Am Intelligenztest gescheitert
Europa ist mit zunehmend schwerwiegenden Folgen des Klimawandels konfrontiert, mit steigenden Todeszahlen sowie wirtschaftlichen und ökologischen Schäden. Angesichts der fast zum Erliegen gekommenen Bemühungen, wirksamen Klimaschutz voranzutreiben, formuliert der Wissenschaftliche Beirat der EU für Klimawandel nun fünf Empfehlungen, um die bisher schwachen Anpassungsbemühungen effektiver und gerechter zu machen. Diese Empfehlungen sind nichts weniger als das Eingeständnis, dass der internationale Klimaschutz nahezu gescheitert ist. Wir alle, 198 Staaten der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), sind an diesem so wichtigen Intelligenztest gescheitert.
Wir sollen uns in Europa auf eine globale Erwärmung von 2,8 °C bis 3,3 °C vorbereiten, so die Empfehlungen der Gruppe der Spitzenforscher (darunter auch der Österreicher Keywan Riahi).
Was das für das kleine Österreich heißt, versuchte der zweite Sachstandsbericht zum Klimawandel (AAR2) im Vorjahr verständlich zu machen: Starkniederschläge werden bei 3 °C globaler Erwärmung um 20,3 Prozent zunehmen, Hitzetage werden von vier Mal jährlich auf 17 bis 35 Tage pro Jahr ansteigen und intensiver werden, Dürren werden wir etwa fünf Mal so oft erleben müssen. Zudem geht es bei uns schneller als im globalen Schnitt: Die Temperatur in Österreich ist seit 1900 um rund 3,1 °C gestiegen – doppelt so stark wie im globalen Schnitt.
Der Spirit des EU-Klimaschutzes von 2018 und 2019, als vor allem die Jugend immer freitags weltweit protestierte, und die EU mit dem Green Deal reagierte, ist völlig verflogen. Im EU-Parlament beeilen sich die rechten Fraktionen seit der EU-Wahl 2024, mit Gesetzesänderungen den Green Deal auszuhöhlen und auszuhebeln und sind damit auch mit Hilfe der US-Öl-Lobbys erfolgreich. Diese haben kürzlich erreicht, dass die US-Administration den Treibhausgas-Ausstoß entgegen jeder wissenschaftlichen Erkenntnis als nicht gesundheitsgefährdend eingestuft hat.
Es war zu erwarten, dass das politische und gesellschaftliche Pendel beim Klimaschutz früher oder später in die andere Richtung ausschlägt, dennoch überrascht die anhaltende Wucht. Eine Erklärung ist die Macht der weltweiten Öl- und Gasindustrie, die laut Berechnungen der Universität Antwerpen seit mehr als fünfzig Jahren rund 2,4 Milliarden Euro Gewinn macht – an jedem einzelnen Tag!
Inzwischen nimmt die Skepsis auch bei uns zu – über die Auswirkungen der Klimakrise, über die Energiewende und über das Bild unserer Zukunft insgesamt. Leider wird kein amtierender Politiker die tatsächlichen Folgen der Klimakrise zu spüren bekommen. Das überlassen wir stillschweigend unseren Kindern.
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