Wie Hitze und Trockenheit dem Siebenschläfer und dem Wienerwald schaden

Veränderte Bedingungen machen sowohl dem Siebenschläfer zu schaffen, als auch dem Wienerwald – Buchen etwa leiden besonders unter Hitze und langer Trockenheit.
Bäume im Wienerwald.

Die Klimakrise verändert die Lebensbedingungen enorm. Die Veterinärmedizinische Universität Wien hat sich in einer Langzeitstudie mit einem Detail-Problem befasst – nämlich, wie der Klimawandel die Lebensbedingungen für den Siebenschläfer im Wienerwald verändert. Das Forscherteam um Lukas Hochleitner hat die Siebenschläferpopulation über 17 Jahre hinweg beobachtet.

Und da spielt die Buchenmast eine große Rolle. Das sind Jahre, in denen die Bäume besonders viele Bucheckern tragen. Vor allem die jüngeren Nagetiere sind stark auf diese Kost fokussiert. 

„Die Jungtiere sind in der Zeit zwischen ihrer Geburt bis zu ihrem ersten Winterschlaf so etwa zu 90 Prozent auf die Bucheckern angewiesen“, erklärt Hochleitner. Sie können mit der fettreichen Kost besonders schnell Gewicht zulegen.

Buchenmast für Jungtiere wichtig

Das Muster der Buchenmast hat sich mit den steigenden Temperaturen deutlich gewandelt: Waren es früher oft zwei bis drei Jahre mit fettem Angebot für die Waldbewohner, die dann von ein paar dürren Jahren gefolgt waren, gab es zuletzt einen jährlichen Wechsel. 

Und es könnte noch weniger werden, fürchte die Forscher: Durch weiter steigende Durchschnittstemperaturen in Kombination mit weniger Regen könnte sich nämlich die Energieversorgung im Baum selbst so verändern, dass sich keine Mastjahre mehr ausgehen, befürchtet Hochleitner.

Ein Siebenschläfer.

Ein Siebenschläfer. 

Buchen unter Druck

Buchen sollst du suchen – dieses gängige Sprichwort gilt also für Blitze und Siebenschläfer gleichermaßen. Und irgendwann womöglich auch für den Wienerwald. Derzeit besteht der Wald aus über 50 Prozent Rotbuchen. 

Diese leidet unter trockenen und heißen Jahren besonders. Und wenn diese Jahre häufiger aufeinanderfolgen, können sich die Bäume nicht mehr erholen, weiß Alexandra Wieshaider, stellvertretende Betriebsleiterin der Bundesforste, die im Wienerwald etwas mehr als 30.000 Hektar Wald bewirtschaften. 

Die Bundesforste arbeiten deshalb an Strategien, den Wald möglichst erhalten zu können. Bei den Baumbeständen wird sich allerdings einiges in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ändern.

Etwa bei der Buche. Denn die Bundesforste setzen darauf, die Buche durch die resistentere Eiche zu ersetzen. „Das wird nicht in ein paar Jahren passieren“, nimmt Wieshaider die Angst vor allzu tiefgreifenden Veränderungen, „sondern über viele Jahrzehnte.“

Artenvielfalt schützt

Jedenfalls ist die Artenvielfalt eines der wichtigsten Rezepte, um einen funktionierenden Wienerwald auch angesichts massiver Veränderungen der klimatischen Bedingungen zu erhalten, betont Wieshaider. 

Denn auch die Fichte wird sich nicht halten können. Im Nordosten des Wienerwaldes ist sie der dominierende Baum, „die Fichte wird dort komplett zurückgehen“, ist die Waldexpertin überzeugt. Wer im Wienerwald ebenfalls mit Problemen zu kämpfen hat, ist die Esche. „Für sie gibt es keine Perspektive“, fürchtet Wieshaider trotz aller Bemühungen, resistente Eschen zu züchten. 

Pilz führt zu Baumsterben

Aktuell führt ein Pilz zu Kronensterben, später faulen die Wurzeln der Bäume, die Esche fällt um. Wobei festzuhalten ist: Großflächige Ausfälle von Bäumen durch Veränderungen des Klimas gebe es im Wienerwald noch nicht, versichert Wieshaider.

Umso mehr wird derzeit versucht, mit relativ resistenten Bäumen, die im Wienerwald schon vorhanden sind – etwa Eiche, Weißtanne, Kiefer – eine natürliche Verjüngung zu erreichen. 

Sprich: Diese Bäume werden freigestellt, sie produzieren in den großen Kronen neuen Samen, dieser fällt zu Boden und Jungbäume wachsen nach und verjüngen den Wald dadurch.

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