Chronik | Wien
23.03.2017

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Experten schlagen Alarm

Noch immer gibt es zu wenige Plätze für Kinder und Jugendliche, die eine Betreuung brauchen.

56 Betten auf Kinder- und Jugendpsychiatrien gibt es derzeit in Wien und 20 Plätze in Tageskliniken. Mindestens 128 sollten es sein – und das entspräche nur dem Minimum. 208 wären laut dem Österreichischen Strukturplan Gesundheit sinnvoll. Doch diese Plätze gibt es nicht. Nach wie vor landen durchschnittlich zwei Kinder oder Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren, die psychiatrisch betreut werden müssen, auf der Erwachsenenpsychiatrie und müssen dort im Durchschnitt elf Tage ausharren. Eine altersgerechte Betreuung gibt es nicht.

"Wir haben das schon vor fast genau einem Jahr kritisiert. Es ist bestürzend, dass die Verantwortlichen ein Jahr später gar nichts über Fortschritte berichten können", sagt Volksanwalt Günther Kräuter. Gemeinsam mit der Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz, Psychiater Ernst Berger und Bernhard Rappert vom Vertretungsnetz appellierte Kräuter am Donnerstag an die neue Führung des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) und die neue Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) "zumindest bis Herbst etwas vorzulegen". Bernhard Rappert vom Vertretungsnetz "kann nicht nachvollziehen, dass der öffentliche Druck nicht größer ist".

Sonderbericht

Im vergangenen Jahr gab es exakt 163 Aufnahmen von Kindern oder Jugendlichen auf Psychiatrien für Erwachsene. "Das waren auch Mehrfachaufnahmen derselben Person", sagt Patientenanwältin Sigrid Pilz. "Aber das macht es für mich nicht besser." Die Experten drängen nun darauf, die Kapazitäten für die Behandlung psychisch kranker Kinder zu erhöhen. Konkret soll etwa die Station für psychisch kranke und behinderte Erwachsene im Krankenhaus Rosenhügel in eine Station mit 15 Betten für Kinder umgewandelt werden.

Die Volksanwaltschaft arbeitet derzeit außerdem an einem Sonderbericht zur Kinder- und Jugendpsychiatrie, der im Herbst dem Nationalrat vorgelegt werden soll.