Schwere Jungs aus Favoriten wegen Hunderter Straftaten vor Gericht

Raub, Einbrüche, schwere Körperverletzung, gewerbsmäßiger Diebstahl: Die Liste der Vorwürfe gegen die Angeklagten ist lang.
Prozess mit Jugendlichen

Sieben junge Burschen stehen am Montag in Wien vor Gericht. Eigentlich sind es noch Kinder, zwei sind 16, einer 15, der Rest erst 14 Jahre alt, fast alle sind klein und schmächtig. Wobei es bei einem Angeklagten - er ist aus Afghanistan - nicht klar ist, ob er am 1.1.2008 oder erst im Oktober 2009 geboren ist. 

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Sehr lang. In einem Fall sind 120 Fakten angeklagt, in einem anderen 38. Zum Teil wurden die Taten vor Eintritt der Strafmündigkeit begangen.

Die Staatsanwaltschaft beschränkt sich darauf, nur zu umreißen, was sich die Burschen zuschulden kommen haben lassen. Zu umfangreich sind die Taten, die die Polizei ermittelt und die Staatsanwaltschaft angeklagt hat.

Vorführung aus der U-Haft

Vier Kinder aus Syrien, ein Russe, ein Slowake und ein Afghane hören sich die Vorwürfe an. Zuvor wurden sie – verspätet – großteils aus der Justizanstalt Münnichplatz vorgeführt. 

Allesamt sitzen sie in Untersuchungshaft, sechs von ihnen haben vor der zwangsweisen „Übersiedelung“ nach Simmering in Favoriten gelebt, einer in Baden.

Hunderte Taten

Die Burschen haben in unterschiedlichen Konstellationen ihre kriminelle Visitenkarte in ganz Wien hinterlassen. In der Millenium City etwa haben sie einen jungen Mann bedroht und ihm die Markenkleidung abgenommen.

Es folgen schwere Körperverletzungen – ein junger Mann wurde in eine dunkle Ecke gelockt und mit Fußtritten und Schlägen gegen den Kopf malträtiert – der Vorfall wurde auf Video aufgezeichnet.

Kriminelle Visitenkarte in ganz Wien hinterlassen

Und mit Ausnahme eines Angeklagten waren alle immer wieder dabei, als mit einem Notfallhammer „Unmengen an Scheiben von Taxis, Autos, Geschäften, Apotheken und Lokalen“ eingeschlagen wurden, um an Einbruchsgut, wie etwa Handys oder Laptops und Geld zu gelangen. 

In einem Fall – nach einem Einbruch in eine Trafik – sollen die Burschen einen Zeugen mit dem Tod bedroht haben. Die Drohung sollen sie mit einer Schreckschusspistole untermauert haben.  

Sogar in ein Besengeschäft sind die Jugendlichen eingebrochen, um Rosshaarbesen, Weidenkörbe und Geld zu stehlen. Immer geht es um ein paar Hundert Euro, das ganz große Geld war nie dabei.

Verteidiger: „Ein toxischer Freundeskreis“

„Das ist ein toxischer Freundeskreis, die ziehen sich alle runter“, sagt der Verteidiger eines Jugendlichen, der sich, wie alle Angeklagten, „im Wesentlichen geständig“ zeigen würden. Nur vereinzelt wollen sie bei einzelnen Vorfällen nicht dabei gewesen sein.

Pikantes Detail am Rande: Angesichts der Vielzahl an Vorwürfen geben die Angeklagten teils an, sich nicht mehr an alle Taten erinnern zu können. Kein Wunder, einer der Burschen ist ja für über 100 Taten angeklagt, ein anderer für mehr als 50. 

Angeklagter: „Weiß nicht, warum ich das tue“

„Warum machen Sie das?“, fragt eine Verteidigerin einen Burschen. „Ich weiß es nicht“, antwortet der. 

Die Richterin fragt nach, ob er der Empfehlung eines Bewährungshelfers Folge leisten würde, über ein Jugendcoaching einen Weg zu einer Ausbildung finden. „Ja, das würde ich machen.“ 

Die Burschen haben bislang die Volksschule und die Mittelschule absolviert. Einer weiß gar nicht, wie oft er schon wiederholt hat. Zwei der Angeklagten sind rechtskräftig einschlägig vorbestraft, bei einem ist die Verurteilung nicht rechtskräftig. 

Gastro-Lehre im 1. Bezirk

Der 16-jährige Afghane hat im ersten Bezirk als Gastronomiefachkraft gearbeitet, wo er gerade eine Lehre absolviert. Das will er fortsetzen, wenn er nicht in Haft bleiben muss.

Die Richterin geht im Laufe des Tages jeden einzelnen Vorwurf durch, um sich ein genaues Bild zu machen. Zwischendurch gehen immer wieder die Wogen hoch. Freunde der Angeklagten, die dem Prozess beiwohnen wollten, dürfen aus Platzgründen nicht in den Verhandlungssaal - und machen ihrem Ärger lautstark Luft. 

Derzeit läuft die sehr genaue und dennoch einfühlsame Einvernahme der Angeklagten durch die Richterin. Das Urteil wird noch für heute Abend erwartet. 

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