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Paukenschlag
06/18/2016

Konkursantrag gegen Copa-Generalpächter Weber

Stadt Wien wurde überrascht, das Verfahren stoppt auch einige der Gerichtsprozesse.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Für den Generalpächter der Copa Cagrana, Norbert Weber, wird es nun wirklich eng. Gegen seine Firma, die Boardwalk Entwicklungs GmbH, wurde ein Insolvenzantrag gestellt.

"Die Boardwalk Entwicklungs GmbH schuldet (...) der Antragstellerin 2382,90 Euro Verfahrenskosten, die Schuldnerin hat aber lediglich 921,40 Euro bezahlt", heißt es im Insolvenzantrag, der dem KURIER vollständig vorliegt. "Die Pfändung konnte aber nicht vollzogen werden, weil am 22. Oktober 2015 keine pfändbaren Gegenstände vorgefunden wurden."

Wie berichtet, wurde Webers Firmensitz bei der Reichsbrücke geschleift, sein Firmenkonto von der BAWAG gekündigt, auch auf sein Privathaus ist ein Pfandrecht eingetragen. Laut Insolvenzantrag sind außerdem zwei weitere Exekutionsverfahren gegen die Boardwalk anhängig.

Stichtag 21. Juli

Der Wiener Anwalt schließt daraus, dass die Gesellschaft zahlungsunfähig und überschuldet ist. Das Handelsgericht Wien hat für den 21. Juli die erste Tagsatzung anberaumt. In dieser Gerichtsverhandlung muss Boardwalk-Eigentümer Weber erneut ein Vermögensverzeichnis vorlegen. Oder anders gesagt: Kann Weber nicht nachweisen, dass seine Firma diese Schulden bezahlen kann, wird ein Konkursverfahren eröffnet.

Die Stadt Wien wurde dabei nun etwas auf dem falschen Fuß erwischt. Derzeit gehen die Prüfer des Stadtrechnungshofes beim Wiener Gewässermanagement ein und aus und die neue Copa Cagrana muss geplant werden – und nun wird es parallel dazu noch das Insolvenzverfahren geben. Das hat auch Auswirkungen auf die zahlreichen Rechtsstreitereien zwischen Weber und der Stadt, denn der Großteil der Prozesse dürfte während des Insolvenzverfahrens ruhend gestellt werden.

Weber selbst war für eine Stellungnahme in den vergangenen Tagen nicht einmal per Mail erreichbar, was bisher noch nie der Fall war. Ein ehemaliger Geschäftspartner befürchtet sogar, er sei jetzt untergetaucht. Schließlich laufen derzeit auch noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Weber wegen mutmaßlichem Steuerbetrugs und Beweismittelfälschung.

Spannend wird sein, wie viel Geld nun tatsächlich in dem Insolvenzverfahren eingefordert wird, der Betrag könnte in die Millionen gehen. Allein die Räumung der Copa hat mehr als eine halbe Million Euro gekostet, für ein versunkenes Schiff in Linz dürften Bergekosten in der Höhe von 700.000 Euro anfallen. Dazu soll es auch Pachtschulden bei mehreren Objekten geben.

Igel statt Menschen

Inzwischen kommt auch der neue Copa Beach noch nicht so richtig in die Gänge, meist bleiben die Sonnenliegen und Lokale leer. Dabei hat die Stadt zwei interessante neue Anbieter dorthin gebracht – das Figar, bekannt auch wegen seines großartigen Essens, und nun doch noch einmal das Beach House der Chaya fuera, das mit guter Musik und Cocktails lockt. Beides ist sehr einladend hergerichtet, aber das Publikum strömt noch nicht in Massen herbei. Dafür breiten sich die Tiere vom Donaupark dort hin aus, in den vergangenen Wochen wurden am Copa Beach Hasen, Igel und Marder gesichtet.

Nun schaltet die Stadt sogar Inserate, um auch die Menschen an den Copa-Beach zu locken.