Kindergarten-Reform: Das soll sich jetzt in Wien alles ändern
Kindergärten kämpfen mit Personalmangel
Am Freitag präsentierte Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) mit SPÖ-Gemeinderätin Astrid Pany Neuerungen im Zuge der Reform "Kindergarten neu denken".
Als Grundlage für jene Veränderungen dienen die Ergebnisse einer Umfrage, an der Personen, die in elementarpädagogischen Einrichtungen in Wien arbeiten, teilgenommen haben. Insgesamt 2.434 Personen aus städtischen sowie privaten Einrichtungen haben daran teilgenommen. Ziel der Stadt sei es gewesen, herauszufinden, wie pädagogisches Personal derzeit auf die Herausforderungen im Kindergarten blicke, so Emmerling.
Dabei wurden Personalmangel und Gruppengröße laut Emmerling als starke Belastungsquellen genannt. Entsprechend oft zu hören war die Forderung nach einer Reduktion der Anzahl der Kinder.
Demnach gaben 46 Prozent der Befragten an, sie würden als erste Maßnahme die Gruppengröße reduzieren.
Kleinere Gruppen
Eine erste politische Ableitung aus der Umfrage ist deshalb ein Stufenplan zur Reduzierung der Gruppengröße. Konkret bedeutet das, dass bei Kindergartengruppen (3-6 Jahre) die Anzahl um drei Kinder gesenkt werden soll. Bei Familiengruppen soll es eine Reduzierung von zwei Kindern geben.
Der Reformprozess werde über einen längeren Zeitraum laufen, betont die Stadträtin, der Stufenplan werde ab 2028 bzw. bei Familiengruppen ab 2029 eingeführt. Die Verzögerung sei auf die Einführung des zweiten verpflichtenden Kindergartenjahrs zurückzuführen, das ab 2027 kommen soll.
Sprachcluster aufbrechen
Ein weitere Herausforderung, die Kindergärten und in weiterer Folge Schulen beschäftigt, sind die Deutschkenntnisse der Kinder. Im Zuge von "Kindergarten neu denken" soll in den Kindergartengruppen künftig für mehr Durchmischung bei den Alltagssprachen der Kinder gesorgt werden.
Dabei sollen bestehende Sprachcluster, mit der Ausnahme von Deutsch, aufgelöst werden. Somit sollen nur noch ein Fünftel der Kinder mit derselben Alltagssprache in einer Gruppe sein. Auch bei den Sprachclustern soll es Übergangsfristen geben, damit "kein Kind die bestehende Gruppe verlassen muss", sagt Emmerling.
Zudem soll die Mitwirkung von Eltern ausgedehnt werden. Ein verpflichtendes Entwicklungsgespräch, das jährlich zwischen den Erziehungsberechtigten mit den Pädagoginnen und Pädagogen stattfindet, soll gesetzlich verankert werden.
Konzeptionswoche kommt
Neu eingeführt wird weiters eine sogenannte Konzeptionswoche für das Personal, so Astrid Pany. In diesem Zeitraum soll sich künftig auf das kommende pädagogische Jahr vorbereitet werden. Stattfinden soll sie Ende des Sommers.
Da die Kindergärten währenddessen geschlossen sein werden, findet diese Konzeptionsphase nicht überall gleichzeitig statt. Sie soll alternierend in den letzten beiden Ferienwochen durchgeführt werden, damit Erziehungsberechtigte mit Betreuungsbedarf ihre Kinder für diesen Zeitraum an einem anderen Standort in der Nähe unterbringen können, führt Pany aus.
Gemischte Gefühle
Auf gemischte Gefühle stieß die Reformankündigung bei der Opposition: "Bei aller logischen Kritik am Bildungsversagen der Neos ist es erfreulich, dass mit der angestrebten Durchmischung in Wiens Kindergärten endlich eine langjährige Forderung von uns Grünen aufgegriffen werden soll", so Julia Malle und Felix Stadler, die Bildungssprecherin und Bildungssprecher der Grünen. Diese sei dringend notwendig, in der Vergangenheit aber von den Neos blockiert worden.
Weitaus negativer sah man die Verzögerung bei der Gruppengröße: „Nach sechs Jahren Neos-Zuständigkeit für Wiens Kindergärten ist die nächste Ankündigung, die Gruppengrößen in den kommenden 10 Jahren verringern zu wollen, blanker Hohn“, so Parteichefin Judith Pühringer in einer Aussendung.
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