Chronik | Wien
07.11.2017

Krankentransporte bleiben umkämpft

Private Anbieter wollen sich an der von der Stadt geplanten neuen zentralen Leitstelle beteiligen.

Trotz mehrerer Verhandlungsrunden ist der Konflikt um das Krankentransportwesen in Wien noch immer nicht restlos gelöst. Denn private Dienstleister äußern jetzt Bedenken an der zuletzt von der Stadt beschlossenen Neuorganisation der Transporte samt einer neuen zentralen Leitstelle für alle Wiener Blaulichtorganisationen.

Zur Vorgeschichte: Wie berichtet, sorgte im Sommer die geplante Kündigung von 35 Mitarbeitern des Roten Kreuzes für massive Aufregung. Der Personalabbau sei nötig, hieß es seitens der Hilfsorganisation, weil immer häufiger Fahrtendienste zu günstigeren Konditionen die Transporte übernehmen würden, was zu Lasten der Blaulichtorganisationen gehen würde. Nach einem Aufschrei der Gewerkschaft wurde ein Teil der Kündigungen wieder zurückgenommen. Weiters wurde eine Reform des Transportwesens vereinbart. So beschloss im September der Gemeinderat, 500.000 Euro für den Aufbau einer neuen Leitstelle lockerzumachen.

Eigene Zentrale

Das missfällt wiederum den privaten Fahrtendiensten. "Seit 2013 gibt es schon eine Leitstelle, die die Krankentransporte von sechs Fahrtendiensten koordiniert und einen Vertrag mit der WGKK hat. Dieses Angebot kostet der Stadt keinen Cent", sagt Thomas Haller, Eigentümer des Fahrtendienstes Hallermobil mit Sitz in der Donaustadt. Neben seiner Firma sind unter anderem Blaguss oder ÖHTB Partner dieser Leitstelle. Hier arbeiten rund 30 Personen, allein im Vorjahr wurden über die Zentrale rund 407.000 Transporte abgewickelt. Nach Anfrage der Kunden leiten die Mitarbeiter den Auftrag an jene Firma weiter, die für den jeweiligen Bezirk zuständig ist.

Die über die vergangenen Jahre aufgebaute Zentrale sieht jetzt Haller durch die Pläne der Stadt gefährdet. "Dabei wären wir bereit, mit der Stadt zu kooperieren, ohne dass für sie Kosten anfallen würden. Stattdessen wird jetzt eine halbe Million Euro ausgegeben, für die der Steuerzahler aufkommen muss", sagt Haller. "Unsere Leitstelle hat mittlerweile ein enormes Know-how und sie ist mit modernster EDV-Technik ausgestattet, wovon die Stadt profitieren könnte."

Umso unverständlicher sei es, dass man bis jetzt nicht einmal zu den Reformgesprächen eingeladen wurde. Haller kann sich auch vorstellen, dass ein Mitarbeiter der Zentrale direkt im Spital sitzt, um besser entscheiden zu können, welche Transportart der Patient nach dessen Entlassung benötigt.

Scharfe Ablehnung

Peter Hacker, Chef des Fonds Soziales Wien, erteilt solchen Überlegungen eine Abfuhr: "Bei der Leiststelle dieser Anbieter handelt es sich um eine Taxifunkzentrale. Das kann man überhaupt nicht mit dem von der Stadt geplanten Projekt vergleichen, für das völlig andere Qualitätsnormen gefragt sind."

Konkret gehe es darum, dass künftig nur mehr eine Leitstelle für alle Blaulichtorganisationen Wiens (z.B. Rotes Kreuz, Arbeitersamariterbund) zuständig ist. Bisher hatte jede dieser Organisationen eine eigene, was die Bestellung für Patienten wie Spitäler kompliziert machte. "Durch die Zusammenführung wollen wir die Service- und Kostenqualität verbessern", sagt Hacker.

Spätestens im zweiten Quartal 2018 sollen die ersten Organisationen an die neue Leiststelle angeschlossen werden.