Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Kindergarten-Reform: Das soll sich jetzt in Wien alles ändern

Weniger Kinder pro Gruppe, neue Regeln zur sprachlichen Durchmischung und verpflichtende Entwicklungsgespräche mit Eltern: Die Stadt Wien hat weitere Schritte der Reform „Kindergarten neu denken“ präsentiert.
Kinder spielen mit einem Holzpuzzle und Bausteinen in einem Kindergarten.

Bis zu drei Kinder weniger soll es künftig in den Kindergartengruppen Wiens geben, verkündete Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) bei einem Medientermin am Freitag. Gemeinsam mit SPÖ-Gemeinderätin Astrid Pany wurden neben der Gruppengröße weitere Neuerungen   im Zuge der Reform „Kindergarten neu gedacht“ präsentiert. 

Als Grundlage für die Veränderungen dienen die Ergebnisse einer Umfrage, an der Mitarbeitende elementarpädagogischer Einrichtungen in Wien teilgenommen haben. Insgesamt 2.434 Personen aus städtischen und privaten Einrichtungen haben daran teilgenommen. Ziel der Stadt sei es gewesen, herauszufinden, wie pädagogisches Personal derzeit die Herausforderungen im Kindergarten beurteile, so Emmerling.

Als erhebliche Belastungsquellen wurden von den Befragten Personalmangel wie auch die Größe der Kindergartengruppen identifiziert. Entsprechend oft sei die Forderung nach einer Reduktion der Kinderanzahl gefallen, sagte die Bildungsstadträtin. Demnach gaben 46 Prozent der Befragten an, sie würden als erste Maßnahme die Gruppengröße reduzieren.

Kleinere Gruppen

Eine erste politische Ableitung aus der Umfrage ist deshalb ein Stufenplan zur Reduzierung der Gruppengröße in den kommenden zehn Jahren. Konkret bedeutet das, dass bei Kindergartengruppen (drei bis sechs Jahre) die Anzahl um drei  auf 22 Kinder gesenkt werden soll. Bei Familiengruppen, wo bisher bis zu 24 Kinder untergebracht waren, soll es ebenfalls eine Reduzierung von zwei  Plätzen geben.

Wie viele Gruppen es aufgrund der kleineren Größe künftig mehr geben wird, könne man noch nicht genau sagen, da die Anmeldezahlen nicht konstant seien, wurde betont. Die Mittel dafür soll es jedenfalls geben. 
Realisiert werden soll das Vorhaben ab 2028 beziehungsweise bei Familiengruppen ab 2029. Die Verzögerung sei auf die Einführung des zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres zurückzuführen, das ab 2027 kommen soll. .

Sprachcluster aufbrechen

Eine weitere Baustelle im Bildungsbereich, die mit der Reform in Angriff genommen werden soll, sind die Sprachkenntnisse der Kinder. Im Zuge von „Kindergarten neu denken“ soll in den Gruppen künftig für mehr Durchmischung bei den Alltagssprachen der Kinder gesorgt werden. Dabei sollen bestehende Sprachcluster – mit Ausnahme von Deutsch – aufgelöst werden.

Die Änderung sieht vor, dass künftig nur noch ein Fünftel der Kinder mit derselben Alltagssprache, sofern diese eben nicht deutsch ist, in einer Gruppe sein. Auch bei den Sprachclustern soll es Übergangsfristen geben, damit „kein Kind die bestehende Gruppe verlassen muss“, sagte Emmerling. Laut der Stadträtin soll bereits bei der Anmeldung und Einrichtung der Gruppen die entsprechende Durchmischung berücksichtigt werden. 

Zudem soll die Mitwirkung von Eltern ausgedehnt werden.  „Es ist ihre Pflicht, sich einzubringen“, so Emmerling. Ein Entwicklungsgespräch, das jährlich zwischen den Erziehungsberechtigten und Pädagogen geführt wird, wird nun zur Pflicht. Der Kindergarten kann auch ein zweites Gespräch einfordern, sofern dies für die Entwicklung des Kindes als notwendig erachtet wird.

Neu eingeführt wird außerdem die Konzeptionswoche, so Astrid Pany. Der Zeitraum ist dafür vorgesehen, dass sich das Personal auf das kommende pädagogische Jahr vorbereiten kann. Da die Kindergärten währenddessen geschlossen sein werden, findet diese Konzeptionsphase nicht überall gleichzeitig statt. Sie soll alternierend in den letzten beiden Ferienwochen durchgeführt werden, damit Erziehungsberechtigte mit Betreuungsbedarf ihre Kinder für diesen Zeitraum an einem anderen Standort in der Nähe unterbringen können

Gemischte Reaktionen

Auf gemischte Gefühle stieß die Reformankündigung bei der Opposition: „Bei aller logischen Kritik am Bildungsversagen der Neos ist es erfreulich, dass mit der angestrebten Durchmischung in Wiens Kindergärten endlich eine langjährige Forderung aufgegriffen werden soll“, so Julia Malle und Felix Stadler, die Bildungssprecherin und Bildungssprecher der Grünen. Diese sei dringend notwendig, in der Vergangenheit aber von den Neos blockiert worden.

Weitaus negativer sah man die Verzögerung bei der Gruppengröße: „Nach sechs Jahren Neos-Zuständigkeit für Wiens Kindergärten ist die nächste Ankündigung, die Gruppengrößen in den kommenden zehn Jahren verringern zu wollen, blanker Hohn“, so Parteichefin Judith Pühringer in einer Aussendung.

Die ÖVP sieht das ähnlich: Kleinere Gruppen, die Auflösung von Sprachclustern und eine stärkere Einbindung der Eltern würden Punkte aufgreifen, die längst hätten umgesetzt werden müssen, heißt es in einer Aussendung. Die FPÖ begrüße indes, dass die Stadtregierung den Handlungsbedarf erkenne, so FPÖ-Klubobmann Maximilian Kraus. Die Maßnahmen würden allerdings „deutlich zu spät“ kommen. Auch bleibe völlig offen, wie die geplante Verkleinerung der Gruppen angesichts des bestehenden Personalmangels umgesetzt werden sollen.      

Kommentare