jahr 2016) sowie Krebserkrankungen (3113 im Jahr 2016). Die meisten – nämlich 58 Prozent – starben im Krankenhaus; je 16 Prozent im Heim beziehungsweise zuhause.

Jüngeren Menschen – vor allem Männern – wird hingegen zuweilen ihre Risikobereitschaft zum Verhängnis. "Männer bis 24 sterben rein statistisch vier Mal so häufig bei Unfällen wie Frauen", erklärt Himpele.

Lebenserwartung

Dennoch stirbt man in Wien heutzutage älter denn je: "Die Lebenserwartung ist in den vergangenen 50 Jahren stark gestiegen", sagt Himpele. 1961 lag die Lebenserwartung bei Männern bei 66,7 und bei Frauen bei 73,3 Jahren. 2015 lag sie bei Männern bereits bei 77,6 Jahren und bei Frauen bei 82,8 Jahren. Im Schnitt starben Frauen 2015 mit 80,3 Jahren, Männer mit 72,9 Jahren.

Auch die Säuglingssterblichkeit hat sich um beachtliche 86 Prozent reduziert – im Jahr 1961 war sie noch mehr als sieben Mal so hoch wie 2015.

Früher wie heute versterben die meisten Menschen übrigens im Winter: Die wenigsten Todesfälle gab es 2016 im Juni, die meisten im Dezember. Statistisch sterben die mit Abstand meisten Menschen übrigens um 12 Uhr: Im Vorjahr verzeichnete man um diese Zeit 2655 Todesfälle – gefolgt von 705 Todesfällen um 5 Uhr Früh.

Dennoch ist die Mittagszeit keineswegs gefährlicher als irgendeine andere Tageszeit. Höchstwahrscheinlich wird der Einfachheit halber oft schlicht "12 Uhr" als Todeszeitpunkt angegeben.

Friedhöfe

Insgesamt gibt es in Wien 55 Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 550 Hektar. Das entspricht zwei Mal der Größe der Inneren Stadt – oder der Größe der Bezirke Neubau, Josefstadt und Alsergrund zusammen.

Der prominenteste ist freilich der Zentralfriedhof in Simmering: Hier ruhen etwa Ludwig van Beethoven, Falco oder Helmut Qualtinger. Flächenmäßig ist der Zentralfriedhof nach Hamburg-Ohlsdorf zwar "nur" der zweitgrößte Europas. Mit rund 330.000 Grabstätten und mehr als drei Millionen Beigesetzten ist er jedoch der größte Europas. Nicht umsonst ist er auch eine beliebte Sehenswürdigkeit.

Vor allem aber begegnet der Wiener dem Thema Tod auch gerne mit einer Portion Humor. So soll etwa einst der gebürtige Wiener Johann Nestroy, der ebenfalls am Zentralfriedhof begraben liegt, gesagt haben: "Ich höre schon das Gras wachsen, in welches ich beißen werd’."