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Spitäler
07/12/2016

"Es geht nicht um Einsparungen"

Krankenhaus-Managerin Kölldorfer-Leitgeb wehrt sich gegen die Vorwürfe der Wiener Ärztekammer.

von Josef Gebhard

Die Gemeindespitäler kommen nicht zur Ruhe. Wegen der Reduktion von bis zu 40 Nachtdiensten droht die Ärztekammer mit Kampfmaßnahmen. Im KURIER-Gespräch nimmt Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Direktorin für Organisationsentwicklung im Krankenanstaltenverbund, zu den Vorwürfen Stellung.

KURIER: Die Ärztekammer spricht im Zusammenhang mit der aktuellen Umstrukturierung der Nachtdienste von einem "glatten Vertragsbruch". Hat sie damit recht?

Evelyn Kölldorfer-Leitgeb: Nein. Seit einem Jahr sind wir mit den Mitarbeitern im Gespräch, haben unzählige Workshops veranstaltet und dargestellt, wie das neue Dienstzeiten-Modell umzusetzen ist. Viele Abteilungen haben die Kapazitäten von Nachtdiensten auch schon wie geplant in den Tag verlagert. Jetzt geht es um die Umstellung bei den restlichen Abteilungen.

Droht nicht durch die Verschiebung der Nachtdienste eine schlechtere Versorgung der Patienten?Die ärztlichen Direktoren haben sich in den einzelnen Abteilungen genau angeschaut, welche Leistungen zwischen 20 Uhr und in der Früh anfallen und wie viele Ärzte es dafür braucht. Es wird weiterhin an jeder Abteilung genügend Nachtdienste geben, die Patientenversorgung ist nicht gefährdet. Beispiel Wilhelminenspital: Hier wurden gerade einmal sechs Dienste in den Tag verlagert, 61 bleiben wie bisher erhalten.

Kritik kommt aber auch an der Umstellung von 25- auf 12,5-Stunden-Dienste.

Es können auch weiterhin 25-Stunden-Dienste gemacht werden, weil das der Wunsch der Mitarbeiter war. Wir haben nicht vor, sie völlig einzustellen.

Weiters vermisst die Kammer die vereinbarte Entlastung der Ärzte durch das Pflegepersonal.

Dieses Projekt ist zu einem großen Teil umgesetzt. Das Pflegepersonal kümmert sich jetzt etwa um Blutabnahmen, Chemotherapien oder Infusionsmanagement. Es ist schade, dass das von der Ärztekammer nicht anerkannt wird. Um wiederum die Pflegekräfte von administrativen Tätigkeiten zu entlasten, haben wir rund 150 Dienstposten für Stationssekretärinnen geschaffen. In einem weiteren Schritt werden Serviceassistenten die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten übernehmen.

Dienen die Umstrukturierungen nicht letztlich einfach dazu, Geld einzusparen?

Es geht nicht um Einsparungen. Wir müssen effizienter werden, um etwa Wartezeiten auf Operationen zu verkürzen. Deshalb sollen ja auch mehr Ärzte tagsüber eingesetzt werden.

Auch in anderen Bundesländern mussten die Ärzte-Arbeitszeiten umgestellt werden. Warum ist in Wien der Widerstand so massiv?

Der Krankenanstaltenverbund ist hinsichtlich seiner Größe einzigartig. Die Umsetzung von Reformen ist in kleineren Organisationen sicher einfacher. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es im kommenden Jahr Ärztekammer-Wahlen gibt. Es gibt jedenfalls in unseren Häusern sehr viele engagierte Ärzte, die den Kopf darüber schütteln, dass hier permanent versucht wird, nötige Veränderungen zu blockieren und zu verhindern.

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