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Chronik Wien
05/27/2019

Zerstörung von Holocaust-Bildern: „Wir hatten Angst, dass so etwas passiert“

Luigi Toscano hat Holocaust-Überlebende fotografiert. Einige seiner Porträts wurden Sonntagnacht zerstört.

von Markus Strohmayer

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage berichten internationale Medien über rechtsextreme Vandalenakte in Wien. Kamerateams aus Deutschland und Frankreich kamen am Montag zum Burgring. Dort wurden die Werke des deutsch-italienschen Fotokünsterls Luigi Toscano zerstört. Er will damit Zeitzeugen sichtbar machen.Der KURIER hat ihn getroffen.
 
KURIER: Haben Sie nach diesem Akt der Zerstörung schon mit Zeitzeugen gesprochen?

Luigi Toscano: Wir hatten immer Angst davor, dass so etwas passiert. Aber die Wucht überrascht uns alle. Ich habe mit einer Holocaust-Überlebenden gesprochen und sie findet das sehr schlimm. Aber sie hat auch gesagt: Luigi bleib standhaft, lass dich nicht beugen.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie vor den zerstörten Porträts stehen?

Diese Schändung tut mir  weh. Aber es tut auch  gut, dass ich höre, ich solle weitermachen. Die Solidarität in Wien ist groß. Es haben sich Leute gemeldet, die die Ausstellung  beschützen wollen. Ich musste vorhin sogar Leute abhalten, die die kaputten Fotos flicken wollten. Es gibt speziell in Österreich viele Menschen, die mit Fremdenhass nichts zu haben wollen. 

Es wurden Löcher in die Bilder geschickt.

Einige Tage zuvor wurden die Porträts mit Hakenkreuzen verunstaltet.

Als Zeichen der Solidarität mit den Zeitzeugen wurden Blumen vor den zerstörten Fotografien niedergelegt. 

Was war der Anlass für dieses Projekt?

Das ist meine Reaktion auf den europaweiten Rechtsruck. Es ist meine Art, mich gegen Rassismus und Hass zu wehren. 

Sie waren mit dieser Ausstellung auf der ganzen Welt. War es in Wien das erste Mal, dass so etwas passiert?

Ja, mit dieser Wucht und dieser politisch klaren Botschaft auf jeden Fall. Wir hatten kleinere Fälle von Vandalismus, da gab es aber kein politisches Motiv. Aber das hier war keine reine Sachbeschädigung. Symbolisch geht das viel weiter. 

Gibt es in Österreich Probleme mit der Erinnerungskultur?

Mir fällt auf, dass sich viele Menschen sehr engagieren. Gleichzeitig kommt es mir – zumindest aus der Ferne – so vor, als würde es immer noch jene geben, die sich eher in der Opfer-, als in der Täterrolle sehen. 

Lassen Sie sich von solchen Angriffen entmutigen?

Ich bin jetzt so motiviert, dass es konkret den Plan gibt, zusätzlich in anderen Städten Österreichs auszustellen.Und das machen wir auch.

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