Chronik | Wien
02.03.2018

Lainzer Tiergarten: Abschied von Mufflons, Dam- und Rotwild

Zwei Drittel der Tiere wurden im Rahmen des Wildtiermanagements bereits abgeschossen. Der Jungbaumbestand erholt sich.

Das mediale Echo war enorm, als der Forstbetrieb der Stadt Wien (MA49) 2015 das sogenannte Wildtiermanagement im Lainzer Tiergarten in Angriff nahm. Verbirgt sich hinter dem Begriff doch die komplette Entfernung des gesamten Mufflon-, Damwild- und Rotwildbestandes aus dem Naturschutzgebiet. Vor allem die FPÖ warf der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) vor, "die Ausrottung der Tiere" zum Ziel zu haben. Aber auch innerhalb der Jägerschaft rumorte es gewaltig, da die MA49 ausgerechnet im Feind aller Treibjagden – im "Verein gegen Tierfabriken" (VgT) – einen Kooperationspartner gefunden hatte. Mittlerweile ist es ruhig um das Projekt geworden. Dabei wurden bereits etwa zwei Drittel der betreffenden Tiere erlegt.

Grund für die ungewöhnliche Maßnahme war die nachhaltige Schädigung des Waldes durch zu viele Mufflons (Wildschafe), Dam- und Rotwild – und somit die Beeinträchtigung des Lebensraumes. Dazu kommt, dass Mufflons und Damwild hier ursprünglich gar nicht heimisch waren, sondern im 19. Jahrhundert im Lainzer Tiergarten angesiedelt wurden, um die Attraktivität des Jagdgebietes zu erhöhen.

Das Rotwild wiederum wäre zwar von hier. Für die Populationsgröße herrschen im ringsum abgeschlossenen Areal aber zu viele Stressfaktoren. Ebenfalls reduziert werden Wildschweine, die die Wiesen umwühlen und somit als Ökosystem beeinträchtigen, sowie Rehwild.

Tierleid minimieren

Um das ökologische Gleichgewicht zwischen dem Lebensraum und den darin lebenden Wildtieren wieder herzustellen, entschied man sich zwar zur Bestandsregulierung. Aber eben nur unter bestimmten ethischen Richtlinien, wie der Leiter der Forstverwaltung, Hannes Lutterschmied, erklärt. Das oberste Ziel sei, Tierleid zu minimieren. Treibjagden gibt es im Lainzer Tiergarten daher nicht.

"Der Tötungsakt soll zum schnellen Tod führen", so Lutterschmied. "Darum erfolgt der Hauptteil der Abschüsse vom Hochstand aus, wenn sich die Tiere nicht bewegen." Berufsjäger der Stadt verwenden dafür zum Teil Schalldämpfer, um den Stressfaktor des Wilds so gering wie möglich zu halten.

Zusätzlich wird die Wildtierfütterung sukzessive reduziert und schließlich gestoppt. "Dadurch führen wir keine zusätzliche Energie zu und senken die Vermehrungsrate der Tiere", erläutert Lutterschmied. Bei besonders strenger Witterung – wie etwa dieser Tage – werde die Regelung aber in geringem Maße aufgeweicht.

Die anfangs diskutierte "Immuno-Kontrazeption" zur Geburtenkontrolle – quasi die "Pille" für das Wild – kam dagegen nicht zum Einsatz. Unter anderem, weil die Forschungsergebnisse zu dieser Verhütungsmethode nur sehr begrenzt auf andere frei lebende Arten anwendbar seien, wie Forstdirektor Andreas Januskovecz erläutert.

Ende der Trophäenjagd

Trophäenjagd ist zurzeit als wirtschaftlicher Beitrag zum Wildtiermanagement zwar noch erlaubt – wenn auch im geringen Ausmaß. So machen Abschüsse durch Jagdgäste (die ausschließlich in Begleitung von Reviermitarbeitern ans Werk gehen dürfen) aktuell etwa 15 Prozent des Gesamtabschusses aus. Doch auch das werde sich in absehbarer Zeit ändern, sagt Lutterschmied.

In "zwei bis drei Jahren" seien die Populationen von Mufflons und Damwild bereits so klein, dass Jagdgäste nur mehr schwer zum Jagderfolg kämen. "Und auf diesem Weg bleiben wir dann auch", stellt Januskovecz klar. Mit anderen Worten: Die Trophäenjagd im ehemals kaiserlichen Jagdrevier ist dann endgültig Geschichte. Vögel, Hasen sowie Raubwild, wie Füchse oder Dachse, werden jetzt schon nicht bejagt.

Von den geschätzten insgesamt 300 Stück Mufflons und Damwild sind noch etwa 100 Stück übrig, beim Rotwild sind es nur mehr einige wenige. Und wie 32 repräsentative Probeflächen zeigen, erholen sich die Jungbäume bereits. Der reduzierte Bestand ermöglicht langfristig zudem ein Ein- und Auswechseln des Wildes über Grünbrücken in den bzw. aus dem Lainzer Tiergarten.