Kindergartenkinder sollen von Pädagoginnen eingesperrt worden sein.

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Chronik Wien
04/23/2019

Ermittlungen gegen Meidlinger Kindergarten: Pädagoginnen entlassen

Zwei Pädagoginnen sollen Kleinkinder in Waschraum "geschickt" oder "gesperrt" haben. Die Behörde hat Ermittlungen eingeleitet.

von Bernhard Ichner

Mehrere Kleinkinder sollen in einem vom Verein „Kinder in Wien“ (Kiwi) betreuten Betriebskindergarten in Meidling allein in einen Waschraum geschickt – oder sogar gesperrt – worden sein. Die beiden dafür verantwortlichen Pädagoginnen seien entlassen worden, berichtet die Presse. Die zuständige MA11 (Wiener Kinder- und Jugendhilfe) leitete ein Ermittlungsverfahren in die Wege.

Laut MA11-Sprecherin Herta Staffa wurde das pädagogische Fehlverhalten der beiden Mitarbeiterinnen von Kiwi selbst der Behörde gemeldet. Man sei deshalb nun dabei, das Personal, Eltern und Zeugen über die Vorkommnisse zu befragen. Anfang Mai sollen die Ermittlungen abgeschlossen sein und die Erkenntnisse in einen Maßnahmenkatalog für den Kindergartenbetreiber einfließen. Ziel sei, „frühzeitig zu erkennen, wenn eine Urzeitpädagogik angewandt wird“ und das Risiko für die Kinder zu minimieren, betont Staffa. Mit dem Träger habe man bisher gute Erfahrungen gemacht.

„Ausnahmesituation“

Im Gespräch mit dem KURIER bestätigt Kiwi-Geschäftsführer Thomas-Peter Siegl die Vorwürfe. Es sei korrekt, dass zwei Pädagoginnen „in einer emotionalen Ausnahmesituation im Einzelfall Kinder in den Waschraum geschickt“ hätten. Zwar hätten sie durch die offene Tür weiterhin Blickkontakt mit den Kleinen gehabt – um ein pädagogisches Fehlverhalten habe es sich trotzdem gehandelt. "Wenn Kinder emotional werden, müsste man sie an der Hand nehmen und die Emotionen mit ihnen aufarbeiten. Das ist nicht geschehen", sagt Siegl.

Darum habe man umgehend arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen, nachdem man von Eltern informiert worden sei. Die beiden Pädagoginnen seien zuvor nie negativ aufgefallen. In der 70-jährigen Geschichte von Kiwi seien dies überhaupt die ersten Fälle dieser Art gewesen, betont Siegl.

"Kein Personalmangel"

Als Reaktion wurde eine Kinderpsychologin mit dem Fall betraut. Die Eltern hat man ebenso verständigt wie die Behörde. Das restliche Personal habe man sensibilisiert, sagt Siegl. Kiwi werde „alles tun, um transparent zu sein“, betont er.

Betroffen seien ein- bis sechsjährige Kinder aus acht Familien. Sechs davon hätten sich bei Kiwi gemeldet, fünf hätten psychologische Hilfe in Anspruch genommen. In einem Fall soll es sich um ein 22 Monate altes Kind handeln.

Personalmangel schließt Siegl als Ursache für die unprofessionelle Handlungsweise der Pädagoginnen aus. "Wir arbeiten überhalb des gesetzlichen Personalschlüssels", sagt der Geschäftsführer. Der konkrete Standort sei für 100 Kinder ausgelegt, werde zurzeit aber nur von 90 besucht.