Deutschkurs, Flüchtlinge, Ute Bock Haus

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Integration

Langes Warten auf den Deutschkurs

Asylwerber haben keinen Anspruch auf offizielle Deutschkurse. Jene der NGOs sind lange ausgebucht.

von Julia Schrenk

02/22/2016, 06:00 AM

"Servas!", sagt Hakam und streckt die Hand zum Grüßen aus. "Wie geht’s?"

Der 21-Jährige ist vor vier Monaten aus dem Irak nach Österreich geflüchtet. Außer "Servas" (im Dialekt) und "Wie geht’s?", kann er auch noch "Gemma, gemma", "Tschuldige" und "Wie heißt du?" sagen. Mehr aber nicht. Denn bis jetzt hat Hakam vergeblich versucht, einen Platz in einem Deutschkurs zu bekommen. Der 21-Jährige hat Asyl beantragt, sein Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Anspruch auf einen Platz in einem Deutschkurs haben in Österreich aktuell aber nur anerkannte Flüchtlinge. Jene, deren Asylverfahren noch läuft, sind auf Kurse von Hilfsorganisationen und Vereinen angewiesen. Und die sind heillos überfüllt.

Lange Wartelisten

Beim Verein Ute Bock stehen derzeit 540 Asylwerber auf der Warteliste. Knapp die Hälfte von ihnen kommt aus Afghanistan, viele müssen alphabetisiert werden. Wer sich heute anmeldet, muss mindestens sechs Monate auf einen freien Platz warten.

Die Warteliste für Deutschkurse bei Ute Bock gibt es erst seit Anfang des Monats. Bis dahin wurde die Anmeldung an jedem ersten Mittwoch des Monats nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip geregelt: Wer zuerst da war, bekam am ehesten einen Platz. "Es waren Hunderte Menschen da, es gab Drängeleien und die Stimmung war angespannt", erzählt Emanuel Hinterbauer, Leiter des Bildungsprojekts bei Ute Bock. Bei der ersten Anmeldung für die Warteliste wurden Formulare mit Nummern ausgeteilt: "Die Menschen waren um sechs Uhr früh hier, obwohl sie wussten, dass wir erst um 10 Uhr aufsperren", sagt Hinterbauer. Nach vier Stunden standen 500 Asylwerber auf der Warteliste. "Für die Flüchtlinge geht es um etwas. Für viele ist der Platz im Deutschkurs das einzige, das sie haben."

Das ist auch bei Hakam so. Er würde gerne arbeiten – darf aber nicht. Also würde er gerne so gut wie möglich Deutsch lernen – Anspruch auf einen Kurs hat Hakam als Asylwerber nicht, auch wenn die Regierung bereits signalisiert hat, offizielle Deutschkurse demnächst für Asylwerber zu öffnen. Wann es so weit sein wird, ist nach wie vor unklar. Bis dahin wird der Andrang auf Deutschkurs-Plätze bei den NGOs wohl stark bleiben. Selbst bei den Volkshochschulen, wo die Kurse zwischen 90 und 378 Euro kosten, gibt es Wartelisten.

Pure Langeweile

Hakam etwa hat es nicht nur bei Ute Bock probiert, sondern auch bei Prosa. Die "Schule für alle" bietet Basisbildungs- und Deutschkurse für Asylwerber und auch die sind längst ausgebucht: Ende Jänner haben 112 Asylwerber den Kurs besucht, für das Sommersemester sind bereits 180 angemeldet. "500 weitere stehen auf der Warteliste", sagt Projektleiter Sina Farahmandnia.

Bei der Caritas ist die Situation ähnlich: Dort gibt es erst wieder im Wintersemester freie Plätze. Dass Asylwerber nicht bereits während des Verfahrens reguläre Deutschkurse besuchen können, kritisiert Klaus Schwertner, Geschäftsführer der Caritas Wien: "Es ist eine Chance, dass viele Flüchtlinge mit Qualifikationen kommen und sich nach Kräften einbringen wollen."

Auch Hakam will das: "Die Langeweile ist schwierig", sagt er. Bis das Caritas-Tageszentrum am Wiener Westbahnhof geschlossen wurde, hat er deshalb dort täglich freiwillig geholfen.

Nach langer Suche hat Hakam nun doch einen Platz in einem Deutschkurs gefunden: Drei Mal pro Woche wird ihn eine Lehrerin unterrichten.

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